25.10.2007 | OVZ

Licht und Schatten

Das Mittelstands-Urteil über Banken im Landkreis offenbart Stärken und Schwächen

Altenburg. Die Idee dahinter ist einfach: Es galt, den Spieß einmal umzudrehen. So wie die Banken ihre mittelständischen Gewerbekunden vor der Kreditvergabe prüfen, könne auch der Mittelstand den Banken nach eigenen Gesichtspunkten auf den Zahn fühlen. Mit diesem Leitgedanken entstand das Projekt Mittelständischer Bankenindex (Mbix), das im Altenburger Land nun erstmals als Modell getestet wurde (OVZ berichtete). Bei der Umsetzung haben es sich die Verantwortlichen – der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) und die Stiftung Bankentest – allerdings keineswegs einfach gemacht.

“Wir wollten die Banken nicht nach aus der Luft gegriffenen Kriterien bewerten, sondern konkret aus der Sicht und entsprechend der Bedürfnisse des Mittelstandes”, erklärt Helmut Soult von der Stiftung Bankentest, die die vom BVMW initiierte Studie auf ein wissenschaftliches Fundament stellte und begleitete. “Schließlich”, fügt BVMW-Landesgeschäftsführer Günther Richter hinzu, “haben sich die Kriterien für die Kreditvergabe deutlich verschärft. Der Mittelstand hat es heute schwerer.” Laut einer Erhebung der KfW-Bank sei die Ablehnungsquote bei Kreditanträgen kleinerer Unternehmen um einiges höher als bei großen. “Auch gute Beziehungen zum Firmenkundenbetreuer der jeweiligen Bank nutzen da mittlerweile nichts mehr”, meint Richter. Umso wichtiger sei es für die Betriebe, die Spielregeln der Kreditinstitute zu kennen und sich darauf einzustellen.

Der Mbix soll dabei helfen. 1000 Unternehmen im Altenburger Land waren für die Untersuchung angeschrieben worden – mit der Aufforderung, per Fragebogen ihre Hausbank zu beurteilen. Der Fragenkatalog reichte von der Höhe der Sicherungsleistungen für Bankkredite über Kundenservice-Aspekte bis hin zum Einfluss, den die Bank auf das Unternehmen sowie auf das öffentliche Leben im Landkreis ausübt.

109 gültig ausgefüllte Fragebögen kamen zurück und gingen in die Auswertung ein. Das Ergebnis – ein Ranking mit sechs Kreditinstituten aus dem Altenburger Land – fiel indes anders aus, als von manchem Projektbeteiligten erwartet. Nicht ein klassischer Mittelstands-Finanzierer, wie die Sparkasse oder eine Genossenschaftsbank, hat als “Beste Mittelstandsbank 2007” mit Abstand die Nase vorn, sondern die Deutsche Bank Altenburg – als einzige mit “gut” benotet. Auf den weiteren Plätzen folgen die Volksbank, die Hypo-Vereinsbank, die VR-Bank, die Commerzbank und die Sparkasse. Andere Institute, wie etwa die Dresdner Bank, wurden auf den Fragebögen zu selten als Hausbank benannt, um berücksichtigt zu werden.

Eventuell, relativiert BVMW-Kreisgeschäftsführer Gerhard Schlütter gegenüber OVZ, “könnte ein Grund für das besonders gute Abschneiden der Deutschen Bank sein, dass dort nach meinen Informationen vor einiger Zeit eine Bereinigung im Firmenkundengeschäft stattgefunden hat. Jene Klientel, die danach übrig blieb, wird von der Deutschen Bank wohl sehr gut behandelt und hält ihr die Treue.” Das auffallend gute Ergebnis des Instituts sei deshalb aber keineswegs kleinzureden.

Zudem offenbart der Mbix noch einiges mehr. Das Gesamtergebnis setzt sich aus verschiedenen Kategorien mit Teilnoten zusammen. Dabei schnitten die Banken jeweils recht unterschiedlich ab. Der Gesamtsieger Deutsche Bank etwa liegt in der Kategorie “Förderung des Unternehmertums” auf Rang fünf, während die Volksbank dort die Liste anführt. In der Kategorie “Bankdienstleistungen” gibt es sogar überhaupt keinen Erstplatzierten aus der Region. Das Sammelbecken “Andere Banken” mit auswärtigen Einrichtungen und Direktbanken steht ganz oben. “Ein Zeichen dafür, wohin sich die mittelständischen Unternehmen der Region orientieren”, bilanziert Helmut Soult – und sieht in diesem Zusammenhang die VR-Bank mit ihrer soeben gegründeten Deutschen Skatbank auf dem richtigen (Online-)Weg.

Eine weitere Erkenntnis: Im Bereich Tourismus und Gastgewerbe offenbare sich eine Diskrepanz zwischen politisch verkündeten Absichten und der Bereitschaft einheimischer Banken, unternehmerische Tourismus-Projekte zu unterstützen. Und auch bei der Sparkasse Altenburger Land im Speziellen sehen BVMW und Bankentest “Licht und Schatten”. “Sie ist ganz klar die heterogenste Einrichtung unter den bewerteten Einrichtungen”, urteilt Helmut Soult. Auf der einen Seite starkes öffentliches Wirken für Gründerkultur und Verbreitung des Innovationsgedankens bei Unternehmen, auf der anderen Seite kaum Ermutigung zu neuen Geschäftsideen oder Bereitschaft zur Finanzierung risikobehafteter Innovationen. Die öffentlichen Thesen stünden zum Teil im Kontrast zum Gebahren bei konkreten Kundenbeziehungen.

Dieses Mbix-Ergebnis lässt auch die FDP im Landkreis aufhorchen. “Wir sehen uns in unseren Vorwürfen bezüglich der ungenügenden Mittelstandsförderung der Sparkasse Altenburger Land bekräftigt”, sagt Kreistags-Fraktionschef Karsten Schalla. Die Vorwürfe waren unter anderem beim Landrats-Wahlkampf 2006 geäußert worden.

Allerdings, betont Günther Richter, gehe es den Initiatoren des Mbix nicht um Bankenschelte, sondern um eine bessere Kooperation von Kreditinstituten und Mittelstand. Der Index solle nicht zuletzt Ansporn sein, Bankdienstleistungen bedarfsgerechter zu gestalten. Immerhin: Die Plätze zwei bis sechs im Ranking haben sich ein knappes Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert. Ein künftiger Ränge-Tausch in der Kundengunst ist also denkbar.

Kay Würker