16.09.2010 | OVZ

Zwischenfinanzierung kommt von Firmen und Bürgern

Werbeaufträge und Spenden verschaffen Flugplatz Luft / Landrat und SPD fordern erneut Beteiligung des Landes

Altenburg (G.N.). Eine überraschend große finanzielle Unterstützung durch Unternehmen, Banken und Privatpersonen hat offenbar entscheidend mitgeholfen, der Flughafengesellschaft die Fortsetzung der Kooperation mit Ryanair zu ermöglichen. Das bestätigte gestern Landrat Sieghardt Rydzewski in einem Gespräch mit der OVZ.

“Die erste gute Nachricht ist, dass Altenburg auch im Winterflugplan mit London-Stansted direkt verbunden sein wird. Und dass alle Gerüchte, Ryanair würde sich zurückziehen, absolut gegenstandslos waren und sind. Die zweite gute Nachricht ist, dass Wirtschaft und Bürger aus dem Altenburger Land und darüber hinaus ihren Flugplatz auch finanziell unterstützen und so ein Weiterführen des Geschäftsmodells ermöglichen”, so der parteilose Politiker, der als Landrat und Vertreter des größten Gesellschafters zugleich Aufsichtsratschef der Flughafen GmbH ist. Wie Airport-Geschäftsführer Jürgen Grahmann in diesem Zusammenhang informierte, werden unter anderem Werbeflächen von Unternehmen längerfristig angemietet. Diese Einnahmen stünden zusätzlich zum Budget zur Verfügung und schaffen Gestaltungsraum.

Erneut kritisierte der Landrat die Landesregierung. “Der Freistaat hält uns seit mehr als einem Jahr hin. Die Studie zur Zukunft des Flugplatzes wird immer wieder verschoben, die Landesregierung drückt sich vor der Entscheidung, mit in die Verantwortung zu gehen, der Verkehrsminister äußert überall nur Bedenken.” Dies sei keine gute Situation. “Wir helfen uns im Altenburger Land zusammen mit unseren Nachbarn wieder einmal aus eigener Kraft. Ich hoffe sehr, dass diese Botschaft in Erfurt endlich ankommt.”

Etwas diplomatischer, aber im Kern ebenso unmissverständlich äußerte sich auf OVZ-Anfrage Ryanair: “Wir freuen uns über die gute Zusammenarbeit mit dem Altenburger Flughafen und der Region und würden es begrüßen, wenn es hier zu einer langfristigen Zusammenarbeit käme, sprich, die Kooperation zwischen Politik, Wirtschaft, Flughafen und Ryanair weiterhin bestehen und eventuell ausgebaut würde”, so Verkaufs- und Marketingmanagerin Henrike Schmidt.

Genau in diese Richtung zielt auch die Kreis-SPD mit ihren Forderungen. “Dass sich Europas größter Billigflieger zur Region bekennt, ist doch nicht selbstverständlich in diesen Zeiten”, so Kreistags-Fraktionschef Dirk Schwerd. “Die Landesregierung muss sich endlich entscheiden, ob sie den Wirtschaftsstandort Ostthüringen wirklich entwickeln will.” Er appellierte an die Landesregierung, Verantwortung zu übernehmen, die kommunalen Gesellschafter des Flugplatzes seien damit überfordert. “Ich wünsche mir, dass Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht den Leipzig-Altenburg Airport genauso zur Chefsache macht wie ihr Amtskollege Kurt Beck in Rheinland Pfalz den Flugplatz Frankfurt-Hahn”, sagte Schwerd.

Die bislang einzige Stellungnahme von der offenbar überraschten Landespolitik kam von der oppositionellen FDP. Deren verkehrspolitischer Sprecher Heinz Untermann erklärte, die Weiterführung des Flugbetriebes “sichert Arbeitsplätze und ist ein positives Signal für die Zukunft des Altenburger Flugplatzes”. Dessen Erhalt in Ostthüringen sei wirtschaftlich enorm wichtig, aber auch infrastrukturell und touristisch für die Region bedeutend.