28.01.2017 | OVZ

Altenburg bekommt weiteren Supermarkt

Trotz zu viel Einzelhandelsfläche in der Stadt will Norma an der Rudolf-Breitscheid-/Franz-Mehring-Straße bauen

VON THOMAS HAEGELER

Altenburg. Nächster Supermarkt für die Skatstadt: Wie Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) am Donnerstagabend im Stadtrat auf Nachfrage von Detlef Zschiegner (FDP) sagte, will ein Discounter an der Ecke Rudolf-Breitscheid-/Franz-Mehring-Straße eine Filiale errichten. Für die Fläche, wo sich einst Fensterbau Rauh befand, liege ein Bauantrag vor. „Er ist zurzeit in Bearbeitung und wird zu einer Baugenehmigung führen“, sagte der Rathauschef, ohne die genaue Größe oder einen Namen zu nennen.

Nach OVZ-Informationen handelt es sich dabei um Norma. Der Discounter plant einen Markt mit gut 600 Quadratmetern Verkaufsfläche. Damit unterschreitet man die im Einzelhandelskonzept vorgegebene Fläche von 800 Quadratmetern, ab der die Stadt das Vorhaben auf nicht dafür vorgesehenen Flächen ablehnen kann. „Wenn man unter der Grenze bleibt und kein Bebauungsplan erforderlich ist, haben wir wenig Möglichkeiten“, erklärte Wolf. Dabei schlügen zwei Herzen in seiner Brust. „Einerseits die Beseitigung einer Brache und andererseits das Einzelhandelskonzept.“

Auf die darin festgehaltenen Regeln hatte der Stadtrat gedrungen, um einen Wildwuchs zu verhindern. Darauf hatte sich auch Zschiegner bezogen und zudem angemerkt, dass es in der Stadt ohnehin schon zu viel Einzelhandelsfläche gebe. Weil man keine Zersiedelung wolle, habe man eine Verträglichkeitsanalyse verlangt, so Wolf. „Die hat der Discounter gemacht.“ Sie habe ergeben, dass es keine negativen Auswirkungen auf den bereits existierenden Einzelhandel in der Stadt habe. „Damit ist die Möglichkeit ausgeschlossen, etwas gegen diese Maßnahme zu tun.“ Pikant: Nach OVZ-Informationen hat die Analyse mit der BBE Handelsgesellschaft jene Firma erstellt, die im Auftrag Altenburgs bereits das Einzelhandelskonzept verantwortete.

Um in Sachen Ansiedlung von Einzelhandel auf Nummer sicher zu gehen, könnten nur alle Brachen mit Bebauungsplänen belegt werde, so Wolf. „Aber das ist mengenmäßig nicht möglich und würde dazu führen, dass wir Flächen erwerben müssten.“

Nach Recherchen dieser Zeitung hat die Stadt Norma mit Nordplatz und Osterland-Center, aus dem sich bis Jahresende Aldi verabschiedet, zwei Alternativen angeboten. Doch der Discounter blieb bei seiner Entscheidung. Offenbar weil Norma selbst Eigentümer des Neubaus werden will und weil der Projektentwickler weitere Einzelhändler direkt daneben ansiedeln soll. Letzteres bestätigte Wolf: „Man darf mögliche spätere Erweiterungen nicht mit dem jetzigen Vorhaben vermischen. Ob man das ablehnen kann, muss man sehen.“ Bei Norma war gestern für Nachfragen niemand erreichbar.

Kommentar

Investoren muss man begeistern

VON THOMAS HAEGELER

Am Fall des geplanten Norma-Neubaus lässt sich für Altenburg viel ablesen. Zuvorderst zeigt der Discounter hier, wie clever und findig ein Unternehmen sein kann, wenn es ein Geschäft wittert. Obwohl der Platz alles andere als optimal erscheint, glaubt man offenbar mit den Bewohnern des Lerchenbergs und der oberen Innenstadt ein dicht besiedeltes Gebiet versorgen zu können.

Darüber hinaus macht das Beispiel deutlich, dass das Einzelhandelskonzept bisher ein astreiner Papiertiger ist. Denn wenn es ernst wird, lassen sich Ansiedlungen damit keineswegs so steuern, wie es sich viele gewünscht und vorgestellt haben. Das wurde einigen Stadträten am Donnerstagabend offenbar bewusst, wenn man sich ihre Gesichter anschaute, während der OB über ein unmögliches Verbot sprach.

Solange das Konzept nicht mit flankierenden Maßnahmen begleitet wird, ist es die Zeit und das Geld nicht wert, das es gekostet hat. Viel zu lange stritt man sich über Details und Ausnahmen oder die Liste mit innenstadtrelevantem Sortiment. Zumal einzukalkulieren ist, dass es Investitionen mit seinen Reglementierungen eher behindert. Schließlich verunsichern diese potenzielle Investoren oder schrecken sie gar ab.

Das Konzept verwirklicht sich also keineswegs selbst. Denn es reicht nicht, nur zu sagen, wo es nicht geht.Vielmehr muss die Stadt interessierten Investoren die Orte, an denen Einzelhandel gewünscht ist, so schmackhaft machen, dass sich nicht anders können als zuzubeißen. Erst wenn das gelingt, wird der Handel florieren und Stadt wie Stadträte glücklich machen.