29.07.2010 | OTZ

Ehrenbürgermeister in Gölltnitz

Hans-Jürgen Heitsch amtiert seit 34 Jahren als Göllnitzer Gemeindeoberhaupt

Göllnitz. 34 Jahre im Amt und noch kein bisschen weise, so könnte man im Falle des Göllnitzer Bürgermeisters Hans-Jürgen Heitsch (FDP) sagen. Klug wäre es vielleicht mit 65 Lebensjahren diesem stressigen Amt adé zu sagen zumal es ehrenamtlich ausgeübt wird.

Doch dass er sich so gänzlich zur Ruhe setzt, das traut ihm in Göllnitz und den Ortsteilen Kertschütz, Schwanditz und Zschöpperitz niemand zu. Und so kandidierte Heitsch erneut, kam auf sagenhafte 100 Prozent der Stimmen, bei einer ungültigen. Bei einem solch einhelligen Ergebnis sollte zur nächsten Wahl eine UNO-Beobachtergruppe herangezogen werden. Vermutlich müsste sie die Rechtmäßigkeit des Urnengang dennoch bestätigen.

Ja, den Posten wird er überhaupt nie wieder los, denn nachdem Heitsch seinen Amtseid abgelegt hatte, ernannte ihn der Gemeinderat prompt auch noch zum Ehrenbürgermeister. Urkunde, Blumen, Händeschütteln folgten. Der 65-Jährige zeigte sich sichtlich gerührt, aber auch dankbar für das überwältigende Votum seiner Wähler, die in Scharen ins Bürgerhaus geströmt waren.Aufmerksam verfolgten sie die von Gemeinderätin Steffi Fieder (parteilos) moderierte Präsentation des dörflichen Gedeihens. Das begann allerdings bereits zu DDR-Zeiten. Dies waren Zeiten, in denen in Göllnitz gewissermaßen der Hund begraben war und einige Leute über eine Eingemeindung nach Altkirchen nachdachten. Mitte der 70er Jahre wechselte ein Triumvirat namens Jochen Enke, Günter Schellenberg und Hans-Jürgen Heitsch monatlich den Schlüssel zum Gemeindeamt. Doch das ging nicht lange gut. Also zog fortan Heitsch als LDPD-Bürgermeister die Fäden, und zwar ehrenamtlich, was sehr ungewöhnlich war. Er sorgte dafür, dass Straßen gebaut wurden. Göllnitz wurde zusehends beneidet, denn es konnte sich sehen lassen mit Dorfkonsum, Post, Arztstelle, Kindergarten und -krippe, Jugendklub, Kegelbahn, Sauna, Kulturhaus und Wohnungen.

Etwa 50 Eigenheime wurden in Heitschs Amtszeit gebaut. Weitere können nach jüngstem Ratsbeschluss hinzu kommen. Vieles wurde seinerzeit in unzähligen Mach-mit-Einsätzen erledigt. Kein Wunder, dass viele Anerkennungsurkunden das Gemeindebüro zierten und Heitsch gar mit der Verdienstmedaille der DDR geehrt wurde. Damals wie heute fallen die Erfolge nicht in den Schoß, sie wollen gelegentlich gegen bürokratische Widerstände errungen sein. Doch wenn noch in diesem Jahr der letzte Straßenbau in Schwanditz abgeschlossen ist, dann wird die gesamte Gemeinde auch in diesem Punkt tipptopp in Ordnung sein.

Bernd Kemter