20.12.2010 | OVZ

Wohin mit dem Schnee?

Altenburg (E.P.). Meterhoch türmen sich die Schneeberge in der Skatstadt. Sie machen die Anlieferung von Geschäften schwierig sowie in kleineren Straßen die Müllentsorgung unmöglich. Doch das Ansinnen, den Schnee aus der Stadt zu schaffen, hat OB Michael Wolf (SPD) als unbezahlbar zurückgewiesen.

Wohin mit all dem Schnee?

Altenburgs Oberbürgermeister lehnt einen Abtransport aus Kostengründen ab

Altenburg. Meterhoch türmen sich mittlerweile die Schneeberge in der Skatstadt. Sie machen vor allem die Anlieferung von Geschäften schwierig sowie in kleineren Straßen die Müllentsorgung unmöglich (OVZ berichtete). Doch das Ansinnen vieler Bürger und Geschäftsleute, den Schnee aus der Stadt zu schaffen, hat Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) zurückgewiesen. Dies sei unbezahlbar und keine Pflichtaufgabe.

Nach einer Möglichkeit, die Schneeberge abzutragen und die weiße Pracht aus der Stadt hinauszutransportieren, hatte sich konkret der FDP-Abgeordnete Detlef Zschiegner auf der jüngsten Sitzung des Altenburger Stadtrats am vergangenen Donnerstag erkundigt. Zwar würden die Anlieger beispielsweise in der Baderei die Fußwege regelmäßig säubern, so der stadtbekannte Geschäftsmann, doch auf den Straßen sei inzwischen kein Durchkommen mehr.

“Wir haben in der Tat Winter, was nichts Besonderes sein sollte”, konterte der Oberbürgermeister. Durch die zugegebenermaßen sehr starken Schneefälle und -verwehungen in den zurückliegenden Wochen sei der Winterdienst seit dem 24. November quasi im Dauereinsatz. “Und das täglich von 4 bis 21 Uhr, bei extremen Witterungsbedingungen sogar noch länger”, so Michael Wolf. 22 Mitarbeiter und 13 Fahrzeuge hätten insgesamt 230 Kilometer Strecke zu beräumen. Hinzu kommen 114 Bushaltestellen, eine Vielzahl von Gehwegen und Fußgängerüberwegen. “Es sind Mann und Maus im Einsatz. Doch damit ist die Leistungsgrenze der Stadt erreicht.”

Ziel sei es, die Passierbarkeit von Straßen und Wegen in einem angemessenen Zeitraum zu gewährleisten. Mit Streugut müsse die Stadt derzeit allerdings etwas haushalten, bekannte der OB. Das sowohl aus Umweltschutz- als auch Kostengründen. Von den 600 Tonnen Streusalz, die die Stadt eingelagert habe, seien zum gegenwärtigen Zeitpunkt bereits 400 Tonnen verbraucht. Alles, was jetzt zusätzlich gekauft werden müsse, sei doppelt so teuer. Es werde also mehr als sonst nur geschoben statt gelaugt.

“So entsteht an den Straßen also automatisch ein Schneewall”, erläutert der OB. “Wir können daher nur an alle Anlieger appellieren, den Schnee nicht auf die Fahrbahn zu werfen.” Es werde zwar versucht, in den Straßen eine LKW-Breite aufrecht zu erhalten, doch angesichts der vielen parkenden Autos sei das manchmal schwierig. “Es ist einfach undenkbar, die ganze Stadt schneefrei zu beräumen”, so Wolf. Dies würde immense Kosten verursachen, unter anderem müssten dazu neue Leute eingestellt werden. “So etwas ist außerdem keine Pflichtaufgabe der Stadt”, sagte der Oberbürgermeister abschließend.

Diese Haltung ist für die zuständige Müll-Entsorgungsfirma Remondis “sehr enttäuschend”, wie Einsatzleiter Mirko Seltmann in der Vorwoche erklärte. Deshalb soll heute auf einer Krisensitzung beraten werden, wie in Altenburg ein drohender Müllnotstand verhindert werden kann (OVZ berichtete).
Gegenüber dieser Zeitung hatte der Oberbürgermeister noch am Donnerstag auf Anfrage erklärt, dass es in der Skatstadt keines Krisenstabes bedürfe. “Wir klären alle Probleme operativ.”

Ellen Paul

Kommentar

… auch wenn's Geld kostet

Von Ellen Paul

Richtig, wir haben Winter. Seit Wochen schon. Und was für einen! Es dürfte mittlerweile also auch der letzte Gerne-an-allem-Nörgler eingesehen haben, dass man Abstriche machen muss. Da fällt mal ein Bus aus, da kommt ein Zug zu spät, da gleicht das Laufen durch die Stadt einem Hindernisparcours. Solange nicht Heizung und Strom ausfallen wie im Horrorwinter 1978/79 scheint alles noch irgendwie verkraftbar.

Und dennoch. Das alles kam nicht von ungefähr, sondern mit Ansage. Die Meteorologen hatten ziemlich unisono einen langen und strengen Winter angekündigt. Außerdem gab es vor knapp einem Jahr die Generalprobe, aus der man hätte Lehren ziehen können. Insofern ist es völlig unverständlich, warum keine Notfallpläne in der Schublade liegen, falls die Müllentsorgung in Schwierigkeiten kommt. Warum man solange wartet, bis man zu einer Krisensitzung zusammenfindet.

Wenn es mit dem Schnee so weiter geht, wird auch der Stadt Altenburg wohl nichts anders übrig bleiben, als zumindest an kritischen Stellen die Berge abzutragen. Schmölln und so manche kleine Gemeinde macht es ja bereits vor. Auch wenn's Geld kostet.

Aber vielleicht sprudelt ja dafür ebenso eine Geldquelle, wie sie sich fürs Theater offensichtlich auftut, wie sie sich früher auch für Prinzenraub oder Deutschlandtour im Notfall jederzeit aufgetan hat.

Mag sein, dass es laut Gesetz keine Pflichtaufgabe ist, den Schnee aus der Stadt zu räumen. Aber es ist die verdammte Pflicht der Stadtväter, die Sorgen ihrer Bürger ernst zu nehmen.