07.12.2017 | OVZ

OB-Wahl in Altenburg: FDP unterstützt CDU

Liberale empfehlen Altenburgern, André Neumann zu wählen / Kritik an SPD-Kandidatin Katharina Schenk

VON THOMAS HAEGELER

Altenburg. Die FDP unterstützt im Kampf um den Stuhl des Altenburger Oberbürgermeisters den designierten CDU-Kandidaten André Neumann. So gab Detlef Zschiegner in einer gestern verbreiteten Pressemitteilung eine Wahlempfehlung ab. „Mit André Neumann haben wir nicht nur einen engagierten und politisch erfahrenen Kandidaten für das Amt des Oberbürgermeisters“, erklärte der einzige verbliebene liberale Altenburger Stadtrat. „André Neumann ist darüber hinaus auch ein waschechter Altenburger, der weiß, wie die Menschen in seiner Heimatstadt ticken.“

Offenbar geschieht dies vor dem Hintergrund, dass es der FDP selbst an Kandidaten fehlt. So war man zwar auf der Suche, ist aber nach OVZ-Informationen nicht fündig geworden. Heißestes Eisen im Feuer war Rechtsanwältin Nicole Bauer, die aber abwinkte. „Es gab konkrete Anfragen“, sagte die Altenburgerin. „Ich bin FDP-Mitglied mit Herzen, sehe meine berufliche Zukunft aber nicht in der Politik.“ Um ein Amt wie das des OB, des Landrats oder Ähnliches auszuüben, müsse man es mit 150 Prozent wollen. „Ich bin mit Leidenschaft Rechtsanwältin.“

Ähnlich sieht es an der Kandidatenfront für das Landratsamt aus. Nach OVZ-Informationen gibt es auch hier niemanden, der will – weder Kreischef Torsten Grieger, noch der Kandidat der letzten Landratswahl, Daniel Scheidel, haben Ambitionen. Folglich wird es hier darauf hinauslaufen, dass die Liberalen CDU-Kandidat Uwe Melzer unterstützen.

Alles andere darf angesichts der fundamentalen Kritik der FDP an den Sozialdemokraten als unwahrscheinlich gelten. „Da die Altenburger SPD ganz offensichtlich keinen geeigneten Kandidaten hat, den sie in das Rennen um die Nachfolge ihres Oberbürgermeisters schicken kann, soll nun zu Lasten der Altenburger Steuerzahler eine Leipzigerin zur OB-Wahl fit gemacht werden“, kritisierte Kreisvorstand Zschiegner die frühere sächsische Juso-Chefin und persönliche Referentin Katharina Schenk. „Für eine Stadt, von der sie selber sagt, dass sie sie gar nicht kenne. Das schlägt dem Fass den Boden aus!“

Es würde ihn nicht wundern, wenn sich Michael Wolf zum Ende seiner Amtszeit in die Geschäftsführung eines kommunalen Unternehmens hieven lassen will, um von dort aus weiter die Strippen in der Skatstadt zu ziehen, so Zschiegner. „Das würde seinem Politikstil entsprechen, denn vom Oberbürgermeister im Rathaus zum Oberkellner im Ratskeller wird er die Karriereleiter sicherlich nicht herabsteigen wollen.“

30.12.2017 | OVZ

Leserbrief

Unheilvolle Blockadepolitik im Altenburger Stadtrat

Zum Beitrag: „OB-Wahl in Altenburg: FDP unterstützt CDU“ vom 7. Dezember und zum Leserbrief „FDP-Stadtrat diskreditiert einen ganzen Berufsstand“ vom 15. Dezember:

Der im Leserbrief von Herrn Friedemann angebrachten Kritik über die Äußerungen des Stadtrates Zschiegner gegen den Oberbürgermeister der Stadt Altenburg kann ich mich rückhaltlos anschließen. Lässt man einmal weitere geäußerte Ansichten von Herrn Zschiegner aus Vergangenheit und Gegenwart Revue passieren, fragt man sich besorgt: Was versteht er eigentlich von der Verpflichtung, die ihm sein Ehrenamt auferlegt? Dem Wohl der Stadt zu dienen, wäre seine vornehmste Aufgabe. Davon konnte man in seinem bisherigen Auftreten sowie Handeln wenig verspüren.

Statt durch konstruktive Mitarbeit den Bürgern der Stadt, somit letztlich auch seiner Partei, einen Dienst zu erweisen, zeichnete er sich durch zunehmende Aversionen gegen den OB in Wort und Ton aus. Aggressivität und Intoleranz sind keine guten Ratgeber in der Politik, trotz teilweise unterschiedlicher Meinungen und Auffassungen muss man als Demokrat immer den Konsens suchen und den Kompromiss finden.

Aber ich habe den Eindruck gewonnen, dass dieser Grundgedanke demokratischen Denkens nicht nur bei Stadtrat Zschiegner abhanden gekommen ist, sondern zu großen Teilen auch im Altenburger Stadtrat. Eine Art Einheitsfront von mehreren Parteien und einem Bürgerbündnis lassen keine konstruktive Zusammenarbeit zwischen den Stadträten und dem Oberbürgermeister erkennen.

Somit ist eine positive Politik für Altenburg nur noch eingeschränkt möglich. Dies hat unsere Stadt nicht verdient, ja, es fügt ihr großen Schaden zu. Die Bürgerinnen und Bürger sollten im kommenden April bei den Kommunalwahlen daran denken.

Deshalb begrüße ich den Entschluss der Altenburger SPD, ein junges unverbrauchtes Gesicht mit Kompetenz ins Rennen um den Posten des Oberbürgermeisters zu schicken – eine junge Frau, der nicht der hiesige Stallgeruch anhaftet.

Klaus Venztke, 04600 Altenburg

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