12.06.2010 | OVZ

Ein Gebot der Fairness

Landrat fordert Minister zu grundlegender Theater-Weichenstellung noch in diesem Jahr auf

Altenburg. Lange Zeit hat es keine derart harte, kontroverse und scharfe Debatte im Kreistag gegeben wie zur Theaterfinanzierung am Mittwoch (OVZ berichtete). Die Meinung von Befürwortern und Gegnern einer Deckelung der Zuschüsse für das Altenburg-Geraer Theater auf derzeitigem Niveau prallten hart aufeinander. Am Ende wurde sie mit der Mehrheit von CDU, SPD, FDP und Regionalen beschlossen – zum Entsetzen der beinahe 100 Mitarbeiter und Freunde des Theaters, die an der Sitzung teilnahmen. Nur die Linken und Altenburgs OB Michael Wolf, der damit aus seiner Fraktion ausscherte, liefen dagegen Sturm.

Und natürlich Generalintendant Matthias Oldag, der als Gast Rederecht erhielt. Er kämpfte wie ein Löwe und war am Ende maßlos enttäuscht. Laut Agenturbericht warf er dem Kreistag “Inkompetenz” vor. “Was das Haus jetzt erlebt, dürfte anderen Thüringer Theatern einen Vorgeschmack darauf geben, was sie erwartet”, so Oldag, der seine ganze Hoffnung nun auf die Landesregierung und ein sogenanntes Kulturraum-Konzept setzt. “Die Hochkultur eines Landes darf man nicht dem Gusto eines Kreistages überlassen”, kommentierte der Theaterchef.

Inzwischen hat Landrat Sieghardt Rydzewski (parteilos) laut Pressemitteilung seiner Behörde den Thüringer Kulturminister Christoph Matschie (SPD) von der Kreistags-Entscheidung in Kenntnis gesetzt. In seinem Schreiben macht Rydzewski nachdrücklich darauf aufmerksam, “dass noch in diesem Jahr grundlegende Weichenstellungen erfolgen müssen”. Weil es, so der Landrat, nicht unwahrscheinlich sei, dass es zu Reduzierungen in den Sparten und damit zu Strukturänderungen kommen wird. Neuralgisches Datum sei der 31. Dezember, denn dann laufen die gegenwärtigen Finanzierungsvereinbarungen und die Haustarifverträge aus, heißt es unter Berufung auf ein Schreiben von Matthias Oldag, das er im Vorfeld der Kreistags-Entscheidung an alle Abgeordneten geschickt hatte. Spätestens im Herbst müsste begonnen werden, die Sozialpläne zu verhandeln, denn im Sommer 2011 müssten die Kündigungen ausgesprochen werden.

“lch halte es darüber hinaus für ein zwingendes Gebot der Fairness, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Theaters rechtzeitig zu beabsichtigten Veränderungen und eventuell damit verbundenen Kündigungen zu informieren”, so der Landrat an den Minister. Die jeweilige persönliche Situation würde sich bei zu spät oder erst im allerletzten Moment ausgesprochenen Kündigungen dramatisch verschlechtern, weil damit jede Chance verbaut werde, sich aus einem soliden Anstellungsverhältnis heraus an anderer Stelle zu bewerben. Die Mitarbeiter würden in diesem Falle regelrecht abgewickelt. Das würde übrigens auch die höchsten Kosten bei den unvermeidlichen Abfindungen verursachen.

Aus Erfurt verlautete gestern, es bleibe dabei, dass Finanzgespräche mit den Theatern erst im Herbst aufgenommen werden.

Ellen Paul