05.02.2010 | OTZ

Zweifel und Skepsis überwiegen

Das Land zeigt kein verlässliches Finanzgebaren

Von Bernd Kemter

Löbichau (OTZ). Während es in und rund um Altenburg durchaus wortstarke Befürworter des Leipzig-Altenburg-Airport gibt, fühlen sich Bürgermeister der Schmöllner Region hin und her gerissen.

“Wir haben einen Flugplatz, den wir uns schon lange nicht mehr leisten können”, urteilt Löbichaus Gemeindeoberhaupt Rolf Hermann (FDP). Wenn das Areal so attraktiv sei, warum steigt dann ein Gesellschafter nach dem anderen aus, fragt sich der Bürgermeister. Letztlich bleibe der Landkreis alleiniger Gesellschafter, und auch die Flugplatz GmbH sei auf kreisliche Zuschüsse angewiesen. Thüringen werde sich keine zwei Flugplätze leisten können. Es sei gut, wenn das leidige Thema beendet werden könnte.

“Hin und her gerissen” fühlt sich der Nöbdenitzer Bürgermeister Günter Heydenreich (parteilos) angesichts des Themas. Auf der einen Seite biete der Flugplatz Chancen. Auf der anderen Seite habe man ja schon erfahren, wie schnell eine Linie wegfällt, wie Flugbetreiber mit ihren Partnern vor Ort umgehen. “Da bewegen wir uns auf dünnem Eis.” Heydenreich sieht die Problematik wie viele seiner Amtskollegen auch im Licht der höheren Kreisumlage. “Da stehen fast alle Kommunen schon mit dem Rücken an der Wand.” Es sei schon viel Geld in den Flugplatz reingepumpt worden.

“Bei uns ist schwer vermittelbar, dass der Flugplatz Vorteile bringt”, schätzt Vollmershains Bürgermeister Gerd Junghanns (CDU) ein. Wenn es ein gesamtwirtschaftliches Plus gäbe, dann käme es nicht dem Landkreis, sondern Firmen und Privaten zugute. Auf der anderen Seite habe sich der Flugplatz etabliert, er werde gebraucht. Da zu sagen, er müsse weg, sei auch nicht richtig. “Das Land muss rein ins Boot.”

“Die Kreisumlage muss runter”, meint der Wildenbörtener Bürgermeister Gerhard Fischer (parteilos), denn über sie werde der Flugplatz mit subventioniert. Aber gespart werden sollte nicht an sozialen Leistungen, sparen sollte man am Flugplatz. Auch die Verwaltung im Landratsamt sollte überlegen, wo sie sparen kann. Mit dem Flugplatz sei es ähnlich wie mit der Bioenergie; zuerst gibt es vom Staat her Förderung, und dann “ziehen sie den Leuten die Beine weg”.

Drogens Bürgermeisterin Christine Helbig (parteilos) zweifelt, ob sich wirklich jemand an die “heiligen Kühe” wie Flugplatz und Theater herantraut. Keinen Zweifel hegt sie indes daran, dass sich die Kreisumlage erhöhen wird. Stadt Altenburg und Landkreis könnten jedenfalls nicht alleine einen Flugplatz finanzieren, der für ganz Mitteldeutschland wichtig sei.

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Viele Fragen

Von Bernd Kemter

Der Flugplatz in Nobitz bewegt auch die Bürgermeister der Schmöllner Region.

Sie machen dabei auf viele Facetten dieses strittigen Themas aufmerksam, sehen durchaus andere Prioritäten im Kreishaushalt, vor allem im sozialen Bereich. Bei der Schülerspeisung, zum Exempel, die den wirklich Bedürftigen zugute kommen soll. Konsens herrscht auch darüber, dass Mauritianum und Lindenau-Museum mit ihren überregional bedeutenden Sammlungen an sich Landesmuseen sein müssten.

Sorgen und Bedenken kamen in einer Bürgermeisterberatung im Landratsamt zur Sprache. Und in der OTZ-Umfrage äußerten fünf Bürgermeister viele interessante, beherzigenswerte Überlegungen zu Flugplatz, Theaterfinanzierung und eben zu sozialen Belangen. Daraus folgt, dass all diese Dinge im künftigen Kreishaushalt – Umlagen eingeschlossen – neu überdacht werden müssen. Die Skepsis der Gemeindeoberhäupter ist angesichts weiterer Zuschüsse für den Flugplatz berechtigt. Sie befürchten, dass in den Kommunen immer weniger Geld zur Verfügung steht, die Spielräume enger werden. Der Flugplatz – ein Millionengrab?