27.12.2010 | OTZ

Naturschützer fühlen sich bei Löbichauer Schloss-Neubau übergangen

Übergangen fühlen sich Mitglieder des Naturschutzbundes (Nabu) aus der Schmöllner Region beim Neubau des Löbichauer Schlosses. Hier sollen nämlich keine Nistkästen für Fledermäuse und Waldkauz angebracht werden, beklagten sie gegenüber unserer Zeitung.

Löbichau. Dabei gab es im alten Schloss, das als Altenpflegeheim genutzt wurde, unübersehbare Beweise, dass hier Kauz und Fledermaus jahrzehntelang wohnten.

Vor über zwei Jahren hatte alles so vorbildlich angefangen, berichtete Torsten Pröhl vom Nabu. Er und Mitarbeiter des Umweltamtes hatten den Dachboden des alten Schlosses inspiziert und anhand der auf dem Dachboden vorhandenen Exkremente im Protokoll verankert, dass Ausgleichsmaßnahmen für Fledermaus und Waldkauz vorzunehmen sind. Laut Pröhl war der Kot der Tiere auf dem Dachboden zentnerweise zu finden. “Provisorisch wurden Nistkästen an Bäume des Parks, der sich unmittelbar am Altenheim anschließt, angebracht”, so Torsten Pröhls Version. So konnten den fliegenden Dachbodenbewohnern beim Abriss des Schlosses bereits Unterschlupfmöglichkeiten angeboten werden.

Empört zeigte er sich, dass nun am fast fertiggestellten neuen Altenpflegeheim, das an selber Stelle entstanden ist, nun keine Nistkästen angebracht werden sollen. Eine Anfrage im Umweltamt vor wenigen Wochen durch Nico Kieshauer, ebenfalls Nabu, hatte diese Aussage zutage gefördert und die Naturschützer auf die Palme gebracht. “Da hätten wir uns den halben Tag Begehung des Dachbodens sparen können, wenn nun nichts geschieht”, entrüstete sich Torsten Pröhl jüngst.

Die Anfrage im Umweltamt blieb daraufhin erst einmal unbeantwortet, wegen Krankheit. Zwischenzeitlich gab es eine Rückkopplung zwischen Umweltamtschefin Birgit Seiler und dem Löbichauer Bürgermeister Rolf Hermann (FDP). Im Januar soll mit der Leiterin der Schmöllner Heimbetriebsgesellschaft, Gabriele Matzulla, abgestimmt werden, wo weitere Nistkästen angebracht werden. Ein amtlicher Bescheid, weitere Nistkästen anzubringen, ist an Frau Matzulla bereits ergangen, erklärte Seiler. Fest steht allerdings, dass die Unterschlupfe nicht am neuen Gebäude, sondern an einem in unmittelbarer Nähe stehenden befestigt werden sollen, informierte Birgit Seiler.

“Noch nie gab es eine Baumaßnahme, bei der vor dem Abriss schon Nistkästen als Ersatzquartier für die Tiere angebracht wurden”, erklärte die Umweltamtschefin. In der Regel erfolge der Abriss und erst zwei, drei Jahre später würden die Nistkästen am Neubau angebracht. Zehn Kästen für Fledermäuse und ein Quartier für den Waldkauz wurden bereits im Park geschaffen, bevor der Abriss erfolgte, fuhr Birgit Seiler fort, und nicht als Provisorium, sondern als Teil der Maßnahme. Außerdem wurde im sogenannten Erdkeller des Parks auch ein Unterschlupf für Fledermäuse für den Winter geschaffen, ergänzte sie. Ob die Nutzer des alten Dachbodens die neuen Domizile überhaupt annehmen, könne keiner sagen, weder das Umweltamt, noch der Nabu, erklärte Seiler. Ihrer Ansicht nach suchen sich Fledermaus und Waldkauz doch nur Dachböden aus, weil das natürliche Angebot für diese Spezies, wie hohle Baumstämme, in der freien Natur einfach fehlt.

Die Nistkästen sind nur ein Ersatzangebot. Es sei schließlich egal, ob die Kästen am neuen Giebel des Altenheimes oder wenige Meter entfernt angebracht werden, erklärte Birgit Seiler. Wichtig sei doch, dass durch den Wegfall des Dachbodens eine Alternative angeboten wurde. Ob die überhaupt angenommen wird, müsse abgewartet werden, sagte die Umweltamtschefin abschließend.

Ulrike Grötsch