26.11.2010 | TV Altenburg

Oldag ohne Selbstkritik

TPT-Lagebericht bestehe aus Weglassung und Halbwahrheiten

Es hätte eigentlich ein schwerer Gang sein müssen, welchen der Geschäftsführer der Theater GmbH zur gestrigen Stadtratssitzung hätte gehen sollen. Immerhin steht unter seiner Leitung das Haus mit einem Finanzloch von 1,8 Millionen Euro kurz vor der Insolvenz. Mit Hilfe des Landes konnte vorerst das Theater ins neue Jahr gerettet werden.

Im Rahmen der Bestätigung des Jahresabschlusses 2009 trat Oldag daher vor den Altenburger Stadtrat, und nutzte die eingeräumte Redezeit hauptsächlich, um auf die Versäumnisse des kaufmännischen Leiters und dessen Mitarbeiterin einzugehen. So habe er, als Geschäftsführer, bis September 2010 von den Problemen nichts gewusst. Vor allem seien es Tarifsteigerungen, die das Finanzloch verursacht haben. Dass aber auch riesige Mehrausgaben bei Gasthonoraren zu dem Debakel geführt hatten, darauf ging Oldag nicht einmal ein.

Vor allem aus den Reihen der CDU stieß der Auftritt des Geschäftsführers vor dem Stadtrat auf teils lautstarke Unmutsäußerungen. Christian Götze (CDU) sprach daher in seiner Rede von einem Desaster und einem Scherbenhaufen, um den sich Oldag als Geschäftsführer nicht herumdrücken könne. Immerhin sei allein 2009 rund eine Million Euro zu viel ausgegeben worden und auch für den kompletten Zusammenbruch der Finanzierung des Hauses seien Aufsichtsrat und Geschäftsführer mitverantwortlich. Götze zeigte sich auch mit der gesamten Entwicklung des Theaters unzufrieden. So blieben zunehmend die Zuschauer aus und man spiele mittlerweile vor halbleerem Haus. Ihm fehle vor diesem Hintergrund die Selbstkritik von Oldag oder dem bestehenden oder früheren Aufsichtsratsvorsitzenden.

Vor allem Michael Wolf (SPD) als amtierender Aufsichtsratsvorsitzender stellte sich hinter Oldag. So sei dessen künstlerische Leistung unumstritten, aber er räume ein, dass es massive kaufmännische Versäumnisse gegeben habe, die jetzt aufgeklärt werden müssten. Oldag genieße aber auch weiterhin sein Vertrauen. Ähnlich argumentierte Aufsichtsratsmitglied Dr. Birgit Klaubert (Die Linke). Auch verdeutlichten beide, dass aus dem in der Vergangenheit vorgelegten Zahlenmaterial, der Aufsichtsrat die Situation nicht habe einschätzen können.

Vor allem entbrannte ein Streit darüber, ob man den, dem vorliegenden Jahresabschluss beiliegenden, Lagebericht zustimmen könne. Tatsächlich wird hier zwar von Problemen im Hause mit den Tarifverträgen und den Ausgaben gesprochen, aber es ist keineswegs von einer dramatischen Lage die Rede, obwohl man das Jahr mit einem Fehlbetrag von 1,31 Millionen Euro abgeschlossen hatte. Immerhin gab es zu dieser Zeit auch noch Rücklagen.

Und so bezeichnete Detlef Zschiegner (FDP) den Lagebericht als Selbstbeweihräucherung mit Halbwahrheiten und Weglassungen. Jemand hätte dem Geschäftsführer mitteilen sollen, dass Geld nicht vom Himmel fällt. Damit ließ er keinen Zweifel daran, dass er die Schuld an dem Debakel auch bei Matthias Oldag sieht.

Letztlich stimmte eine Mehrheit aus SPD und Linke für den Jahresabschluss und den Lageplan. Die Begründung dafür brachte SPD-Fraktionsvorsitzender Dr. Nikolaus Dorsch. Er glaube, man hätte den Bericht schärfer formulieren können, aber eine Verweigerung der Zustimmung würde dem Theater noch weitere Probleme bereiten. Außerdem sei es der Bericht des Jahres 2009, das eigentliche Desaster begann aber erst 2010.

Quelle: tv.altenburg