15.09.2009 | OVZ

Geht Tannenfeld an Schweizer Tanniveld?

Kreistag beauftragt Landrat mit Verhandlungen

Altenburg. Mit knapper Mehrheit hat der Kreistag Landrat Sieghardt Rydzewski (parteilos) beauftragt, über den Verkauf der Park- und Schlossanlage Tannenfeld nur noch mit der Schweizer Tanniveld Finanzholding zu verhandeln.

Der im nicht öffentlichen Teil der jüngsten Kreistagssitzung gefasste Beschluss ist nicht unumstritten. Während nach OVZ-Informationen vor allem CDU, FDP und Regionale den Antrag des Landrats unterstützten, wandten sich SPD und Linke mehrheitlich dagegen. Sie wollten, dass der Landrat das Verkaufsverfahren bis zum fertigen Vertrag allein zu Ende führt – denn in alle bisherigen Gespräche und Verhandlungen sei man schließlich auch nicht eingebunden gewesen. Schon nach der Vorstellung der Schweizer Firma auf einer eigens anberaumten internen Informationsveranstaltung am 17. August hatten einige Kreisräte von einem dubiosen Unternehmen gesprochen.

Der rund 150 000 Quadratmeter große Tannenfeld-Komplex samt seltenem Baumbestand, Park, Schlösschen, drei historischen Villen und einem Wirtschaftshof gilt als eines der historisch bedeutendsten Kulturdenkmale der Region. Und es hängt dem Landkreis seit der Wende wie ein Klotz am Bein. Schon vor fünf Jahren hatte der letzte Nutzer, die Schmöllner Heimbetriebsgesellschaft, das Objekt aufgegeben. Derzeit wird es übergangsweise für die Bewohner des abgerissenen Pflegeheims Löbichau benutzt.

Seit Jahren hat der Landkreis die Schloss- und Parkanlage im Angebot. Immer wieder gab es Interessenten für die aktuell auf 496 000 Euro taxierte Immobilie, die aus unterschiedlichsten Gründen nie zum Zuge kamen. Dafür wurde das Objekt immer wieder ausgeschrieben. Neuester Interessent ist Mario-Max Prinz zu Schaumburg-Lippe, der bei jeder Gelegenheit erklärt, er möchte das Schlösschen gern kaufen, um eine Art Promi-Treff mit Bühne und Café daraus zu machen – und natürlich mit den Ermakovas dort zu leben.

Landrat Rydzewski allerdings erklärte jetzt den Kreistagsmitgliedern per Beschlussvorlage, dass die Tanniveld Finanzholding Schweiz AG aus Baar das schlüssigste Konzept und beste Angebot unterbreitet habe. Sie wolle die vorhandenen Gebäude für stationäre und ambulante Pflege sowie betreutes Wohnen nutzen, wozu auch ein Bettenhaus, Gastronomie sowie eine Krankenpflege-Ausbildung samt Internat gehören sollen. Bis 31. Dezember sollen die Schweizer mit dem passenden Namen nun die Planung konkretisieren und Finanzierungsnachweise beibringen.

Irritiert zeigen sich Kreistagsabgeordnete nach wie vor über die widersprüchliche Situation: Einerseits erkläre der Prinz, der als guter Bekannter des Landrats gilt, er wolle das Schloss kaufen. Andererseits favorisiere der Landrat ganz klar die Schweizer. Und irgendwelche Querverbindungen solle es nicht geben, habe der Landrat auf Nachfragen versichert.

Günter Neumann