27.11.2010 | OVZ

Theater-Krise erhitzt weiter die Gemüter

Altenburger Stadtrat genehmigt Jahresabschluss 2009 der GmbH / Erste öffentliche Äußerung des Intendanten / Harsche Kritik von CDU und FDP

Altenburg. Selbst wenn manch Politiker und der Intendant es fast schon beschwören – das Theater kommt auch nach dem Geldsegen aus Erfurt noch lange nicht zur Ruhe. Vor allem nicht aus der Diskussion. Erneut zu erleben war dies vorgestern Abend im Altenburger Stadtrat, der über den Jahresabschluss 2009 der Theater GmbH zu befinden hatte. Jenem Jahr also, in dem die Finanzkrise begann, ohne dass sie – so zumindest nach wie vor die offizielle Diktion – bemerkt worden sei.

Zustimmen sollten die Abgeordneten sowohl dem Jahresabschluss als auch dem errechneten Jahresfehlbetrag und dem Lagebericht der Geschäftsführung. Vor allem an letzterem, den viele Stadträte aus heutigen Sicht offensichtlich als zu geschönt betrachten – haben sich schon im Wirtschafts- und im Kulturausschuss die Gemüter erhitzt. Dort waren die drei Punkte getrennt abgestimmt worden. In beiden Ausschüssen bekam der Lagebericht keine Mehrheit.

Deshalb stellte Christian Götze (CDU) vorgestern Abend den Antrag, auch im Stadtrat getrennt abzustimmen. Doch das wurde mit der Mehrheit von SPD und Linke abgelehnt. Am Ende ging der Jahresabschluss mit 24 Ja- und sieben Nein-Stimmen bei vier Enthaltungen durch. Wäre dies nicht der Fall gewesen, so hatte SPD-Fraktionschef Nikolaus Dorsch argumentiert, hätte man erneut ein Gutachten von einem Wirtschaftsprüfer einholen und folglich teuer bezahlen müssen.

Vom Tisch ist dieses Szenario allerdings auch nach dem Altenburger Votum nicht, denn auch der Stadtrat Gera und der Kreistag Altenburger Land müssen den Jahresabschluss noch genehmigen. Letzterer tagt am kommenden Mittwoch. Auch dort wird eine heiße Theater-Debatte erwartet.
Denn schon im Stadtrat geriet der Jahresabschluss 2009 fast schon zur Nebensache angesichts der Diskussion um die desaströse Finanzsituation des Altenburg-Geraer Theaters überhaupt. Erstmals seit Bekanntwerden des Millionendefizits Ende September äußerte sich der Generalintendant Matthias Oldag, der im Stadtrat Rederecht erhielt, öffentlich zu diesem Thema. “Da gibt es nichts zu beschönigen. Es hätte so nicht passieren dürfen”, erklärte Oldag eingangs. Danach rechnete er den Abgeordneten vor, dass die Kosten für Personal und Gebäude schon jetzt die Höhe der Zuschüsse übersteige, folglich in die Rücklage gegriffen werden müsse. Hinzu seien die Versäumnisse im kaufmännischen Bereich gekommen, sodass auf das Defizit nicht oder zu spät reagiert wurde. “Eine inkompetente und verantwortungslose kaufmännische Leitung hat das vor dem Aufsichtsrat und mir bis Anfang September verschleiert. Ich habe beiden vertraut und mich auf sie verlassen. Wir alle und auch ich müssen dafür einen hohen Preis zahlen. Ich bedauere die eingetretene Lage zutiefst und habe angeboten, entsprechende Konsequenzen zu ziehen”, so Oldag. Doch die Gesellschafter hätten ihm ihr Vertrauen ausgesprochen (OVZ berichtete).

“Irgendjemand hätte dem Intendanten sagen müssen, dass das Geld nicht vom Himmel fällt.”
Detlef Zschiegner

Trotz dieser ersten persönlichen Botschaft und dem ersten Wort des Bedauerns, dessen bisheriges Fehlen die FDP-Kreistagsfraktion einen Tag vor der Stadtratssitzung scharf kritisiert hatte, blieb die Stimmung nach Oldags Rede außerordentlich distanziert, keine Hand rührte sich zum Beifall. Mehr noch. Von CDU und FDP musste sich der Theaterchef in der anschließenden Debatte einiges anhören. Der Jahresabschluss sei alles andere als eine bloße Feststellung von Gewinnen und Verlusten, es sei vielmehr ein in Worte und Zahlen gefasstes Desaster, so Christian Götze. “In der Bundesliga oder der Oberliga zu spielen, ist toll. Wenn man es sich leisten kann.”

Nach Auffassung von Detlef Zschiegner ist der Lagebericht ein Konstrukt aus Selbstbeweihräucherung, Weglassen und Halbwahrheiten. Der Intendant sei sehr wohl für den kaufmännischen Bereich vollumfänglich verantwortlich. “Irgendjemand hätte dem Intendanten sagen müssen, dass das Geld nicht vom Himmel fällt. Aus meiner Sicht müsste der Geschäftsführer eher heute als morgen ausgetauscht werden”, so der FDP-Abgeordnete drastisch.

Auch SPD und Linke wollten die aktuelle Situation weder beschönigen noch gutheißen, doch gemeinsam mit dem OB plädierten sie dafür, im Interesse des Theaters nach vorn zu schauen und den Millionenzuschuss aus Erfurt als Chance zu sehen. Wolf kündigte zudem eine monatliche Liquiditätskontrolle an.

Ellen Paul