01.10.2016 | OVZ

Senioren-Projekt Jahnpark: Stadtrat debattiert hitzig, gibt aber grünes Licht

Altenburg setzt Bauverfahren letztlich mit klarer Mehrheit in Gang – doch Gegenwind ist zu erwarten

VON THOMAS HAEGELER

Altenburg. Der an der Geraer Straße geplante Seniorenwohnpark hat die erste Hürde genommen. Allerdings schieden sich daran im Altenburger Stadtrat am Donnerstagabend die Geister. Trotz – oder gerade wegen – der fast einstündigen Debatte darüber und vieler Fragen winkten letztlich 17 Abgeordnete den Aufstellungsbeschluss durch. Vier Stadträte wollten das Bauverfahren dagegen gar nicht erst in Gang setzen, sechs enthielten sich. Pro Jahnpark äußerten sich vornehmlich SPD und CDU, Contra-Stimmen gab es vor allem von den Linken. Die Enthaltungen entfielen zum Großteil auf Grüne/Stadtforum und Pro Altenburg.

Eine flammende Rede für das 20-Millionen-Euro-Projekt, das aus einem Dreigeschosser für betreutes Wohnen mit 60 bis 70 Wohnungen und einer vierstöckigen Pflegeeinrichtung mit 143 Plätzen bestehen soll (die OVZ berichtete), hielt der fraktionslose Stadtrat Detlef Zschiegner. „Es kann den Pflege- und Arbeitsbedingungen sowie den Löhnen nur guttun, wenn Bewegung auf den Markt kommt“, sagte der FDP-Politiker. Auch Altenburg profitiere, wenn 120 neue Jobs entstünden, durch Zuzug von Fachkräften. Aus eigener Erfahrung wisse er, dass man in und um Altenburg in Sachen Pflege von einer 100-prozentigen Auslastung sprechen müsse. „Wir sind es den Betroffenen schuldig, damit auch bei der Pflege nichts in die Hose geht.“ Mit der doppeldeutigen Anspielung auf den Altenburger Investor Michael Hose, der das Projekt im Vorfeld kritisiert hatte, zog Zschiegner die Lacher auf seine Seite.

Auch CDU-Fraktionschef André Neumann sieht den Bedarf an Betreuungsplätzen vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung. Man habe die Möglichkeit, sich das Projekt in den weiteren Schritten anzuschauen und zu entscheiden, erklärte er vor allem Richtung der Linken. Damit deutete Neumann aber zugleich an, dass es auch in seiner Partei Fragen und Bedenken gibt. Die Linken lehnen das Vorhaben vor allem aus einem Grund ab: Besagtes Grundstück ist als Sportplatz-Fläche ausgewiesen und war heißer Kandidat für das neue Aktiv-Areal des Friedrichgymnasiums. „Ohne konkrete Ersatzvariante für den Sportplatz zu haben, stehen wir wieder ganz am Anfang einer über Jahre geführten Diskussion“, begründete Fraktionschefin Kati Klaubert ihr Contra.

Das wiederum verstand Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) nicht und erklärte dazu, dass man zuvor mit dem Landkreis als Schulträger gesprochen habe. „Aber der Landkreis hat kein Interesse an der Fläche“, so der Rathauschef. „Diese Aussage müssen wir akzeptieren.“ Der Kreis favorisiere eine Fläche auf der Seite des Gymnasiums. Auch könne er der Stadt nicht empfehlen, die Fläche für einen solchen Preis zum Sportplatzbau zu kaufen. Damit spielt er auf den nach OVZ-Informationen hohen sechsstelligen Betrag an, den die Eigentümergemeinschaft von den Investoren verlangt.

Deren Vertreter waren begehrt. Es gebe keinen Plan B, falls das Vorhaben scheitere, sagte Projektleiter Volker Böhm vom Bautzner Bauherren Hentschke Richtung Sandy Reichenbach (CDU). Dieser hatte zudem Bedenken, dass man die Pflege Älterer zu stark in der Weststadt konzentriere, weil es dort schon zwei solche Einrichtungen gebe. Uwe Ehlers vom Vermarkter EMC sagte, dass die Mietverträge mindestens 25 und maximal 40 Jahre laufen, was meist ausgeschöpft werde. Zudem versicherte er Johannes Schaefer (Grüne/Stadtforum), dass man öffentlich zugänglich sein wolle, kein geeignetes Bestandsobjekt gefunden habe und beide Einrichtungen wegen Synergien nicht trennen könne.

Die Fragen deuten bereits darauf hin, dass das Projekt durchaus kritisch gesehen wird. Dazu passt, dass sich unter Anwohnern zwischen Jahnplatz und An den Geraer Linden Widerstand formiert. Sie fürchten um die Minderung ihrer Wohnqualität durch Lärm. Deswegen ist bereits eine Unterschriftensammlung im Gespräch.