13.10.2010 | OVZ

“Kängurus” protestieren in Erfurt

Gegen Sparpläne der Thüringer Regierung bei freien Schulen

Erfurt/Altenburg. Angesichts der von der Thüringer Regierungskoalition geplanten Kürzungen bei der finanziellen Ausstattung von Schulen in freier Trägerschaft sind auch die freien Schulen in Altenburg alarmiert. Schüler von der Freien Integrativen Grundschule Känguru Ehrenberg machten sich deshalb am vergangenen Freitag auf nach Erfurt, um an der Demonstration vor dem Thüringer Landtag teilzunehmen. Dort fand die erste Lesung des entsprechenden Gesetzesentwurfs statt.

Mit einem Bus, den freundlicherweise die Thüsac bereitstellte, fuhren zwölf Kinder, Erzieher und Elternvertreter frühmorgens los, ausgestattet mit selbst gestalteten Transparenten, Marschverpflegung und dem festen Willen, den Politikern deutlich zu machen, dass die Kinder ihre Schule lieben. Vor dem Landtag sammelte sich eine große bunte Schar von Gleichgesinnten aus allen Teilen Thüringens, die gegen die aus ihrer Sicht ungerechte Verteilung der Zahlungen an staatliche und freie Schulen protestierten. Mit Slogans auf den Transparenten wie “Wir lieben unsere Schule” und “Von uns könnt IHR lernen”, Singen, Pfeifen und mündlichen Statements meldeten sich die “Kängurus” zu Wort. Es war eine friedliche und freundliche Atmosphäre. Bis in den Plenarsaal hörte man den berechtigten Protest.

Nach der Lesung kam Bildungsminister Christoph Matschie (SPD) vor den Landtag, um die Reduzierung der finanziellen Mittel zu rechtfertigen. Er musste sich den besorgten Fragen und kritischen Äußerungen der Demonstranten stellen. Seiner Aussage, dass die Kürzungen unumgänglich seien und dass diese nur “moderat” ausfallen würden, wurde kein Glauben geschenkt. Er musste sich vielmehr fragen lassen, ob man den absehbar höheren finanziellen Bedarf der durch die Einführung der Gemeinschaftsschule in den nächsten Jahren entstehen wird, durch Einschnitte bei den freien Schulen ausgleichen wolle.

Oppositionspolitikerinnen wie Franka Hitzing (FDP), Astrid Rothe-Beinlich (Bündnis 90/Die Grünen) und Birgit Klaubert (Die Linke) äußerten ihre Solidarität mit den Demonstranten und den von ihnen repräsentierten Schülern, Lehren und Eltern. Sie sicherten zu, der Regierungskoalition “in den Arm zu fallen” zu wollen, wenn diese den Rotstift ansetzt. Bis jetzt sind durch die Oppositionsarbeit und die anschwellenden Proteste bereits einige negative Regelungen aus dem Gesetzesentwurf entfallen beziehungsweise abgemildert worden.

Nach aufregenden, drei Stunden fuhren die “Kängurus” mit einem guten Gefühl wieder zurück zu ihrer Schule nach Ehrenberg. Sie nahmen für sich mit, dass friedliche, gemeinschaftliche Meinungsäußerung durchaus etwas bringen kann – für das WIR-Gefühl der freien Schulen und gegen Kahlschläge in der Bildung.

René Schrödel