03.12.2010 | OVZ

Abgeordnete enttäuscht

Altenburg (E.P.). Wie der Altenburger Stadtrat hat nun auch der Kreistag scharf über die aktuelle Situation am Theater debattiert. Fast alle Fraktionen warfen dem Intendanten vor, sie ent- beziehungsweise getäuscht zu haben. Die FDP forderte, dass es keine Vertragsverlängerung für Matthias Oldag geben dürfe.

FDP: Keine Vertragsverlängerung für Oldag

Kreistags-Debatte ums Theater deutliche schärfer als im Altenburger Stadtrat

Altenburg. Es kam, wie es kommen musste. Wie im Altenburger Stadtrat in der Vorwoche schlugen auch im Kreistag vorgestern Abend die Wogen hoch, als es ums Theater ging. Dabei geriet die Feststellung des Jahresabschlusses 2009 der GmbH und die Zustimmung zum Lagebericht ihres Geschäftsführers Matthias Oldag erneut fast zur Nebensache. Die meisten Abgeordneten hatten grundsätzlichen Diskussionsbedarf. Und was da zur Sprache kam, war um einiges schärfer als im Stadtrat.

Gleich zu Beginn informierte Landrat Sieghardt Rydzewski (parteilos) über die aktuelle Lage, die seiner Meinung nach alles andere als rosig sei. Vor allem machte er darauf aufmerksam, dass bis dato aus Erfurt nichts schriftlich über die angekündigte Finanzhilfe vorliege. “Aus heutiger Sicht ist das Theater insolvent, wenn das Geld nicht bald auf dem Konto ist”, so der Landrat. Er rechnet außerdem damit, dass sich das Defizit bis Ende 2012 sogar auf 2,6 bis über drei Millionen Euro vergrößern könnte. Bis jetzt ist nur die Rede von 1,85 Millionen Euro. Und nur auf dieser Zahl sind bekanntlich die Finanzhilfen des Landes aufgebaut.

Für die finanzielle Schieflage, durch die ein ganzes Theater in der öffentlichen Kritik stehe, sei der Geschäftsführer verantwortlich, so FDP-Fraktionschef Karsten Schalla. Das könne man in verschiedenen deutschen Wirtschaftsgesetzen nachlesen. Die Liberalen hätten deshalb die Gesellschafter – das sind der Landkreis sowie die Städte Altenburg und Gera – wiederholt aufgefordert, gegenüber Oldag disziplinarisch tätig zu werden. Dies blieb bislang allerdings aus. Mit einem Geschäftsführer, unter dessen Verantwortung so viele Millionen in den Sand gesetzt wurden, dürfe nicht über die Verlängerung seines Vertrages verhandelt werden, forderte Schalla unter starkem Klopfen vor allem aus den Fraktionen von CDU, FDP und der Regionalen.

Schalla stellte deshalb einen Dringlichkeitsantrag. Der Landrat sollte beauftragt werden, in der Gesellschafterversammlung unverzüglich ein Ausschreibungsverfahren für einen Intendanten ab dem 1. August 2011 zu erwirken. Was im öffentlichen Teil des Kreistags aufgrund eines Formfehlers gar nicht erst zur Abstimmung kam, ging OVZ-Informationen zufolge im nichtöffentlichen Teil mit einer knappen Mehrheit von 17 zu 15 Stimmen durch. Die Chancen auf Umsetzung schätzt der FDP-Fraktionschef allerdings selbst als gering ein, da die beiden Oberbürgermeister Wolf und Vornehm dies mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mittragen werden.

“Dass die Gesellschafter einem solchen Intendanten überhaupt weiter das Vertrauen aussprechen, kann ich beim besten Willen nicht verstehen”, monierte CDU-Fraktionschef Jürgen Ronneburger. Sein Kollege Christian Gumprecht erinnerte daran, dass schon beim Auftritt von Matthias Oldag vor dem Kreistag im Juni viele ein flaues Gefühl gehabt hätten. “Wir sind damals fahrlässig oder vorsätzlich getäuscht worden.”

Ent- und getäuscht vom Intendanten zeigte sich auch die als ausgesprochene Theater-Sympathisantin bekannte Abgeordnete Sabine Fache (Linke). “Der Vertrauensverlust ist sehr groß. Ich erwarte, dass endlich Transparenz in den Vorgang kommt”, so Fache, die wie viele andere monierte, dass Oldag nicht persönlich anwesend war, sondern seinen Vertreter schickte. Fache forderte deshalb, die Vorlagen in die Ausschüsse zurückzuverweisen und den Intendanten einzuladen.

Der Landrat warb hingegen für die Abstimmung, weil die aktuellen Vorlagen nichts mit der grundsätzlichen Debatte um die Zukunft des Theaters, die selbstverständlich geführt werden müsse, zu tun habe. Auch er brachte seine Enttäuschung zum Ausdruck. “Wir wurden sogar im Kreistag vorgeführt und offensichtlich belogen”, so Rydzewski mit Blick auf Baumaßnahmen im Heizhaus des Landestheaters. Rund 200 000 Euro seien vom Theater beantragt worden, bewilligt wurden aber vom Kreistag nur 75 000 Euro. “Tatsächlich verbaut wurden jedoch über 300 000 Euro. Ohne Genehmigung, ohne Wissen der Gremien”, so der Landrat.

Der Kreistag stimmte am Ende mehrheitlich dem Jahresabschluss 2009 zu, dem Lagebericht des Geschäftführers – anders als im Stadtrat – jedoch nicht. Gleichfalls wurde dem Aufsichtsrat und dem Geschäftsführer keine Entlastung erteilt.

Ellen Paul