27.11.2010 | OTZ

Altenburger Stadtrat bestätigt den Jahresabschluss 2009 der Theater und Philharmonie Thüringen GmbH

Sie haben am Abend lange gestritten, dann aber doch mit deutlicher Mehrheit zugestimmt. Mit 24 Ja-, sieben Neinstimmen und vier Enthaltungen hat der Altenburger Stadtrat den Jahresabschluss 2009 der Theater und Philharmonie Thüringen GmbH (TPT) bestätigt.

Die Stadträte stimmten der Bilanzsumme von 4,691 Millionen Euro sowie dem entstandenen Jahresfehlbetrag in Höhe von 1,131 Millionen Euro zu. Auch der Lagebericht, wurde genehmigt.

“Es ist festzustellen, dass 2009 rund 1,97 Millionen Euro Liquidität verbraucht wurde, um das entstandene Defizit zu decken”, heißt es im Lagebericht. “Das ist doppelt so viel wie ursprünglich veranschlagt. Die Liquidität sank 2009 auf 1,653 Millionen Euro per 31. Dezember 2009”, heißt es darin weiter.
Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD), derzeit auch Aufsichtsratsvorsitzender des Theaters, hatte zuvor informiert, dass sich alle drei Gesellschafter (Altenburg, Gera und Landkreis Altenburger Land) hinter Matthias Oldag stellen. Dem Intendanten selbst wurde gestern Abend auch Rederecht gewährt.

“Die Lage ist bekannt. Es hätte so nicht passieren dürfen und es gibt nichts zu beschönigen”, begann er, um danach den Dank an seine Mitarbeiter und die Zuschauer auszusprechen. Versäumnisse räumte er im kaufmännischen Bereich ein. Verwaltungsdirektor und Leiterin der Finanzen hätten die besorgniserregende Entwicklung verschleiert. Personalkosten, Haustarifverträge Investition in Technik und auch die Gastgehälter nannte er als Ursache für die Finanzmisere, von der er nichts gewusst haben will.

OB Wolf und Dr. Birgit Klaubert (Linke), ebenfalls Aufsichtsrat, brachen eine Lanze für Oldag und das Theater. Wie sollten sie hinter die zu hohen Ausgaben steigen, wenn der Wirtschaftsprüfer auch nichts festgestellt habe, argumentierte Klaubert. Wolf erklärte allerdings auch, dass der Intendant die Pflicht zur Kontrolle der Finanzen habe und Oldag damit auch in “Größenordnung Vertrauen missbraucht” habe.

Detlef Zschiegner (FDP) forderte indes weiter rigoros die Auswechslung des Theater-Geschäftsführers. Seiner Ansicht nach ist er für den kaufmännischen Teil voll verantwortlich. Der Lageplan sei ein Konstrukt aus Beweihräucherung, Weglassungen und Halbwahrheiten, so sein Vorwurf. Mit vollen Händen habe Oldag das Geld hinausgeworfen, führte er an. “Die Probleme, welche zur finanziellen Schieflage führten, liegen in erster Linie nicht außerhalb, sondern innerhalb des Hauses. Die Probleme liegen in der Verantwortung des Generalintendanten und Geschäftsführers. Der Geist von 2009 zieht noch heute durchs Haus”, kritisierte Zschiegner Oldag und erklärte überdimensionale Plakataktionen des Theaters 2010 für überflüssig. Dadurch würde zumindest er nicht zusätzlich zu Vorstellungen gehen.

Nikolaus Dorsch (SPD) gab zu bedenken, dass eine Ablehnung der Theatervorlage, nachdem das Land durch den Zuschuss einer Million Euro eine Insolvenz abgewendet hat, Konsequenzen ergeben würden, die nicht mehr steuerbar seien. Christian Götze (CDU) zweifelte an, ob denn die nun für 2009 vorliegenden Zahlen die richtigen wären. Peter Müller (CDU) erklärte, das Theater sei der letzte DDR-Betrieb. Man warte dort nur auf Zuschüsse. Zudem sei es eine Katastrophe, dass erst im September 2010 die Misere von 2009 bekannt wurde.

Gestern wurde übrigens auch bekannt, dass Gesellschafter von TPT den Generalintendanten Matthias Oldag mit der Vorbereitung der nächsten Spielzeit beauftragt haben.

Ulrike Grötsch