09.09.2017 | OVZ

Wen wählt Altenburg 2018? – ein Orakel rund ums Oberbürgermeister-Amt

Nach der Bundestagswahl steht für die Altenburger nächstes Jahr die Kür des Stadtoberhaupts an. Einen genauen Termin für den Urnengang gibt es noch nicht, nur der Zeitraum zwischen dem 1. Mai und dem 31. Juli steht fest. Bis dahin wird noch viel Wasser die Blaue Flut hinunter gehen, weswegen sich auch kaum jemand aus der Deckung wagt. Dennoch riskiert Thomas Haegeler einen Blick in die Glaskugel.

Michael Wolf (SPD)

Amtsinhaber Michael Wolf (SPD) hält sich bisher bedeckt, will sich erst im Herbst entscheiden, ob er kandidiert oder nicht. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit, dass der 55-Jährige 2018 noch einmal antritt und versucht, aus dann 18 Jahren Amtszeit 24 zu machen, sehr hoch. Zwar plagt ihn gelegentlich eine leichte Amtsmüdigkeit, und er ärgert sich oft über die viel zu schlechte Finanzausstattung der Kommunen, die „ein Gestalten schwierig“ macht, wie er gern betont. Andererseits gibt Wolf mit gewissen Entscheidungen immer wieder einen Wink, dass er die Finger von der Macht weder lassen kann, noch will.

Dazu zählen unter anderem sein Enga- gement in Sachen Flüchtlings- und Müll-
problem in Altenburg-Nord und -Südost, wofür er insbesondere von klassischen Linken-Wählern, aber auch vom rechten Rand viel Applaus bekommen hat. Auch der vehement von Bürgern geforderten Fußweg am Penny-Markt zählt zu dieser Kategorie. Knackpunkt könnte – neben privaten Dingen – auch noch die Landesgartenschau werden. Da er diese für nicht finanzierbar hält, könnte er verzichten, wenn Altenburg den Zuschlag bekäme. Doch für diesen Fall gäbe es auch noch das von Parteigenosse Thomas Jäschke und Co. initiierte Bürgerbegehren. Zudem muss Altenburg ja nicht den Zuschlag bekommen. Außerdem gibt es in der SPD derzeit niemanden, der ad hoc für Wolf einspringen kann. Weder vom politischen Geschick und der Erfahrung, noch von der Bekanntheit her.

Lange Rede, kurzer Sinn: Wolf tritt zu 95 Prozent wieder an.

André Neumann (CDU)

André Neumann gilt als sicherster Kontrahent für Amtsinhaber Michael Wolf (SPD). Dafür hat Altenburgs CDU-Chef schon vor Monaten gesorgt, als er im Stadtrat nach dem Termin der nächsten OB-Wahl fragte. Weiter untermauert hat der 39-Jährige seine Ambitionen, indem er als Triebfeder maßgeblich Mehrheiten gegen Vorlagen des OB besorgte. Prominentestes Beispiel war der Haushalt, den man Ende März klar von der Tagesordnung stimmte. Auch ließ Neumann bisher kaum eine Chance aus, sich mit Wolf verbal zu duellieren.

„Meine persönliche Entscheidung ist in Absprache mit meiner Familie bereits vor einiger Zeit gefallen“, sagt Neumann auf Nachfrage, ohne konkreter zu werden. „Fraktion und Vorstand des Ortsverbandes sind darüber informiert und wurden von mir um Vertraulichkeit gebeten.“ Öffentlich bekannt geben will der er seine Entscheidung zur Mitgliederversammlung und Vorstandswahl am 18. Oktober.

Damit darf als ziemlich sicher gelten, dass Neumann ins OB-Rennen geht. Es sein denn, er wirft noch hin und zieht sich zurück. Dann aber hätte die CDU ein riesiges Problem. Denn die Zahl der potenziellen Alternativen ist im größten politischen Ortsverband relativ klein: Der Stadtratsvorsitzende Alexander Reichenbach will nach OVZ-Informationen nicht. Und Christoph Zippel, der könnte, hat sich gerade im Landtag eine aussichtsreiche Position erarbeitet. Da die CDU in Erfurt wieder an die Macht strebt, wäre es zudem unklug, den Altenburger dort aus dem Rennen zu nehmen.

Fazit: Neumann kandidiert – zu 98 Prozent.

Kati Klaubert (Die Linke)

Als führende Regierungspartei in Thüringen und als Partei, die mit Michaele Sojka die Landrätin im Altenburger Land stellt, ist es der Anspruch der Linken, einen eigenen Kandidaten für die OB-Wahl in Altenburg aufzustellen. Oder eine eigene Kandidatin.

Der stellvertretende Fraktionschef im Stadtrat, Harald Stegmann, fällt als Rentner allerdings altersbedingt aus. Daher läuft alles auf die amtierende Fraktionsvorsitzende Kati Klaubert hinaus.

Allerdings will sich die Wirtschaftsjuristin und Tochter der früheren Bildungsministerin Birgit Klaubert wiederum dazu auch erst im Herbst erklären. „Die Entscheidung, ob ich selbst kandidiere, fällt im Oktober“, so Klaubert, die halbtags im Wahlkreisbüro des Bundestagsabgeordneten Frank Tempel arbeitet. „Bis dahin bin ich mit dem Bundestagswahlkampf beschäftigt.“

Fazit: Da die Wahrscheinlichkeit eines überraschenden externen Kandidaten sowie einer großen von CDU bis Linke reichenden Wolf-Abwahl-Koalition extrem gering ist, entscheidet sich Kati Klaubert mit 80- bis 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit für eine Kandidatur. Denn andere parteiinterne Kandidaten gibt es nicht. Und gänzlich ohne würden sich die Linken angesichts ihres Anspruchs blamieren.

Einziger Unsicherheitsfaktor sind Klauberts persönliche Erwägungen. Spannend bleibt zudem, ob es dann in einer möglichen Stichwahl zu erwähnter Abwahl-Koalition kommt.

Michael Hose (parteilos)

„Ich mache 2018 auf jeden Fall Burgermeister“, sagt Michael Hose voller Überzeugung, aber mit einem Augenzwinkern. „Plakate werden auf jeden Fall auch gedruckt und aufgehängt.“ Mit diesen Ansagen meint der Altenburger Unternehmer aber nicht zwangsläufig die Position des Rathauschefs. Denn Hose plant im nächsten Jahr im Erdgeschoss des von ihm gekauften Hotel Engel/Thüringer Hof ein Schnell-restaurant namens „Burgermeister“ samt Sportwagenverleih zu eröffnen. „Das Fast-Food-Restaurant soll zu einer Kette werden“, so der Investor. Das wiederum erklärt auch die Aufschrift auf seinem Auto.

Da er politisch aber nicht uninteressiert ist, hat sich Hose durchaus mit einer Kandidatur für das Altenburger Rathaus beschäftigt und sprach nach OVZ-Informationen auch schon bei Pro
Altenburg vor. Man wurde sich jedoch unterm Strich nicht einig. „Ich denke noch über eine Kandidatur nach“, ergänzt er ernster.

Schließlich stehe für Hose fest: „Der OB muss weg. Und auch von denen, die sich zur Wahl stellen werden, ist kein geeigneter Nachfolger dabei.“ Damit spielt er vor allem auf André Neumann und Kati Klaubert an. Altenburg habe so viel Potenzial, erklärt der umtriebige Skatstädter seinen Antrieb. „Aber es wird nichts daraus gemacht.“

Fazit: So gern er auch etwas ändern will, wird der Parteilose eher nicht antreten. Die Chancen dafür stehen daher höchstens 50:50.

Andreas Sickmüller (Bürgerforum)

Kommt die Sprache auf die OB-Wahl im nächsten Jahr, führt am Bürgerforum Altenburger Land kaum ein Weg vorbei. Und hier fällt in der Skatstadt immer wieder der Name seines Sprechers: Andreas Sickmüller. „Vom Grundsatz her ist das im Bereich des Möglichen“, sagt das Sprachrohr des Bündnisses, das sich vor allem wegen der seiner Meinung nachverkorksten Flüchtlingspolitik gegründet hat. Zudem habe er eine gute Fantasie, könne es sich also vorstellen. „Auch wenn es kein Amt ist, dass ich jetzt explizit anstrebe.“

Allerdings nimmt Sickmüller die Unterstützung seiner Person und des Bürgerforums insgesamt durch die Alternative für Deutschland (AfD) wohlwollend zu Kenntnis. „Damit rechne ich fest.“

Auch intern gebe es in der Bürgerbewegung eine breite Unterstützung für einen eigenen Kandidaten, erklärt der Sprecher der seit rund zwei Jahren existenten Initiative. „Unsere politische Aktivität hat zu einem Vakuum geführt, das es auszufüllen gilt“, sagt Sickmüller selbstbewusst. „Es gibt einige Konstellationen, über die wir uns Gedanken machen.“ So stehe etwa auch Apotheker Gunter Seyffarth dem Thema OB-Kandidatur offen gegenüber.

Fazit: Zu 97 Prozent wird es einen Kandidaten des Bürgerforums Altenburger Land geben, und zu 80 bis 90 Prozent heißt der Andreas Sickmüller. Aufgrund seiner Bekanntheit und seines eloquenten Auftretens hätte er die größten Chancen auf ein gutes Ergebnis. Zudem könnte man mit einer Wahlempfehlung in einer möglichen Stichwahl zum Zünglein an der Waage werden.

Stadtforum und Pro Altenburg winken ab – FDP und AfD mit Ideen

Etwas leichter mit klaren Aussagen als die potenziellen heißen Kandidaten tun sich jene, die bereits entschieden haben. Allen voran Johannes Schaefer. Immer wieder fällt sein Name im Zusammenhang mit der OB-Wahl. „Viele Leute haben es mir nahegelegt, mich gefragt oder gebeten“, bestätigt der Fraktionschef von Stadtforum/Grüne im Stadtrat diesen Umstand, winkt jedoch gleich wieder ab. „Aber es ist ein Job, den man können muss und für den tiefgründige Verwaltungserfahrung nötig ist.“ Zudem sei der Restaurator als Freiberufler sehr glücklich.

„Weder werde ich selbst antreten, noch jemand aus der Fraktion oder aus deren Umfeld“, stellt Schaefer klar. Es wäre der Wunsch gewesen, dass es einen gemeinsamen Kandidaten gäbe, den die Mehrheit im Stadtrat mittragen könnte. „Denn nach 18 Jahren Michael Wolf täte es der Stadt gut, wenn es einen unabhängigen, unparteiischen Kandidaten gebe, der auch ein Typ ist und ihm das Wasser reichen kann. Aber da sehe ich derzeit keinen.“

Das gilt letztlich auch für die Bürgerinitiative Pro Altenburg. Niemand aus deren Reihen habe Ambitionen, erklärte deren Chef, Peter Müller. Dazu zählt auch er selbst. Der Friseurmeister, der sich bei der letzten OB-Wahl erst im Stechen Amtsinhaber Wolf geschlagen geben musste, darf zudem altersbedingt nicht mehr antreten. Und selbst für einen möglichen externen Kandidaten konnte man sich bisher nicht erwärmen.

Die Hoffnung darauf hat man bei der FDP noch nicht ganz aufgegeben. Ihr einziger verbliebener Stadtrat Detlef Zschiegner winkt bei der Frage nach seiner Person aber ab. „Dafür bin ich mit über 60 Jahren zu alt“, sagt der Liberale, obwohl es – rein rechtlich – möglich wäre. Explizit nicht ausschließen wolle er jedoch, dass seine Partei einen Kandidaten vorschlägt. „Sei es aus den eigenen Reihen oder aus einer anderen Partei.“

Obwohl man sich derzeit auf die Bundestagswahl konzentriere, werde die OB-Wahl in Altenburg interessant, ist sich der Ostthüringer AfD-Landtagsabgeordnete Thomas Rudy sicher. „Aber unsere Personaldecke ist derzeit so dünn, dass wir wohl keinen eigenen Kandidaten aufstellen werden.“ Ganz verzichten will man getreu dem Selbstverständnis als Alternative für Deutschland aber nicht und kann sich durchaus vorstellen, konservative Kräfte zu unterstützen. Namentlich kommt hier speziell das Bürgerforum infrage. „Wenn Andreas Sickmüller antritt, unterstützen wir ihn“, legt sich Rudy fest. Ähnliches gelte für Gunter Seyffarth.