28.04.2010 | OVZ

Kreistag bremst Theater

Altenburg (G.N.). Mit knapper Mehrheit haben CDU, FDP, Regionale und Landrat im Kreistag eine Grundsatzvereinbarung des Theaters über die Mitwirkung an den Altenburger Prinzenraub-Festspielen und dem Geraer Alles-Theater-Openair gestoppt. Für dieses Jahr haben die Events zwar grünes Licht, für die Folgejahre müssen aber jeweils bis Herbst die Kosten vorliegen. SPD und Linke kritisierten die überraschende Entscheidung als falsches Signal an das Theater.

Prinzenraub nur noch nach Kassenlage

CDU, FDP und Regionale kippen im Kreistag Grundsatzvereinbarung mit Theater zu Open-Air-Spektakeln in Altenburg und Gera

Altenburg. Lange sah alles nach Konsens aus beim Thema Theater und Prinzenraub, doch am Ende waren die politischen Vorwürfe heftig wie lange nicht und der Kreistag zum wichtigsten kulturellen Ereignis der Region zutiefst zerstritten.

Die Mitwirkung des Theaters an zwei Großveranstaltungen in Altenburg und Gera bis zum Jahr 2012 stand auf der Tagesordnung der Sitzung vorige Woche. Bereits im November hatte sich die Gesellschafterversammlung – also die Städte Altenburg und Gera sowie der Kreis Altenburger Land – geeinigt, in einem Grundsatzbeschluss das Engagement des Theaters für den Altenburger Prinzenraub und das Geraer Alles-Theater-Openair zu fixieren. Übrigens auf Empfehlung der Wirtschaftsprüfer, um Rechtssicherheit herzustellen und Meinungsverschiedenheiten zu vermeiden. Dieser klare Gesellschafterbeschluss lag allen Kreistagsmitgliedern seit Januar vor, auch bei einem Treffen im März und zur Kulturausschuss-Beratung Mitte April gab es von niemandem Änderungswünsche.

Doch zwei Tage vor der Abstimmung die große Überraschung: Landrat Sieghardt Rydzewski (parteilos) kündigte an, seinem eigenen Beschlussentwurf in einem entscheidenden Punkt nicht mehr zuzustimmen. Den Gesellschafterbeschluss zu den beiden Kultur-Events, den Rydzewski selbst mit unterschrieben hatte, sollten die Kreisräte nun doch nicht absegnen. Eingefügt wurde dafür eine neue Forderung: Über die Mitwirkung des Theaters am Prinzenraub und Alles Theater 2011 und 2012 ist jeweils im Herbst neu zu verhandeln, wenn bis Ende September die Kostenplanungen vorliegen. Lediglich für dieses Jahr solle es grünes Licht für die beiden Events geben.

Der Landrat begründete seinen Meinungswechsel damit, dass sich das Theater nicht an die Grundsatzvereinbarung gehalten habe. Erst in diesen Tagen seien die Zahlen für das Geraer Spektakel auf den Tisch gekommen. Sie dürften künftig “nicht erst vorliegen, wenn das Geld ausgegeben ist und die Künstler bestellt sind”, sagte Rydzewski. Die Gesellschafter müssten zu einem Zeitpunkt gefragt werden, “wo sie noch ja oder nein sagen können”.

Gegen ein solches Zeichen hatte auch SPD-Fraktionschef Dirk Schwerd nichts. Er kritisierte jedoch, dass durch die Ablehnung des Grundsatzbeschlusses die Kooperation des Theaters mit den Städten Altenburg und Gera nun ganz ohne rechtliche Basis sei. Deshalb appellierte er: “Es gibt keinen Grund, diesen Vertrag zu kippen. Schwächen Sie nicht das Theater.”

“Ich lasse mir nicht vorwerfen, das Theater zu schwächen”, konterte CDU-Fraktionschef Jürgen Ronneburger. “Das Theater wird geschädigt, wenn ihm Einnahmen entzogen und Volksfeste auf Kosten der Mitarbeiter finanziert werden.” Es gebe Gesellschafter, die “fast gewissenlos Geld entnehmen.”

Mit 20 zu 17 Stimmen setzten Landrat, CDU, FDP und Regionale gegen SPD und Linke durch, dass die Grundsatzvereinbarung nicht gilt.

Günter Neumann

Kommentar

Falsches Signal in alle Richtungen

Von Günter Neumann

Selbst wenn es gute Gründe geben sollte, bei den Theaterkosten genau hinzuschauen, bleibt die jüngste Kreistagsentscheidung ein falsches Signal in alle Richtungen.

CDU, FDP, Regionale und Landrat verunsichern durch das Kippen der Grundsatzvereinbarung zu den Altenburger und Geraer Großveranstaltungen gleichzeitig das Theater und zwei wichtige Gesellschafter. Es erscheint zudem nicht sehr clever, ausgerechnet bei jenen Events die Hand auf den Geldhahn zu legen, die dem Theater besonders viel Publikumsresonanz und Sympathiepunkte bringen. Letztlich wird sogar der alte Vorwurf wieder bedient, gerade Schmöllner Politiker missgönnten Altenburg seine Prinzenraub-Erfolge.

Wirklich bedenklich ist aber vor allem der Stil, mit dem die Kreistagsmehrheit ihre Linie durchdrückte. Wenn offene Debatten nicht mal mehr hinter verschlossenen Ausschuss-Türen stattfinden, darf mit der schon im Juni anstehenden Entscheidung zur Theaterzukunft nach 2013 mit manchen Überraschungen gerechnet werden.