21.09.2009 | OTZ

U18 - Kinder wählen Bundestag

440 Jungen und Mädchen geben ihre Stimmen in Schulen und bei Jugendfeuerwehr ab

Von Robert Riedel

Greiz/Mohlsdorf. Gestern taten etwa 500 Kinder und Jugendliche in Greiz das, was allen wahlberechtigten Staatsbürgern am Sonntag bevorsteht: sie wählten den Deutschen Bundestag. In Kooperation mit der Jugendfeuerwehr Mohlsdorf führten das Gymnasium sowie die Regelschulen in Greiz-Pohlitz und Reudnitz für ihre Schüler die Wahl durch. Die Jugendfeuerwehr hatte am Nachmittag in Gottesgrün ein Wahllokal geöffnet und weitere Stimmen gesammelt. Die Floriansjünger zählten alle Stimmzettel aus; bis 21 Uhr musste das Ergebnis nach Berlin gemeldet sein.

Am Gymnasium war um acht Uhr Beginn der Wahlhandlung. Der verantwortliche Sozialkundelehrer Christian Tischner hatte seinen Sozialkundekurs der 11. Klasse mit der Durchführung der Wahl beauftragt. In Vorbereitung der Wahl hatten die Schüler unter anderem ein Gespräch mit Staatsminister Bernd Neumann und führten eine Wahlbefragung in der Greizer Innenstadt durch. Die Elftklässler übergaben den Schülern der neunten bis zwölften Klassen die Stimmzettel und ließen sie diese nach dem Gang in eine Wahlkabine in die Wahlurnen einwerfen. Nach zwei Schulstunden wurden die Kartons mit den Stimmzetteln versiegelt und der Jugendfeuerwehr Mohlsdorf zum Auszählen übergeben.

Etwas mehr Zeit ließ man sich an der Regelschule Greiz-Pohlitz: hier hatten die Schüler sechs Stunden Zeit, ihre Stimmen abzugeben. Auch hier hatten sich Sozialkundelehrerin Doris Sonne und Schulleiter Johannes Reiher etwas Besonderes einfallen lassen: die Schüler der siebten bis zehnten Klassen erhielten vorab eine Wahlbenachrichtigung und mussten sich mit ihrem Schülerausweis ausweisen. Das Wahllokal wurde hier von einer Angestellten sowie einem Praktikanten der Schule betreut. Ebenfalls auf zwei Stunden beschränkte sich die Wahl an der Regelschule Reudnitz, wo die neunten und zehnten Klassen unter Leitung ihrer Lehrerin Andrea Beuchold an der Wahl teilnahmen.

Alle beteiligten Schüler und Lehrer äußerten sich positiv zum Projekt. “Unsere Schüler haben sich noch nie so intensiv mit Politik beschäftigt, wie in den letzten Wochen, erklärte Sozialkundelehrerin Doris Sonne von der Regelschule Greiz-Pohlitz. Ihre Kollegin Andrea Beuchold von der Freien Regelschule Reudnitz erklärte: “In den Pausen hörte man Schüler über die Wahl diskutieren.

Eine Befragung unter 56 Wählern aller drei Schulen ergab, dass 89 % das Projekt für sinnvoll hielten und nun eine genauere Vorstellung vom Ablauf einer Wahl hätten. Erwähnenswert ist, dass zwei Drittel ihre Wahlentscheidung aufgrund des Wahlprogrammes getroffen haben. Immerhin 16 Prozent der Wähler hatten sich schon für eine feste politische Richtung oder sogar Partei entschieden.

Um 19 Uhr gab Wahlleiter Robert Riedel das vorläufige Wahlergebnis bekannt:

Neben den Schülern der drei beteiligten Schulen waren noch elf Kinder und Jugendliche dem Wahlaufruf gefolgt – der jüngste Wähler war 9 Jahre jung. Insgesamt haben 440 Kinder und Jugendliche gewählt, neun Stimmen waren ungültig. Von den Erstimmen entfielen 33 Prozent auf CDU-Bewerber Volkmar Vogel, der damit das Direktmandat hätte; 19 Prozent erhielt Wilfried Präger (SPD), 16 Prozent Frank Tempel (Die Linke), 14 Prozent Dr. Johannes Frackowiak (FDP), Vincent Müller (Grüne) holte 11 Prozent, Steffen Schneider (NPD) 7 Prozent.

Sehr bunt die Zweitstimmen: CDU 29 Prozent, SPD 14 , Linke 13 %, FDP 13 %, Grüne 11, NPD 8 , Rep 1, ödp 1%, Piraten 11%. Daraus ein Vorschlag U 18 – eine Regenbogenkoalition.

Kommentiert

Wahl mal anders

Von Kathrin Schulz

Auch wenn sich das Wahlergebnis der Schüler mitunter recht abenteuerlich anhört – die elf Prozent für die Piratenpartei dürften zumindest für die Jüngeren weniger aus dem tatsächlichen Parteiprogramm resultieren – der gestrige Wahltag hat 440 Jungen und Mädchen interessiert. Nach der anschließenden Auszählung, bei der die Zweierteams der Jugendfeuerwehr unterstützt von drei Jugendlichen aus dem Ort mit 25 Stapeln von Stimmzetteln zu kämpfen hatten, stieß man bei der Wahlparty mit Kindersekt an. Ein Projekt, das Demokratie lebendig vermittelt und bei allem Spaß an der Sache auch schon zeigt, dass die Sympathien breit gestreut sind.