13.04.2010 | OTZ

Weiter Zoff um Alleingang des Altenburger OB bei Wirtschaftstag

Noch immer wird der Alleingang des Altenburger Oberbürgermeisters Michael Wolf (SPD) scharf kritisiert. Wolf hatte zum Wirtschaftstag der Unternehmer Wirtschaftsminister Matthias Machnig (SPD) vom Altenburger Goldenen Pflug weg aufs Schloss gelotst. Ein Gespräch mit dem CDU-Kreischef Uwe Melzer.

Altenburg. Noch immer wird der Alleingang des Altenburger Oberbürgermeisters Michael Wolf (SPD), von CDU, den Linken, FDP und den Regionalen im Kreistag heiß diskutiert. Wolf hatte zum BVMW-Treffen (Bundesverband mittelständische Wirtschaft) Wirtschaftsminister Matthias Machnig (SPD) vom Altenburger Goldenen Pflug weg aufs Schloss gelotst, um dort mit geladenen Gästen und Machnig über Wirtschaft zu sprechen und damit das BVMW-Treffen etwas ausgebremst. Scharfe Kritik kommt vom CDU-Kreisvorsitzenden Uwe Melzer.

Was treibt Sie um?

Michael Wolf hatte noch am Vormittag bei seiner Begrüßungsrede beim Wirtschaftstag im Pflug die Bedeutung der Veranstaltung hervorgehoben. Ich frage mich, warum dann das Treffen im Schloss?

Nun, sicher wäre es ein anderes Zeichen gewesen, das Forum im Rahmen des Wirtschaftstages im Pflug abzuhalten. Zumal Themen und Betroffene identisch waren. Und unklar ist auch, warum der Minister die Anfrage des BVMW nach einem Redebeitrag absagte, dann nur eine Stippvisite im Pflug vornahm und schnurstracks für Stunden zur internen Unterredung aufs Schloss marschierte. Das verärgert die zurückbleibenden Anwesenden. Aber, was macht die Entscheidung so kritikwürdig?

Es wäre ein Zeichen gewesen, dass man geschlossen die Chance Mitteldeutschlands über die Ländergrenzen hinweg sieht und diskutiert. Alleingänge solcher Art schaden einer ganzen Region und damit auch der Stadt Altenburg. Die Vertreter aus dem Raum Leipzig hätten im Pflug mitdiskutieren können.

Zumal das Hauptthema der Flugplatz war. Wie sehen sie den Stand der Diskussion?

Der Flugplatz soll zur besseren luftfahrttechnischen Erreichbarkeit der Ostthüringer und südwestsächsischen Region beitragen. Vor allem aber soll er nach dem Geschäftsmodell der Flugplatzgesellschaft Passagiere nach Mitteldeutschland bringen, Menschen, die in unserer Region Geld ausgeben, und so einen volkswirtschaftlichen Nutzen bringen.

Hat der Wirtschaftsminister dies denn nicht erkannt?

Dieses Geschäftsmodell, das an vielen Standorten Europas ein Erfolgsmodell darstellt, hat unser Wirtschaftsminister entweder nicht erkannt oder will es nicht erkennen. Es widerspricht in Teilen dem Luftverkehrskonzept für Mitteldeutschland.

Zur internen Diskussion waren Landrat oder auch Wirtschaftsförder des Landkreises, selbst einmal Flugplatz-Geschäftsführer, nicht eingeladen. Reichten da vielleicht die Argumente nicht?

Vielleicht hätte ihn ein größerer Kreis von Gesprächspartnern, die ja beim Wirtschaftstag im Goldenen Pflug anwesend waren, die Augen geöffnet und angesichts der Ideen hätte sich vielleicht auch seine immer wieder gestellte Frage nach einem tragfähigen Geschäftsmodell für den Flugplatz erübrigt.

Und wo sehen Sie die Lösung für den Flugplatz?

Besonders wichtig ist die Überarbeitung des Luftverkehrskonzeptes für Mitteldeutschland, denn es bedeutet für uns Stillstand und letztlich Schließung des Platzes. Die Chance des Geschäftsmodells der Flugplatzgesellschaft muss im Konzept verankert sein, ansonsten wird es keine tragfähige Lösung geben.

Daneben ging es noch um die A 72 und deren Anbindung an Altenburg. Da geht es auch nicht vorwärts…

Die Anbindung des Landkreises Altenburger Land an die Autobahn A 72 ist ebenfalls ein überörtliches Problem. Was soll die Initiative von Oberbürgermeister und Bürgermeister von Altenburg, Borna und Frohburg ohne Einbeziehung des wirklich betroffenen Bürgermeisters von Windischleuba und der beiden Landräte. Ein gemeinsamer Appell hätte Wirkung zeigen können, und der ersehnten schnellen Anbindung an eine Autobahn und an Leipzig und Chemnitz näher gebracht.

Beide Infrastrukturprojekte beschäftigen uns nun schon so viele Jahre. Eins ist klar, nur gemeinsam haben wir eine Chance, diese Probleme zeitnah zu lösen. Der Wirtschaftstag ist eine Plattform, um Zeichen aus einer Region zu senden. Alleingänge werden auf jeden Fall verpuffen, sie verschaffen vielmehr den Skeptikern Zeit. Zeit, die uns bei der Entwicklung fehlen wird.

Ulrike Grötsch