22.09.2010 | OVZ

Neuer FDP-Chef

Kosma (G.N.). Der 36-jährige Schmöllner Arbeitsvermittler Steffen Plaul ist neuer Vorsitzender des aktuell 61 Mitglieder zählenden FDP-Kreisverbandes. Er wurde vorgestern Abend auf einer Mitgliederversammlung in Kosma gewählt. Der bisherige Kreisvorsitzende Daniel Scheidel war aus persönlichen Gründen nicht wieder angetreten.

“Politikpause” zwingt FDP zu Chef-Wechsel

Scheidel tritt bei Vorstandswahl nicht mehr an

Kosma. Führungswechsel im FDP-Kreisverband: Daniel Scheidel gab auf der Mitgliederversammlung am Montagabend den Vorsitz an Steffen Plaul ab. Auf den übrigen Vorstandposten kam es bei der turnusmäßigen Neuwahl kaum zu Veränderungen.

“Es hat fast immer Spaß gemacht”, resümierte Scheidel am Ende seines Vorstandsberichts. Die nun nach viereinhalb Jahren Kreisvorsitz eingelegte “Politikpause” begründete er ausschließlich privat – die Forderungen der Familie und seine ungeklärte berufliche Zukunft seien ausschlaggebend für die Entscheidung gewesen. Sein Kreistagsmandat behält er, und ebenso versprach er seinen Parteifreunden, weiterhin mit Rat und Tat zur Verfügung zu stehen.

Im Bericht des Vorstandes hatte Scheidel noch einmal die vergangenen anderthalb Jahre Revue passieren lassen – so lange hatten sich die Liberalen immerhin nicht mehr zu einer Mitgliederversammlung getroffen. Und in der Tat fallen in seine “Amtszeit” mehrere beeindruckende Wahlerfolge.

So hatten die Osterländer Liberalen im Frühjahr 2009 in der Kreistagswahl und in der Altenburger Stadtratswahl deutliche Zugewinne verbucht und auch bei Landtagswahl und Bundestagswahl im Herbst überdurchschnittlich gut abgeschnitten.

Doch die Freude währte nicht lange, der “herbe Rückschlag” erfolgte im Frühjahr 2010: Mit großem Knall flog die Altenburger Stadtratsfraktion auseinander, der damalige Fraktionschef Wolfgang Krause und ein weiteres Mitglied wechselten zur SPD-Fraktion. Scheidel räumte Mitverantwortung an der Katastrophe ein, doch angesichts der “nicht schlichtbaren Differenzen” sei der Vorstand machtlos gewesen. “Jetzt stehen wir vor einem Scherbenhaufen.” Dennoch forderte er seine Parteifreunde mit Blick auf die Landrats- und Oberbürgermeisterwahlen 2012 nachdrücklich auf: “Auch hier muss die FDP vorbereitet sein.”

Das Altenburger Desaster war auch Hauptthema in der kurzen Aussprache. So kritisierte Klaus Engelmann unmissverständlich das Versagen der Führung. Das Thema sei nie aufgearbeitet worden und die Führungsschwäche gebe es weiterhin.

Dem widersprach zwar Harald Kunze, indem er ausdrücklich die Leistung von Kreistags-Fraktionschef Karsten Schalla hervorhob. Aber auch er räumte ein: “Es ist ein Riesendesaster, so einen Erfolg wegen persönlicher Differenzen aufgeben zu müssen.” Und Schalla selbst grübelte angesichts des Altenburger Fehlschlags erstmals öffentlich, ob es richtig war, einen weitgehend eigenständigen Stadtverband zu gründen.

In dieser Debatte blieb der neue Vorsitzende Steffen Plaul stumm, bei seiner Vorstellung benannte er auch keinerlei persönliche Ziele und attackierte nicht einmal die politische Konkurrenz. Ohne Gegenkandidaten wurde er dennoch gewählt, wenn auch mit dem zweitschlechtesten Ergebnis des Abends: 19 Parteifreunde stimmten für ihn, sechs dagegen, einer enthielt sich und einer stimmte gar nicht mit ab. Stellvertretende Vorsitzende sind wie bisher Karsten Schalla und Detlef Zschiegner.

Günter Neumann

Personalie

Steffen Plaul ist neuer FDP-Chef

Jung, ledig, keine Kinder – entsprechend werde ihm wohl unterstellt, er hätte die nötige Zeit für die Aufgabe. Für Steffen Plaul reichte diese eher flapsig gemeinte Botschaft zusammen mit einer knappen persönlichen Vorstellung, um neuer Chef der Liberalen im Altenburger Land zu werden.

Der 36-jährige gelernte Industriemechaniker betreibt seit einigen Jahren eine private Arbeitsvermittlung in Schmölln. Zur Landtagswahl 2009 kandidierte er für die FDP im Wahlkreis 43 für das Direktmandat und erreichte im Landesmaßstab überdurchschnittliche zehn Prozent.

Kommentar

Schwieriger Neustart

Von Günter Neumann

Über vier Jahre lang galt die Zweier-Crew Scheidel/Schalla als Erfolgsgarant im Cockpit der Osterländer FDP. Beachtliche Wahl-Prozente waren der Lohn ihres frischen, offenen, kritischen – manche sagen aggressiven – Politikstils. Auch der Einkauf des Altenburger Ex-Werbegemeinschaftschefs Krause schien anfangs ein gelungenes Manöver.

Doch es missglückte gründlich und brachte die liberalen Überflieger wieder in Bodennähe. Selbst wenn der Ausstieg Scheidels wirklich nichts mit dieser Havarie zu tun hat: Mit nur noch einem ausgebildeten Piloten – Kreistagsfraktionschef Schalla – am Steuer, wird es sehr schwer, die Freidemokraten aus den Turbulenzen zu bringen.

Zum einen fehlt es dem neuen Chef erkennbar an Erfahrung. Ohne jedes öffentliche Amt wird er kaum wahrgenommen. Sein Talent als Krisenmanager hat er bislang auch noch nicht unter Beweis gestellt. Politische Linien und Ziele, an denen sich der Kreisverband in den anderthalb Jahren bis zu den nächsten Wahlen orientieren könnte, fehlen ebenfalls.

Um zu dem bildlichen Anfangsvergleich zurückzukehren: So mancher in den Jets der großen Parteien könnte jetzt versucht sein, entspannt die Rückenlehne ein Stück zurückzustellen.