10.06.2010 | OVZ

Kreistag bleibt hart

Altenburg (E.P.). Der Kreistag hat gestern mit den Stimmen von CDU, SPD, FDP und Regionalen die Theaterfinanzierung für 2013 bis 2017 beschlossen und damit einer Zuschusserhöhung eine klare Absage erteilt. Diese hatte Generalintendant Matthias Oldag gefordert, um Niveau und Angebot halten zu können. Er sprach von einem “schlechten Tag” für das Theater.

Mutig oder völlig falsch?

Kreistag schreibt die Theaterfinanzierung für die Jahre 2013 bis 2017 fest

Altenburg. Fast wie gelähmt stehen sie gestern gegen 19 Uhr im und vor dem Landratsamt. Keiner von den beinahe 100 Theaterleuten sowie Theatervereinsmitgliedern, die die Kreistagsdebatte live verfolgt hatten, will nach Hause gehen. Zu tief sitzt offenbar der Schock über eine Entscheidung, die noch zwei Stunden zuvor vermutlich keiner für wirklich möglich hielt: Der Kreistag des Altenburger Landes hat gestern Abend mit den Stimmen von CDU, SPD, FDP und Regionalen die Theaterfinanzierung für die Jahre 2013 bis 2017 festgeschrieben.

Demnach will Landkreis Altenburger Land als Finanzierungspartner des Altenburg-Geraer Theaters der Gesellschaft jährliche Zuschüsse in unveränderter Höhe von rund 1,7 Millionen Euro gewähren. Er ist damit der erste Gesellschafter, der sich zwar klar zum Theater bekennt, zugleich aber der von der Intendanz aufgemachten Forderung nach einer Zuschusserhöhung eine klare Absage erteilt.

Landrat Sieghardt Rydzewski (parteilos) hatte in der Debatte seinen Antrag dennoch als weitsichtig und mutig bezeichnet. Denn damit habe das Theater von heute an – vorausgesetzt die anderen Geldgeber ziehen mit – für die nächsten siebeneinhalb Jahre finanzielle Sicherheit. “Und wer hat das heutzutage schon?”, fragte Rydzewski. Außerdem ginge der Kreis damit ein nicht unbedeutendes Risiko ein. Er lege sich schon heute fest, ohne die Finanzausstattung der nächsten Jahre zu kennen. “Man kann auch mit 16 Millionen Euro pro Jahr gutes Theater machen”, so Rydzewski.

Dieser Meinungen waren mehrheitlich auch die Abgeordneten von CDU, SPD, FDP und Regionalen, die angesichts der aktuellen Finanzlage keinerlei Spielraum für ein Erhöhung der Zuschüsse sahen. Das Theater müsse sich der Aufgabe stellen, mit dem bisherigen Budget auszukommen.

Allein die Linken und Altenburgs Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD), derzeit Aufsichtsratsvorsitzender der Theater GmbH, sahen das anders. Obwohl auch von ihnen nicht der Antrag eingebracht wurde, die 220 000 Euro jährlich draufzupacken, um den Kreisanteil an dem von der Theaterleitung genannten Mehrbedarf von insgesamt 2,2 Millionen Euro aufzubringen. “Weil Sie nämlich auch nicht wissen, woher dieses Geld kommen soll”, vermutete der Landrat. Ihre Forderung hieß: den Antrag zurück in die Ausschüsse geben.
Denn eine Entscheidung zum jetzigen Zeitpunkt zu treffen, sei weder weitsichtig noch mutig, so Wolf, sondern “hektische Betriebsamkeit ohne Strategie” und damit völlig falsch. “Müssen wir denn die Ersten sein, die so etwas zu verantworten haben?”, fragte Michael Wolf. In einer überaus emotionalen Rede forderte er seine Kreistagskollegen auf, zu kämpfen und sich in Erfurt für eine Kulturraumdebatte stark zu machen. Es müssten alle, die von diesem Theaterangebot partizipieren, mit in die Verantwortung genommen werden, denn das seien nicht allein das Altenburger Land und die Städte Altenburg und Gera, sondern beispielsweise auch Greiz. Mit einer Entscheidung vor allen anderen würde man seine Verhandlungsposition entschieden schwächen und sich selbst knebeln.

Einen ähnlich starken Appell hatte zuvor auch Generalintendant Matthias Oldag, der Rederecht erhielt, an die Kreisräte gerichtet. Es sei eine langwirkende, vielleicht sogar historische Entscheidung, die zu treffen sei. Denn irgendwann komme man an den Punkt, wo es nur noch “ganz oder gar nicht” heiße. Dann sei eine Schließung nur noch ein Gnadenakt. “Wir sparen uns krank”, sagte der Theaterchef. Und wenn es keine Zuschusserhöhung gebe, seien Spartenschließungen die einzige Lösung mit fatalen Folgen für Personal und Publikum.

Doch an der mehrheitlichen Meinung des Kreistages änderte sich nichts mehr. Die Anträge der Linken, den Beschluss zurück in die zuständigen Ausschüsse zu verweisen oder wenigstens das Wort “mindestens” vor die Zuschusshöhe zu setzen, wurden abgelehnt. Am Ende stimmten 26 Abgeordnete für den Landrats-Antrag, 13 dagegen, einer enthielt sich.

“Das ist heute ein schlechter Tag für das Theater. Wir müssen jetzt sehen, ob und wie wir das kompensieren können. Die Hoffnung stirbt zuletzt”, so Oldag. Daran wollten viele seiner Mitarbeiter freilich nicht mehr so recht glauben.

Ellen Paul