14.01.2010 | OVZ

Aus für Edinburgh-Linie?

Reiseziel taucht im Nobitzer Sommerflugplan derzeit nicht auf

Altenburg. Die Flugverbindung von Altenburg nach Edinburgh wird im Sommerflugplan von Ryanair möglicherweise nicht wieder aufgenommen. Nach OVZ-Recherchen sind im Internet lediglich die Linien nach London, Girona und Alicante buchbar, Edinburgh taucht nicht mehr auf. Ryanair berichtete gegenüber unserer Zeitung, der Flugplan sei noch nicht endgültig. Unter Politikern im Altenburger Land hat jedoch bereits die Suche nach den Schuldigen für die vermutete Einstellung begonnen.

Wer in diesen Tagen fürs Sommerhalbjahr einen Trip von Nobitz in die schottische Hauptstadt buchen will, sucht auf den Internetseiten von Ryan-air vergebens. Im neuen Flugplan ab 28. März lassen sich die Airports in Spanien auswählen, auch die London-Linie wird wieder siebenmal pro Woche bedient. Doch von Edinburgh keine Spur. Dabei sollte die Verbindung lediglich für die Winterzeit ruhen und dann – wenn die Touristen wieder verstärkt reisen – erneut aufgenommen werden.

Ist das nun hinfällig? Die irische Billigfluggesellschaft selbst hält sich mit definitiven Aussagen zurück und alle Optionen offen. „Der Sommerflugplan steht in endgültiger Fassung erst Ende Februar fest“, erklärte Henrike Schmidt, Marketing-Managerin in der Dubliner Ryanair-Zentrale. „Unsere Chefplanung ist gerade dabei, den Plan bezüglich der Strecke Altenburg–Edinburgh zu finalisieren.“ Alicante, London und Girona sind jedoch bereits „finalisiert“, also für Buchungen freigegeben. Über Edinburgh wird offensichtlich länger nachgedacht.

Dabei war die Verbindung erst Ende März vergangenen Jahres in Betrieb gegangen. Dreimal wöchentlich startete und landete eine Maschine – bis zum Ende des Sommerflugplans im Oktober. Die Direktanbindung wurde nicht zuletzt von Touristikern im Landkreis als große Chance gefeiert. Der Fremdenverkehrsverband, die Altenburger Stadtverwaltung und andere feilten an einer Marketingoffensive, um Schotten auf die Vorzüge der Skatstadt im Detail und auf Mitteldeutschland im Allgemeinen aufmerksam zu machen. Unter anderem wird seit Monaten mit einem englischsprachigen Image-Film um die Gunst ausländischer Touristen geworben, der in gekürzter Version auch auf Bildschirmen des Edinburgher Flughafen-Terminals zu sehen war.

Ob Ryanair auch dieses Jahr wieder Nobitz und Edinburgh verbindet, darüber herrscht zurzeit große Unsicherheit. Die Flugplatz GmbH hüllt sich in Schweigen. Geschäftsführer Jürgen Grahmann war gestern für Nachfragen nicht zu erreichen, Sprecherin Jana Fuchs wollte das Aus für die Linie weder bestätigen noch dementieren. „Wir geben frühestens am Montag ein Statement ab“, sagte sie gegenüber OVZ. Am Montagvormittag, so hieß es, sei eine Sitzung des Aufsichtsrates der Flugplatz GmbH anberaumt. Eine eilige Krisenberatung? „Der Sitzungstermin steht seit zehn Tagen fest“, so Jana Fuchs.

Für Peter Müller, den CDU-Fraktionsvorsitzenden im Altenburger Stadtrat, ist klar: Die mögliche Einstellung der Fluglinie nach Edinburgh „ist im direktem Zusammenhang mit der wirtschaftsfeindlichen Politik des Oberbürgermeisters zu sehen“. Er spricht in einer Pressemitteilung von „kurzfristigem, hektischem Agieren“. OB Michael Wolf (SPD) ist Vorsitzender des Stadtwerke-Aufsichtsrates, der die Kündigung der Flugplatz-Gesellschafteranteile beschlossen hat. Wolf bezeichnete es hingegen als „völligen Unsinn“, dass die Stadt Altenburg einen möglichen Verlust der Ryanair-Linie zu verantworten habe. Die Zahlungen für 2010 seien von der Aufsichtsrats-Entscheidung überhaupt nicht betroffen. Diese habe erst Auswirkungen auf 2011. „Im neuen Wirtschaftsplan der Flughafen GmbH stehen die Zuschüsse der Stadt mit drin. Die Sache ist einfach an den Haaren herbeigezogen“, so Wolf.

Eine Lanze für den Aufsichtsrat bricht auch FDP-Fraktionschef Wolfgang Krause, ebenfalls Mitglied des Gremiums. „Der Stadtrat und der Aufsichtsrat der Stadtwerke sind dem Wohl der Stadt Altenburg verpflichtet.“ Ein Kassensturz sei unumgänglich. „Und Ryanair zieht sich nicht aus einem Geschäft zurück, mit dem sich Geld verdienen lässt.“

Kay Würker/Ellen Paul