02.12.2010 | OVZ

Protest auf stille Art

Kreistag beschließt trotz Schüler-Demo Kürzungen bei der Jugendarbeit

Altenburg (haeg/jr). Einen Empfang der anderen Art erlebten gestern die Abgeordneten des Kreistages. Als sie am Nachmittag das Altenburger Landratsamt betraten, um zur Sitzung zu gelangen, standen da rund 60 Kinder, Jugendliche, Eltern und Sozialarbeiter. Diese waren dem Aufruf des Kinder- und Jugendhauses der Johanniter sowie der Einrichtungen Rote Zora, Eastside und Abstellgleis gefolgt, um gegen die von Landrat Sieghardt Rydzewski (parteilos) geplanten Sparmaßnahmen in der Jugendarbeit zu protestieren.

Doch anstatt ihren Unmut lautstark und mit Plakaten oder Schildern auszudrücken, bildeten die Protestierenden eine Gasse im Foyer und blieben – bis auf unvermeidliches Gemurmel – stumm. “Ich finde es problematisch, Kinder zu instrumentalisieren und sie Parolen rufen zu lassen, die sie vielleicht gar nicht verstehen”, begründete Straßensozialarbeiter Janek Rochner vom Kinder- und Jugendhaus der Johanniter in Altenburg-Nord die stille Protestform. “Wir arbeiten am Limit, mit den Kürzungen wird das nicht besser. Daher wollen wir so Präsenz zeigen, die Entscheidungsträger an uns erinnern und mit ihnen ins Gespräch kommen.”

Das gelang jedoch nur bedingt. Denn einige Kreisräte schlängelten sich galant an der Gasse aus Menschen vorbei, die meisten aber huschten teilnahmslos vorüber. Einzig Frank Tanzmann (CDU) blieb stehen und unterhielt sich mit den jungen Leuten. Allerdings müssen sie ihn als Vorsitzenden des Jugendhilfeausschusses nicht erst für ihre Belange gewinnen.

Der Kreistag ließ sich von der Aktion dennoch kaum beeindrucken. Die Landrats-Vorlage wurde mit den Stimmen von CDU, FDP und den Regionalen angenommen. Danach werden Gelder für die schulbezogene Jugendarbeit und die Betreuer-Stellen im Kinder- und Jugendtreff Rote Zora gekürzt, die Personal-Aufstockung im Kinder- und Jugendhaus in Altenburg-Nord gestrichen und freie Träger oder Gemeinden stärker an den Personalkosten beteiligt.