04.08.2009

FDP entsetzt über Wahlkampfstil der CDU-nahen Jugendorganisation

Junge Union schiesst den Vogel ab

“Als ich am Samstag die Zeitung aufgeschlagen habe,” so der FDP-Landtagsdirektkandidat im Wahlkreis 44, Daniel Scheidel, “ist mir das Frühstücksbrötchen im Hals stecken geblieben. Was die Junge Union sich geleistet hat, schießt den Vogel ab, und zwar gleich im doppelten Sinne!”

Scheidel bezieht sich dabei auf ein in der Osterländer Volkszeitung abgebildetes Postkartenmotiv der JU, auf dem der PDS-Spitzenkandidat zur Landtagswahl, Bodo Ramelow, als falscher Thüringer diffamiert wird. “Dass Ramelow kein Freund der Liberalen ist, brauche ich an dieser Stelle wohl kaum zu erläutern. Auch wir liefern uns heftige politische Auseinandersetzungen mit den LINKEN. Diese führen wir jedoch inhaltlich und nicht auf NPD-Niveau!”

Besonders verwundert zeigt sich der Liberale über die Chuzpe der Jugendorganisation. “Der langjährige Thüringer Ministerpräsident Bernhard Vogel war bekannter Maßen auch kein echter Thüringer, auch er scheint jetzt offiziell zum politischen Abschuss freigegeben.” Wobei Daniel Scheidel bittere Ironie anzumerken ist: “Hier wird ganz unterschwellig Fremdenfeindlichkeit propagiert. Und zwar auf einem Niveau, welches wir bisher nur von der NPD kannten. Mir scheint, als versuche die CDU angesichts der sinkenden Umfrageergebnisse nun vor allem im rechten Lager zu punkten. Auch Christian Gumprecht wirbt mit dem Slogan 'echt Altenburger Land'. Ich frage mich ernsthaft, was das soll. Auf der einen Seite leidet der Freistaat seit Jahren unter sinkenden Bevölkerungszahlen, auf der anderen Seite werden engagierte Zugezogene ausgegrenzt und diffamiert. Ist das der neue Politikstil der CDU? Wenn ja, dann erklärt das auch, warum unter ihrer Alleinregierung im Freistaat in den letzten Jahren nichts voran gegangen ist.”

Steffen Plaul, der für die FDP im Wahlkreis 43 als Direktkandidat gegen Fritz Schröter antritt, ergänzt: “Ich hätte erwartet, dass sich die beiden CDU-Kandidaten im Landkreis bei allen demokratischen Parteien für den Ausrutscher der JU entschuldigen. Statt dessen zielt Schröter mit seinem 'Stolz auf Thüringen' jedoch in die selbe Kerbe wie die JU. Das ist Wahlkampf mit simplen Stammtisch-Parolen, aber nicht mit inhaltlichen Aussagen.” Verärgert fährt der 34-jährige Liberale fort: “Schröter sitzt bereits seit 1990 für die CDU im Thüringer Landtag. Aber hat er politisch etwas für das Altenburger Land bewegt? Kaum! Statt dessen versucht er jetzt, pünktlich zu den Wahlen, uns in 17 Kindergärten Sand in die Augen zu streuen. Zum Glück gibt es in meinem Wahlkreis ebenso viele vermeintlich echte wie falsche Thüringer, die seit der Wende etwas bewegt haben und das erkennen.”

Beide FDP-Kandidaten sind sich einig, dass der kommende Wahlkampf auf einem höheren und vor allem inhaltlichen Niveau geführt werden muss. Dazu noch einmal Daniel Scheidel: “In den Jahren unter Althaus sind viele wichtige Fragen unbeantwortet geblieben. Sie gehören jetzt auf den Tisch, und nicht derart plump unter den Tisch gekehrt. Und seien wir mal ehrlich: Lässt sich denn der vermeintlich echte Thüringer auf ein mickriges Würstchen reduzieren, dass zu allem seinen braunen Senf dazu gibt? Ich glaube kaum – das hat das Land ganz einfach nicht verdient.”