22.09.2017 | OVZ

Zehn Kandidaten wollen ein Direktmandat

Mit Parteibuch oder ohne – die OVZ stellt die Bewerber aus dem Wahlkreis 194 vor, die am Sonntag um die Erststimme kämpfen

VON JENS ROSENKRANZ

Altenburg/Gera/Greiz. 77 551 wahlberechtigte Bürger aus dem Altenburger Land können am Sonntag ihre Stimme zur Wahl des neues Bundestags abgeben. Der Bevölkerungsrückgang hat auch hier seine Spuren hinterlassen, denn vor vier Jahren waren es noch 4328 mehr. Dafür haben erheblich mehr Bürger per Briefwahl abgestimmt. Vor vier Jahren waren es 2353, zum Stichtag 13. September schon 6996, also 4643 mehr.

Allein in Altenburg haben bis gestern 2892 Bürger ihre Stimme per Briefwahl abgegeben, 3363 hatten dies beantragt. Vor vier Jahren waren dies 2717. Auch Schmölln folgt mit 1200 Briefwählern dem allgemeinen Trend, dass diese Art der Stimmabgabe immer beliebter wird.

Zuwachs hat auch der hiesige Wahlkreis 194 bekommen, denn zusätzlich zum Altenburger Land und dem Landkreis Greiz gehört dazu nun die Stadt Gera. Damit erhöht sich die Anzahl der Wahlberechtigten von rund 170 700 von vor vier Jahren auf rund 240 000.

Gewinner des Direktmandats 2013 war Volkmar Vogel (CDU) mit 44,9 Prozent. Die Union holte im Wahlkreis mit 41,8 Prozent auch die meisten Zweitstimmen, gefolgt von den Linken mit 23 und der SPD mit 14,2 Prozent.

Chancen auf den Einzug in den Bundestag haben neben Vogel über die Liste ihrer Parteien auch Elisabeth Kaiser (SPD), Frank Tempel (Linke) und Robby Schlund (AfD). 2013 verzeichnete der Wahlkreis eine Wahlbeteiligung von 67,9 Prozent.

Katja Grosch, FDP

Als die Liberalen aus dem Thüringer Landtag flogen und seitdem eine rot-rot-grüne Koalition die Regierung stellt, stand für die Erfurterin fest, in die FDP einzutreten. Ihre Themen im Bundestagswahlkampf sind die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, ein ordentlicher Breitbandausbau vor allem auf dem Land, Lehrermangel und innere Sicherheit. Die 47-Jährige ist Bundesvorsitzende der Liberalen Frauen und betreibt in Erfurt ein Kosmetik-Studio. 25 Jahre lang spielte sie Handball beim THC Erfurt, eine Zeit lang sogar in der ersten Bundesliga.

Volkmar Vogel, CDU

Seit 2002 sitzt der CDU-Politiker schon im Bundestag und will nun zum fünften Mal ein Direktmandat gewinnen. Der 58-Jährige hat sich nach vielen Jahren im Verkehrsausschuss in der vergangenen Legislaturperiode in Berlin vor allem im Baubereich engagiert. Im Altenburger Land ist mit seinem Namen der Fortgang der Planungen für den Autobahnzubringer und die Anschlussstelle an die A 72 bei Frohburg verbunden. Vogel wohnt im Landkreis Greiz, ist evangelisch, verheiratet und hat zwei erwachsene Töchter und vier Enkel.

Frank Tempel, Die Linke

Innere Sicherheit und eine liberalere Drogenpolitik sind die Kernthemen von Frank Tempel, der seit 2009 im Bundestag sitzt, sich aber auch im Kreistag engagiert, die Probleme der Region kennt, deshalb das Armutsrisiko senken und gegen zu geringe Einkommen kämpfen will. Anständig bezahlte Arbeit und mehr Geld im Umlauf nutzt Dienstleistern und schafft mehr Gewerbe, was zu steigenden Steuereinnahmen für die Kommunen führt, meint er. Der 48-Jährige sitzt im Bundesvorstand der Linken, lebt in Zehma und ist Vater von drei Kindern.

Elisabeth Kaiser, SPD

Die Geraerin war bislang Pressesprecherin der SPD-Landtagsfraktion und bewirbt sich nun erstmals für ein Bundestagsmandat. Ihre Themen sind Familie und Beruf, Verbesserungen in der Pflege, Bildung, die kostenlos und für alle möglich ist sowie Arbeit und Renten, von denen man leben kann. Ostthüringen will sie wieder zu einer lebendigen und aufstrebenden Region machen. Mit dem Listenplatz 2 ihrer Partei in Thüringen hat sie als Newcomerin sehr gute Chancen, sofort in den Bundestag einzuziehen. Kaiser ist 30 Jahre alt, verheiratet und hat einen Sohn.

Dr. Robby Schlund, AfD

Die Stärkung strukturschwacher Regionen, wie Ostthüringen, durch Steuerentlastungen und bessere Förderprogramme für den Mittelstand sowie der Stopp illegaler Zuwanderung, mehr Polizei und hartes Durchgreifen bei jeder Art von Gewalt – dafür und für Heimatliebe setzt sich Robby Schlund ein. Der promovierte Mediziner ist Facharzt für Orthopädie und Sportmedizin und hat eine Praxis in Gera. Seit 2013 gehört er der AfD an und ist dort stellvertretender Sprecher des Landesvorstandes. Der 50-Jährige wohnt in Wünschendorf und ist verheiratet.

Andreas Leps, Bündnis 90/Grüne

Andreas Leps wünscht sich nach der Bundestagswahl am liebsten eine rot-rot-grüne Koalition. „Um dem demogra-
fischen Wandel entgegenzuwirken, setze ich mich für den Ausbau der Bahnlinien ein. Vor allem zwischen Weimar und Altenburg“, sagte er der OVZ. Wichtig ist dem 47-Jährigen der Kampf gegen Kinderarmut. In seiner Heimatstadt Weimar engagiert er sich als Fraktionschef im Stadtrat, beruflich ist er Büroleiter der grünen Landtagsabgeordneten Astrid Rothe-Beinlich. Der studierte Historiker ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Günter Brinkmann, Freie Wähler

Der Thüringer Landesvorsitzende der Freien Wähler war in der IG Selbstverwaltung federführend, als das Volksbegehren gegen das Vorschaltgesetz für die Gebietsreform gestartet und dabei 43 000 gültige Stimmen gesammelt wurden. „Nicht reden, machen“, ist die Devise des 70-Jährigen, der aus NRW stammt und seit 1990 in Gera wohnt. Der gelernte Kaufmann ist für ein bundesweit einheitliches Schulsystem, die steuerliche Entlastung von Alleinerziehenden und gleiche Löhne in West und Ost.

Lisa Walther, V-Partei³

Als Studentin habe sie sich mit „katastrophalen hygienischen Zuständen der Massentierhaltung auseinandersetzen müssen“, begründet Lisa Walther, warum sie in den Bundestag will und sich dort für Verbraucherschutz und die Förderung des bioveganen Landbaus einsetzen will. Flexible Schulzeiten, individuelles Lernen, die Förderung von alternativen Energien und von ökologisch und nachhaltig ausgerichteten Unternehmen sind ihr auch wichtig. Die 28-jährige Tierärtztin ist Landesvorsitzende der V-Partei³, ledig und wohnt in Gera.

Matthias Hüfken, Einzelkandidat

Ein bedingungsloses Grundeinkommen ist eines der Ziele von Matthias Hüfken. Hinter dem 53-Jährigen steht keine Partei, weswegen er sich als Einzelbewerber auch als unbestechlich bezeichnet. „Dem Leben dienen“, lautet sein Motto. Hüfken macht einen leisen Wahlkampf und ohne Wahlplakat. Ein weiteres Anliegen von ihm ist der Schutz der existenziellen Lebensgrundlagen. Dazu gehören zum Beispiel frisches Wasser, saubere Luft und lebendige Böden. Der selbstständige Tischler wohnt in Seelingstädt, ist verheiratet und hat zehn Kinder.

Jens Geidel, Einzelkandidat

Die Politiker in ihrer Blase in Berlin wissen nicht mehr, was die Bevölkerung möchte. „Die Abgeordneten sind zu satt und haben den kleinen Bürger vergessen.“ Diesen Eindruck hat Jens Geidel und dies spürte er auch bei den Bürgern, mit denen der Einzelbewerber während seines Wahlkampfes ins Gespräch kam. Seine Themen sind gleiche Bildungschanen für alle, mehr Vollzeitstellen, Bekämpfung von Altersarmut und eine Reform des Schwerbehindertengesetzes. Der 52-jährige Finanzdienstleister ist verheiratet und wohnt in Altenburg.