08.12.2010 | OVZ

Vertrauensvotum für Oldag

Nach Theater-Aufsichtsratsitzung überschlagen sich die Ereignisse

Altenburg. In Sachen Theater-Finanzkrise überschlagen sich derzeit die Ereignisse. Erst sprach der Aufsichtsrat auf seiner Sitzung vorgestern Abend dem Intendanten mit großer Mehrheit das Vertrauen aus und lehnte den Kreistagsbeschluss zur sofortigen Suche nach einem neuen Theaterchef für die nächste Spielzeit ab. Dann wurde gestern früh bekannt, dass der Altenburger FDP-Politiker Karsten Schalla unmittelbar nach der Sitzung aus Protest sein Mandat niederlegte. Und am Nachmittag stellte Landrat Sieghardt Rydzewski überraschend klar, von dem vor zwei Wochen verkündeten Vertrauensvotum der Gesellschafter könne so keine Rede sein.

Von Ellen Paul

Kurzfristig war für Montagabend zu einer Pressekonferenz unmittelbar nach der Sitzung des Aufsichtsrats der Theater GmbH eingeladen worden, auf der es neben dem ursprünglich geplanten Thema Wirtschaftsplan 2011 überraschend auch um die Zukunft des Intendanten Matthias Oldag gehen sollte. Wie der Aufsichtsratsvorsitzende, Altenburgs Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD), die Medien informierte, hatte Oldag das Gremium gebeten, ihm das Vertrauen zu bekunden. Hintergrund dürfte die teils harsche Kritik sein, die sich der Theaterchef vor allem aus dem bürgerlichen Lager des Altenburger Kreistages und Stadtrates anhören musste. Dem Wunsch ist der Aufsichtsrat nachgekommen. Mit großer Mehrheit bei sechs Ja- und zwei Nein-Stimmen sowie einer Enthaltung sprach er Oldag das Vertrauen aus. Der OB schränkte allerdings ein, dass dieses Votum natürlich auf der Basis des derzeitigen Erkenntnisstandes entstanden sei.

Mit gleicher Mehrheit wurde vom Aufsichtsrat die Umsetzung eines Kreistagsbeschlusses aus der Vorwoche abgelehnt. Der Landkreis Altenburger Land als einer der drei Gesellschafter – die beiden anderen sind die Städte Altenburg und Gera – hatte den Antrag gestellt, sofort die Intendantenstelle für die Zeit ab dem 1. August 2011 neu auszuschreiben. Oldags Vertrag endet am 31. Juli.

Entwarnung gab Michael Wolf auf der Pressekonferenz hinsichtlich der Finanzen. Inzwischen sei ein Änderungsbescheid des Freistaates eingegangen, wonach die Zahlung von 600 000 Euro als erste Rate des vereinbarten Rettungsschirms festgeschrieben ist. Weitere 488 000 Euro sollen folgen. “Die Zahlung des Freistaates ist gebunden an die Zahlung der drei Gesellschafter”, stellte Wolf klar. Für Gera sind das 457 000 Euro, für den Landkreis 200 000 Euro und für die Stadt Altenburg 105 000 Euro, die bis Ende 2012 aufgebracht werden müssen. Schon bis Herbst 2011 solle ein Großteil der Summe fest in den Haushaltsplänen verankert sein.

“Was der Freistaat am Ende wirklich tut, wenn einer nicht zahlt, ist schwer vorherzusagen”, so Wolf. Schlimmstenfalls würde das Kabd dann seine Anteil prozentual entsprechend kürzen. Auch habe Erfurt klar gestellt, nur so viel zusätzlich zur Verfügung zu stellen, wie wirklich notwendig ist. Falls das Theater spart und sich das Defizit verringere, werde der Zuschuss reduziert. Das gelte natürlich auch für die Gesellschafter. Das ist für Wolf ein wichtiger Anreiz, überall, wo es möglich ist, Ausgaben zu reduzieren und Einnahmen zu erhöhen. Das Theater sei hier seiner Meinung nach bereits auf gutem Wege.

So wurden beispielsweise die Werbungskosten gesenkt, die Dienstreisen auf ein Minimum reduziert, der Transport der Beschäftigten zwischen Altenburg und Gera geändert, die Kosten für Reinigung, Wachdienst, Bewirtungen, Blumen und Programmhefte reduziert und um Hotelpreise verhandelt. “Es ist viel kleines, was die Masse ausmacht”, so Wolf. Eine konkrete Summe der damit erzielten Einsparungen wollte er indes nicht nennen.

Sein Mitgesellschafter, Landrat Sieghardt Rydzewski (parteilos), sieht die Situation allerdings nicht so optimistisch. Gegenüber OVZ (siehe nebenstehendes Interview) bekräftigte er erneut die Möglichkeit, das Defizit könnte sogar deutlich höher ausfallen. Außerdem revidierte er völlig überraschend eine Pressemitteilung vom 25. November, wonach auch schon die drei Gesellschafter dem Intendanten das Vertrauen ausgesprochen hätten.

Drei Fragen an

Sieghardt Rydzewski, Landrat

Aufgrund des Kreistagsbeschlusses in der vergangenen Woche gehe ich davon aus, dass bei der Abstimmung zum Vertrauensvotum, um das der Intendant den Aufsichtsrat gebeten hat, neben Karsten Schalla die zweite Gegenstimme von Ihnen kam. Würden Sie das bestätigen wollen?

Ja.

In der letzten Gesellschafterversammlung haben Sie Herrn Oldag noch das Vertrauen ausgesprochen. Was war der Anlass für Ihre Meinungsänderung?

Die Gesellschafterversammlung hat sich darauf verständigt, dass Herr Oldag seinen Vertrag bis 31. Juli 2011 erfüllt. Das habe ich mitgetragen. Die Darstellung des Aufsichtsratsvorsitzenden, wir alle hätten dem Intendanten das Vertrauen ausgesprochen, geht weit über den tatsächlichen Sachverhalt hinaus und trifft für meine Person so nicht zu.

Im Kreistag in der vergangenen Woche haben Sie die Vermutung geäußert, dass das Defizit bis Ende 2012 gar 2,5 bis drei Millionen Euro betragen könnte. Gibt es hierfür Anhaltspunkte, können Sie diese Aussage untermauern?

Dazu gibt es eine Berechnung des externen Wirtschaftsprüfers Price Waterhouse Coopers, der genau diese Zahlen dem Aufsichtsrat in seiner Risikoberechnung vorgelegt hat. Es ist davon auszugehen, dass zumindest ein Teil dieser Risiken bis Ende 2012 zutreffen werden.

Interview: Ellen Paul