15.06.2008

Der 17. Juni 1953 im Bewusstsein der Deutschen – Gedenkveranstaltung der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit in Frankfurt (Oder)

Freiheit ist unteilbar!

Der Volksaufstand am 17. Juni 1953 in der DDR verschwindet immer mehr aus dem Bewusstsein der Deutschen, insbesondere dem der jüngeren Generation. Aus diesem Grund sind Podiumsdiskussionen der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit so elementar wichtig. Der 17. Juni 1953 jährte sich in diesem Jahr zum 55. Male. Grund genug für die Stiftung, am Sonntag vor dem Jahrestag eine derartige Veranstaltung in Frankfurt (Oder) zu organisieren.

Dr. Johannes Frackowiak (FDP-Kreisverband Altenburger Land), Historiker und Hauptreferent der Gedenkveranstaltung, stellte einleitend den gesellschaftlichen und politischen Entwicklungsprozess der Nachkriegszeit dar, der in einen landesweiten Protest im Jahre 1953 in Ostdeutschland umschlug. In seinem Vortrag erinnerte Dr. Frackowiak, dass der 17. Juni 1953 ein diktatorisches Gesellschaftssystem in einen noch festeren Rahmen einfügte und seither kaum noch Platz für die Freiheit des Individuums und seiner Verwirklichung ermöglichte. “Gerade die heutige Zivilgesellschaft sollte sich dieser Herausforderung stellen, die untrennbar mit einer freiheitlichen Gesellschaftsordnung verbunden ist.” Die Kritik am Umgang mit der deutschen Geschichte und die Behandlung dieses wichtigen Themas in der Schule seien mangelhaft. Insbesondere fehlt es den Lehrern oftmals an Mut und Fachkenntnis, um methodisch sicher und qualifiziert das Interesse am Thema zu fördern. So ist es der Bundesbehörde für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR zu verdanken, dass überhaupt noch Schulprojekte über diesen Themenkomplex gefördert werden. Ausreichend Themen und Mittel stünden wohl zur Verfügung, die Initiative müsse aber von den Schulen und damit den verantwortlichen Fachlehrern ausgehen. Rüdiger Sielaff, Leiter der Frankfurter Außenstelle der Bundesbehörde, würde es begrüßen, wenn sich die ostdeutschen Lehrer verstärkt auch der durchaus interessanten Geschichte nach 1945 öffnen würden. Die Bundesbehörde kann aus dem Alltagsleben der DDR-Bürger viele Ableitungen zum Unrechtssystem herstellen. Gerade am Beispiel des 17. Juni 1953 wurde deutlich, was es heißt, in einer Diktatur zu leben. Sielaff präsentierte Einzelbeispiele, die ohne Chance auf eine umfassende Rechtsvertretung zum Tode oder zu langen Haftstrafen verurteilt wurden.

Dr. Frackowiak erinnerte in diesem Zusammenhang an das 20-jährige Jubiläum der friedlichen Revolution der DDR im nächsten Jahr. “Das ist doch der Tag der Ostdeutschen und sollte auch als Ereignis für den gesamtgesellschaftlichen Wandel gebührend gewürdigt werden.”, so der Historiker. Der Umgang der Deutschen mit der eigenen Geschichte wird den Historikern noch so manches Kopfzerbrechen bereiten. Hier stellt sich aus Sicht der Wissenschaft durchaus die Frage, ob es erst später, wenn die betroffenen Generationen nicht mehr als Zeitzeugen zur Verfügung stehen, eine halbwegs nüchterne und rein fachlich fundierte Darstellung geben kann. “Die Literaturgrundlage hat sich gerade zum 50-jährigen Jubiläum mächtig verbreitert. Dennoch gibt es über viele Punkte noch Streit, versuchen insbesondere politische Verantwortliche jener DDR-Ära den 17. Juni 1953 zu kriminalisieren. Das ist historischer Unsinn und darf erst gar nicht in die Köpfe junger Menschen gelangen.”, so Dr. Frackowiak.

Mario Quast, Liberales Forum