04.10.2010 | ABG-Info

FDP legt nach

Carius als Minister nicht haltbar

Für den Pressesprecher der Liberalen im Altenburger Land, Torsten Grieger, ist der Thüringer Verkehrsminister Carius nicht länger haltbar. “Wer sich wie Carius von einem Ministerkollegen vors Rohr schieben lässt, um Hiobsbotschaften zu verkünden und dabei noch eine derart schlechte Figur macht wie Carius bei der Pressekonferenz zur weiteren Entwicklung der Leipzig-Altenburg-Airports am Dienstag, ist nicht geeignet, ein Ministerium zu führen!”

Grieger kritisiert nicht nur, dass sich Carius von Wirtschaftsminister Machnig (SPD) vor den Karren hat spannen lassen, sondern auch die inhaltlichen Aussagen des Thüringer Verkehrsministers. “Es fängt schon mit der Aussage an, die Zukunft des Flughafens liege in der Gewerbeansiedlung im angrenzenden Industriegebiet. Wir alle wissen, dass die LEG – und damit das Land Thüringen – Eigentümer dieser Flächen ist. Es kann doch nicht sein, dass die Flughafengesellschaft jetzt die Aufgaben von hoch bezahlten LEG-Managern übernehmen sollen und deren Flächen vermarkten!” Der Liberale verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass selbst die beiden größeren Ansiedlungen im Flughafen-Umfeld, KTN und Thielert, nicht auf das Engagement der LEG zurückzuführen sind. “Bei KTN war es die Stadt Altenburg, die das Projekt vorangetrieben. Und auch im Falle Thielert haben wir es nicht der LEG zu verdanken, dass sich ein innovatives Unternehmen am Flughafen in Nobitz angesiedelt hat. Für das Unternehmen mit Produktionsstätten im sächsischen Lichtenstein war der Flughafen in Nobitz ganz einfach der einzig naheliegende Standort.”

Dass sich Erfurt in der Vergangenheit bei der Ansiedlung von Unternehmen am Flughafen nicht mit Ruhm bekleckert hat, belegt Grieger am Beispiel des Ausbildungszentrums für Lufthansa-Piloten. Altenburg-Nobitz hatte es 2009 bei über 50 Bewerbern aus ganz Europa bis in die Finalrunde um den Standort für ein neues Ausbildungszentrum geschafft. Dass letztendlich Rostock-Laage den Zuschlag erhielt, lag im Wesentlichen an der mangelnden Unterstützung von Seiten der LEG. “Zu Zeiten des Wirtschaftsvereins Altenburger Land hätte es dafür einen Schwarzen Peter gegeben!”, so der Liberale gegenüber der Presse.

Aber nicht nur die von Carius in den Raum gestellten Konsequenzen ärgern den FDP-Mann. “Die Art und Weise, wie Carius am Dienstag versucht hat, den Flughafen als Millionengrab zu präsentieren, ist schlicht und einfach verlogen. Selbst wenn man außer Acht lässt, dass es in ganz Deutschland nur drei Flughäfen gibt, die schwarze Zahlen schreiben: Wenn wir in Thüringen einen Flughafen haben, an dem Unsummen an Fördermitteln versenkt worden sind und immer noch werden, dann ist es der Flughafen in Erfurt. Wer bereit ist, bis März 2012 die hochdefizitäre tägliche Linie Erfurt-München mit jährlich 2,2 Millionen Euro zu subventionieren, sich im Gegenzug mit Blick auf die Finanzlage im Freistaat nicht einmal mehr in der Lage sieht, für ein Zehntel des Geldes für die Flugsicherung in Altenburg-Nobitz mit zu tragen, versucht, den Bürger an der Nase herumzuführen. Für die Umbenennung des Erfurter Flughafens sind schließlich auch über 200.000 Euro eingeplant.”

“Fakt ist,” so Grieger weiter, “dass der Erfurter Flughafen 16,50 Euro Zuschuss pro Passagier benötigt, der Leipzig-Altenburg-Airport jedoch gerade mal etwas mehr als die Hälfte davon, nämlich 8,60 Euro. Es wird höchste Zeit, dass man in Erfurt die rosarote Brille absetzt und endlich zu einer ehrlichen und fairen Bewertung kommt. Vor allem, wenn man neben den betriebswirtschaftlichen auch noch die volkswirtschaftlichen Zahlen betrachtet. Wer als von Erfurt aus mit einer Chartermaschine in den Süden fliegt, generiert im Urlaub Umsätze am Urlaubsort und nicht im Freistaat. Die Touristen, die aus England oder Spanien zu uns kommen, generieren dagegen zusätzliche Umsätze bei uns. Und egal ob sie nun nach Thüringen, Sachsen oder Berlin reisen: Es sind zweistellige Millionenbeträge, die durch Ryanair bereits jetzt unserer Hotellerie und Gastronomie zu gute kommen.”

Besonders verbittert ist der Liberale auch über die möglichen Konsequenzen, die sich aus dem Wegfall der Unterstützung für die Flugsicherheit ergeben können. “Ganz so egal, wie es uns Carius versucht Glauben zu machen, ist es leider nicht. Wenn der Flughafen seinen Luftraum D verliert, bedeutet dies im Prinzip das Aus für Linien- und Charterverkehr – für immer! Das wäre dann tatsächlich der Anfang vom Ende!”

Auf die Frage, wie er sich denn den weiteren Weg für den Flughafen Altenburg-Nobitz vorstellen könne, argumentiert Grieger zweigleisig: “Zunächst einmal richtet sich meine Forderung an den Freistaat, den Status Quo in Altenburg zumindest so lange zu gewährleisten, bis das Gutachten zum Erfurter Flughafen vorliegt. Eine endgültige Entscheidung darüber, wer wofür und in welcher Höhe in Zukunft Fördermittel erhält, darf nicht entschieden werden, bevor nicht alle Fakten auf dem Tisch liegen. Ich zweifele jedoch daran, dass sich Herr Carius in dieser Frage überhaupt noch einen Millimeter bewegt – schließlich würde er damit zugeben, von Machnig und KE Consult ins Boxhorn gejagt worden zu sein. Diese Größe wird er nicht haben – aber genau aus diesem Grund ist er nicht länger als Verkehrsminister im Freistaat Thüringen haltbar ist. Auf der anderen Seite sehe ich aber auch die dringende Notwendigkeit, sich nach starken Partnern für den Flughafen umzusehen.” Für den FDP-Mann kommt dabei die Mitteldeutsche Airport Holding ebenso in Frage wie andere, international agierende Unternehmen. “Bisher hieß es immer, Erfurt solle Teil der Mitteldeutschen Airport Holding werden – zu dem Preis, dass der Flughafen in Altenburg-Nobitz geschlossen wird. Zu sehr hat man sich am Leipziger Flughafen von Altenburg bedrängt gefühlt. Wenn man sich jedoch genau mit den verschiedenen Geschäftsmodellen auseinandersetzt, erkennt man, dass sich die Flughäfen der Mitteldeutschen Airport Holding und der Leipzig-Altenburg-Airport wesentlich besser ergänzen. Mit Fertigstellung des neuen Berliner Großflughafens BBI wird es zu einer Verschiebung im Low-Cost-Bereich kommen. Das ist weder für Leipzig noch für Dresden wirklich ein Geschäft, in welches es sich für sie einzusteigen lohnt. In Branchenkreisen werden deshalb auch nur zwei Namen gehandelt, die profitieren könnten: Magdeburg-Cochstedt und eben der Leipzig-Altenburg-Airport in Nobitz. Mit einer bewährten Infrastruktur und einem erheblich größeren Einzugsbereich. Hier gilt es jetzt, die Weichen zu stellen! Apropos Weichen: Spätestens wenn ab 2015 die Weichen für den ICE von Erfurt nach Leipzig gestellt sind und man in weniger als 45 Minuten von Erfurt aus am Leipziger Flughafen ist, wird der Flughafen der Thüringer Landeshauptstadt endgültig an Bedeutung verlieren. Deshalb ist er objektiv auch nicht halb so interessant für die Mitteldeutsche Airport Holding wie der Flughafen in Altenburg-Nobitz!”

Dieser Beitrag wurde geschrieben von:
Torsten Grieger, Pressesprecher FDP Kreisverband Altenburger Land

Antworten zu "FDP legt nach"

Radler | 04.10.2010

Warum soll Thüringen für einen Flugplatz zahlen, von dem eigentlich nur Sachsen profitiert?

Wolf Matthias | 04.10.2010

Herr Carius hat Recht, wir brauchen keinen weiteren Flughafen in Thüringen den wir fördern müssen. Möglicher Weise hat die FDP sich den Flugplan von Dresden und Leipzig noch nicht angesehen. Täglich Dresden-London mit BMI/Lufthansa, täglich Leipzig-Alicante mit Air Berlin via Mallorca.

Ich wünsche mir eher eine Lufthansa Verbindung (keine Partnerairline) von Erfurt nach Frankfurt. Als Vielflieger nutze ich zur Zeit den Airport Leipzig, da ich hier via Frankfurt fast alle Ziele mit Lufthansa und Star Alliance erreichen kann. Die Verbindung Erfurt-München mit Cirrus-Airlines hat nicht genügend Platzkapazität, das macht auch die Flugtickets zu teuer. Oft werden Flüge von Erfurt nach München gestrichen, deshalb bevorzuge ich Leipzig-Halle Lej.