05.08.2009 | OVZ

“Wahlkampf mit Stammtisch-Parolen”

FDP attackiert CDU-Kandidaten, weil sie sich nicht von Kampagne gegen Linken-Politiker distanzieren

Altenburg. Die FDP des Altenburger Landes nimmt die umstrittene Kampagne der Jungen Union gegen den Ministerpräsidentenkandidaten der Linken, Bodo Ramelow, als Steilvorlage für eigene Attacken gegen die beiden örtlichen CDU-Kandidaten. Die CDU-Jugendorganisation hatte Ramelow, der aus Hessen stammt, unter anderem auf Postkarten mit einer Bratwurst verglichen und als „falschen Thüringer“ verunglimpft (OVZ berichtete).

Ramelow sei kein Freund der Liberalen, auch die FDP liefere sich heftige politische Auseinandersetzungen mit den Linken, betonte Kreisvorsitzender Daniel Scheidel in einer Pressemitteilung. „Diese führen wir jedoch inhaltlich und nicht auf NPD-Niveau!“

Davon abgesehen, dass auch der langjährige Ministerpräsident Bernhard Vogel kein Thüringer gewesen sei, ärgert die FDP vor allem, dass „unterschwellig Fremdenfeindlichkeit propagiert“ werde. „Und zwar auf einem Niveau, welches wir bisher nur von der NPD kannten. Mir scheint, als versuche die CDU angesichts der sinkenden Umfrageergebnisse nun, vor allem im rechten Lager zu punkten“, erklärte Scheidel.

Auch Christian Gumprecht, der für die CDU im Wahlkreis Altenburg und Umgebung kandidiert, werbe mit dem Slogan „echt Altenburger Land“. „Ich frage mich ernsthaft, was das soll. Auf der einen Seite leidet der Freistaat seit Jahren unter sinkenden Bevölkerungszahlen, auf der anderen Seite werden engagierte Zugezogene ausgegrenzt und diffamiert“, so Scheidel, der im gleichen Wahlkreis 44 wie Gumprecht antritt – und ebenfalls nicht aus Thüringen stammt.

Auch Fritz Schröter, der sich in seinem von Lucka bis Gößnitz reichenden Wahlkreis 43 um die Wiederwahl bewirbt, handelte sich Vorwürfe von seinem FDP-Gegner Steffen Plaul ein: „Ich hätte erwartet, dass sich die beiden CDU-Kandidaten im Landkreis bei allen demokratischen Parteien für den Ausrutscher der JU entschuldigen. Statt dessen zielt Schröter mit seinem ,Stolz auf Thüringen’ jedoch in die selbe Kerbe wie die JU. Das ist Wahlkampf mit simplen Stammtisch-Parolen, aber nicht mit inhaltlichen Aussagen.“

Plaul wirft Schröter vor, seit 1990 für die CDU im Landtag zu sitzen, aber politisch kaum etwas für die Region bewegt zu haben. „Stattdessen versucht er jetzt, uns in 17 Kindergärten Sand in die Augen zu streuen“, meinte der Liberale unter Anspielung auf die Buddelsand-Wahlkampfaktion Schröters. Zum Glück gebe es „ebenso viele vermeintlich echte wie falsche Thüringer, die seit der Wende etwas bewegt haben“, so Plaul.

Beide FDP-Kandidaten forderten in der Presseerklärung, dass der Wahlkampf auf einem höheren und vor allem inhaltlichen Niveau geführt werden müsse.