07.06.2010 | OVZ

Parteilose sind Gewinner der Kommunalwahl

Im Altenburger Land 29 Bürgermeister gewählt

Erfurt (ddp/epe). Die Bürgermeisterwahlen in Thüringen sind beendet und parteiunabhängige Bewerber haben am besten abgeschnitten. Nach Auszählung von knapp 800 der rund 900 Stimmbezirke gehören knapp 70 Prozent der neuen Mandatsträger einer Wählervereinigung, der Feuerwehr oder einem Verein an oder waren als unabhängige Kandidaten angetreten. Im Altenburger Land wurden 29 Bürgermeister gewählt.
Unter den Parteien errang die CDU bislang etwa jedes fünfte Mandat. Auch die SPD mit knapp sechs Prozent sowie Linke und FDP stellen eine Reihe von Bürgermeistern. Die Grünen hatten keine Kandidaten aufgestellt.

Im Altenburger Land wurden 29 Bürgermeister gewählt, in den meisten Gemeinden erhielten die Amtsinhaber erneut das Vertrauen ihrer Wähler. Zu einem Amtswechsel kommt es in fünf Gemeinden. In Lumpzig setzte sich Torsten Hiller als Einzelbewerber gegen Kurt Gentsch (CDU) durch. Neue Gesichter gibt es in Großröda mit Jens Gentsch, in Haselbach mit Eckhard Gilge, in Nöbdenitz mit Hartmut Reinhold und in Monstab mit Steffen Jahr. In diesen Orten hatten die Amtsinhaber nicht wieder kandidiert. In Dobitschen, Frohnsdorf, Kriebitzsch und Langenleuba-Niederhain konnten sich dagegen die Herausforderer nicht durchsetzen.

Die durchschnittliche Wahlbeteiligung im Altenburger Land lag bei 53 Prozent. Spitzenreiter in der Statistik war Heukewalde mit über 92 Prozent, Schlusslicht Ziegelheim mit lediglich knapp 20 Prozent.

Rund 402 000 Menschen in 689 kreisangehörigen Gemeinden im Freistaat waren zur Wahl aufgerufen, weil die Amtszeit der amtierenden Bürgermeister ausläuft. In lediglich fünf Gemeinden wurde ein hauptamtlicher Bürgermeister gewählt, in den übrigen ging es um ehrenamtliche Kommunalchefs.

Um die Ämter bewarben sich 909 Kandidaten. Dabei stellten sich 603 amtierende Bürgermeister erneut zur Wahl. In 28 Gemeinden gab es nach Angaben des Landeswahlleiters keine Kandidaten, in 209 Gemeinden zwei und mehr Bewerber.

684 Bewerber gehörten Wählervereinigungen oder Vereinen an. Von den Parteien schickte die CDU mit 166 Kandidaten mit Abstand die meisten Bewerber ins Rennen.

Geringe Wahlbeteiligung und kaum Überraschungen

Ehrenamtliche Bürgermeister in 29 Gemeinden gewählt

Altenburg (epe). In 29 Gemeinden des Altenburger Landes wurden gestern die ehrenamtlichen Bürgermeister für weitere sechs Jahre gewählt. Die Wahlen verliefen nach Einschätzung der Wahlleiter in den Verwaltungsgemeinschaften überall recht ruhig.

Die Wahlbeteiligung lag im gesamten Landkreis allerdings nur bei 53 Prozent. Das bedeutet, nur gut die Hälfte der insgesamt 16 931 Wahlberechtigten gingen gestern zur Wahl. In Heukewalde waren allerdings fast alle Bürger auf den Beinen. Mit über 92 Prozent Beteiligung ist das Dorf in der VG Sprottental Spitzenreiter im Kreis. Dagegen machten in Ziegelheim in der VG Wieratal nur knapp 20 Prozent der 790 Wahlberechtigten von ihrem Stimmrecht gebrauch.

In den meisten Gemeinden erhielten die Amtsinhaber erneut das Vertrauen ihrer Wähler. In Treben, Göllnitz und Posterstein erreichten Klaus Hermann, Hans-Jürgen Heitsch und Stefan Jakubek sogar 100 Prozent.

Zu einem Amtswechsel kommt es in fünf Gemeinden. In Lumpzig setzte sich Herausforderer Torsten Hiller gegen Kurt Gentsch (CDU) mit 54.9 Prozent durch. Neue Gesichter gibt es auch in Großröda mit Jens Gentsch (FFw), in Haselbach mit Eckhard Gilge (CDU), in Monstab mit Steffen Jahr (CDU) und in Nöbdenitz mit Hartmut Reinhold (FFw). Dort hatten die jeweiligen Amtsinhaber nicht wieder kandidiert.

In Dobitschen, Frohnsdorf, Kriebitzsch und in Langenleuba-Niederhain setzten sich die jeweiligen Herausforderer nicht durch. So bleiben Olaf Heinke (UWG) in Dobitschen, Bernd Burkhardt (Linke) in Kriebitzsch, Jürgen Schneider (CDU) in Niederhain und Dietmar Graichen (Bauernverband) in Frohnsdorf im Amt.

Fast überall, wo nur ein Bewerber antrat, machten die Wähler von ihrem Recht gebrauch, weitere Namen auf die Listen zu setzten. So gab es in Drogen neben Amtsinhaberin Christine Helbig noch zehn weitere Kandidaten, in Göpfersdorf neben Klaus Börngen (Heimatverein) noch neun. In Heyersdorf, der einzigen Kommune, in der es vorab keinen Wahlvorschlag gegeben hatte, setzten die Wähler Amtsinhaberin Helga Leitholdt auf die Liste. Sie bleibt, vorausgesetzt, sie nimmt die Wahl an, Bürgermeisterin.

Wahlergebnisse

Gemeinde Göllnitz

Gewählter Kandidat: Hans-Jürgen Heitsch (FDP u.p.)
Gültige Stimmen: 182
Stimmanteil in Prozent: 100
Wahlbeteiligung in Prozent: 60,2

Gemeinde Löbichau

Gewählter Kandidat: Rolf Hermann (Einzelbewerber)
Gültige Stimmen: 476
Stimmanteil in Prozent: 96,6
Wahlbeteiligung in Prozent: 54

Standpunkt

Zu wenig Interesse am Ehrenamt

Von Günter Neumann

Es ist eines der bedeutendsten Ehrenämter, das unsere Demokratie zu vergeben hat. Wer sich in seiner Freizeit als Bürgermeister in einer der vielen kleinen Kommunen engagiert, ist nah dran an den Problemen der Leute, kann viel Wichtiges, aber doch längst nicht alles Nötige bewegen.

Insofern verdienen die gestern im Kreis wieder- oder neugewählten 29 Kommunalpolitiker allen Respekt. Mehr als in anderen Thüringer Regionen, aber letztlich doch nur jeder zweite Bürger hat sich an diesem Sommertag die Zeit genommen, den “Neuen” einen ganz persönlichen Vetrauensvorschuss mit auf den Weg zu gegeben.

Sie können ihn brauchen. Gerade auf die kleinen Gemeinden wird der Druck noch härter werden, die Selbstständigkeit aufzugeben. Für so manche Gemeinde könnte es der letzte eigene Bürgermeister gewesen sein, der gestern gewählt wurde.