28.09.2009 | OVZ

Nur die Linken jubeln

Wenig Interesse für die drei Wahlpartys in Altenburg

Altenburg. Krimi-Stimmung wie sonst meist erst gegen Mitternacht herrscht gestern schon kurz vor 18 Uhr in zwei Altenburger Gaststätten und in der CDU-Kreisgeschäftsstelle. Dennoch ist die Stimmung im nüchternen Christdemokraten-Büro schlagartig viel vergnügter als im urigen Treffpunkt der SPD. Völlig unbeschwert jubeln können aber nur die Linken.

In der CDU-Kreisgeschäftsstelle fällt kurz vor 18 Uhr erst mal der Strom aus. Doch auch als nach einer Schrecksekunde die erste Hochrechnung eine Mehrheit für Schwarz-Gelb meldet, bleibt der Freudenschrei noch aus. „Ob das reicht?“, fragt Franz Tanzmann skeptisch in die noch kleine Runde. Immerhin muss auch die CDU Verluste verbuchen. Es ist vor allem die CDU-Jugend, die sich als Erste zu dem Treffen eingefunden hat.

Dann aber schwinden die Zweifel. Und der Raum füllt sich. Die erste Sektflasche wird geöffnet. CDU-Kreisvorsitzender Uwe Melzer trifft ein, kurz nach ihm auch Landtagsabgeordneter Christian Gumprecht. „Ich freue mich, dass sich die kluge Politik von Angela Merkel durchgesetzt hat und die FDP dazugewinnen konnte“, kommentiert Gumprecht die Zahlen. Das zeuge doch von einem gewachsenen Vertrauen in konservative Politik. Zum Beispiel auf dem Gebiet der Gesundheitspolitik erwarte er nun mehr unternehmerische Freiheit.

Auch Uwe Melzer freut sich, dass es diesmal für Schwarz-Gelb reicht und drückt beim Blick auf die ersten Ergebnisse aus Thüringen dem CDU-Direktkandidaten Volkmar Vogel noch kräftig die Daumen.

„Ach du Sch…“ entfährt es einem altgedienten Genossen beim Anblick des zweistelligen Minusergebnisses auf dem Großbild-Fernseher. Ohnehin haben sich nur vier hartgesottene SPD-Fans im Irish Pub versammelt. Und nach einem kräftigen Schluck Kilkenny ist die Fehlerdiskussion in vollem Gange. „Es ist eben ein verdammt schlechtes Ergebnis, wir sind die eindeutigen Verlierer“, so Altenburgs Ortsvereinsvorsitzender Bernd Metzschke. „Es muss sich einiges ändern, damit wir irgendwann wieder die Rolle spielen, zu der wir eigentlich in der Lage sind.“

Wie das praktisch funktionieren müsste, dazu hat Kreistags-Fraktionschef Dirk Schwerd schon ziemlich klare Vorstellungen. „Natürlich ist es bedauerlich, dass es uns nicht gelungen ist, die konsequente Sacharbeit von Steinmeier und Steinbrück den Wählern zu erklären. Für Thüringen kann die Schlussfolgerung deshalb nur heißen, dass wir den Ministerpräsidenten in der neuen Landesregierung stellen müssen. In einem Bündnis mit der CDU werden wir nur wieder der Verlierer sein“, plädiert er nach dem schwarz-gelben Ausgang im Bund nun für Rot-Rot-Grün in Thüringen.

„Wenn wir mehr als zehn Prozent schaffen, jubeln wir“, ruft Landtagsabgeordnete Birgit Klaubert in die Runde der Linken-Anhänger, die sich zur Wahlparty im Altenburger Hotel am Rossplan eingefunden hat. Und tatsächlich, kurz nach 18 Uhr: Der Jubel erklingt angesichts der Wahlergebnisse in Berlin, aber auch in Brandenburg und Schleswig-Holstein, gleich dreifach. Fröhliche Gesichter, klatschende Hände, gute Stimmung. „Die rund 13 Prozent liegen sogar noch über meinen Erwartungen, sehr schön. Auch vor dem Hintergrund der anstehenden politischen Entscheidung in Thüringen ist das Abschneiden natürlich von Bedeutung“, so Klaubert.

Gut gelaunt zeigt sich auch Linken-Anhänger Norbert Pengel – jedoch schwingt bei dem angehenden Lehrer eine Portion Skepsis mit: „Ich freue mich natürlich über den Stimmenzuwachs für die Linkspartei. Wenn ich jedoch an die schwarz-gelbe Sitzmehrheit im Bundestag denke, habe ich kein gutes Gefühl.“

Gregor Götzie, Mitglied der Jugendgruppe „Linker Impuls“, gönnt sich indes seine ganz persönliche Belohnung für das aus Linken-Sicht gute Abschneiden: eine kubanische Zigarre, die er nach Verkündung der Ergebnisse genussvoll pafft.

Erst kurz nach 19 Uhr blickt FDP-Kreischef Daniel Scheidel auf die ersten TV-Ergebnisse, die auf eine schwarz-gelbe Regierung schließen lassen. „Es scheint eine gute Nachricht für Deutschland zu sein. Die Zeiten der endlosen Kompromisse werden hoffentlich der Vergangenheit angehören“, sagt er – und freut sich zugleich auf die kleine, private Wahlparty, zu der sich auch FDP-Sprecher Torsten Grieger hinzugesellt. Bei „angenehmer Laune“, wie Scheidel schmunzelnd bekundet, lassen die Kommunalpolitiker den für die FDP positiven Wahlabend vergnügt ausklingen – mit Bier, Prosecco und Rotwein.

Lieber zum Buch greifen, so lautet unterdessen das Motto des Abends beim Kreissprecher der Grünen, Knut Radziej: „Die rund zehn Prozent sind sicher nicht schlecht, aber wir hatten uns mehr erhofft. Unser Wahlziel, Schwarz-Gelb zu verhindern, haben wir nicht erreicht.“ Nun müsse man sich weiter auf die Oppositionsarbeit konzentrieren. Erschreckt zeigte sich Radziej angesichts der geringen Wahlbeteiligung: „Hier muss für alle Parteien in den nächsten vier Jahren gelten: Mehr mit dem Bürger zusammenarbeiten. Und das nicht nur im Wahlkampf.“

Edeltraud Peschel/Nancy Dietrich/Günter Neumann