30.12.2010 | OVZ

Sorgen um Kauz & Co.

Naturschützer kritisieren Löbichauer Schloss-Neubau / Behörde widerspricht

Löbichau (ulg/epe). Übergangen fühlen sich Mitglieder des Naturschutzbundes aus der Schmöllner Region beim Neubau des Löbichauer Schlosses. Sie beklagen, dass hier keine Nistkästen für Fledermäuse und Waldkäuze angebracht werden sollen. Laut Naturschutzbehörde wurde dort jedoch zusammen mit der Gemeinde Löbichau schon mehr für den Artenschutz getan, als anderswo. Zusätzlich sind Nistkästen an Gebäuden in mittelbarer Nähe des Neubaus vorgesehen.

Vor über zwei Jahren hatte alles vorbildlich begonnen, erinnert sich Naturschützer Torsten Pröhl aus Kummer. Im alten Schloss, das als Altenpflegeheim genutzt wurde, habe es unübersehbare Beweise dafür gegeben, dass Kauz und Fledermaus dort jahrzehntelang ihre Quartiere hatten. Torsten Pröhl und Mitarbeiter der unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes hatten den Dachboden des alten Schlosses inspiziert und dies anhand der Exkremente festgestellt. Laut Pröhl war der Kot der Tiere zentnerweise gefunden worden. In einem Protokoll wurden damals Ausgleichsmaßnahmen festgelegt.

“Provisorisch wurden Nistkästen an Bäumen des Parks angebracht, der sich unmittelbar am Altenheim anschließt”, so Torsten Pröhl. So waren den Tieren beim Abriss des Schlosses bereits Unterschlupfmöglichkeiten angeboten worden. Empört ist der Naturschützer jedoch darüber, dass nun, am fast fertiggestellten neuen Altenpflegeheim, keine Nistkästen angebracht werden sollen. Eine Anfrage im Umweltamt hatte dies ergeben und die Naturschützer auf die Palme gebracht. “Da hätten wir uns den halben Tag Begehung des Dachbodens sparen können, wenn nun nichts geschieht”, entrüstet sich Torsten Pröhl.

Fachdienstleiterin Birgit Seiler weist die Vorwürfe zurück. Noch vor Abriss des alten Schlosses sei mit der Leiterin der Schmöllner Heimbetriebsgesellschaft, Gabriele Matzulla, vereinbart worden, dass zusätzlich zu den Kästen im Schlosspark weitere Nistkästen vorgesehen sind. Fest stehe allerdings, dass diese nicht am neuen Gebäude, sondern an Häusern in unmittelbarer Nähe befestigt werden. Schon im Januar soll entschieden werden, wo weitere Kästen angebracht werden.

“Noch nie gab es eine Baumaßnahme, bei der vor dem Abriss schon Nistkästen als Ersatzquartier für die Tiere angebracht wurden”, betont Birgit Seiler. In der Regel erfolge der Abriss, und erst zwei, drei Jahre später würden die Nistkästen am Neubau angebracht.

Zehn Kästen für Fledermäuse und ein Quartier für den Waldkauz wurden bereits im Park geschaffen. Nicht als Provisorium, sondern als Teil der Artenschutz-Maßnahme, widerspricht die Umweltamtschefin. Geplant seien weitere Unterschlupfmöglichkeiten für Mauersegler.

Inzwischen gab es auch Kontakte mit dem Löbichauer Bürgermeister Rolf Hermann (FDP). Die Gemeinde Löbichau, die sich aus Sicht der Naturschutzbehörde sehr für den Artenschutz einsetzt, hat im sogenannten Erdkeller des Parks bereits ein Winterquartier für Fledermäuse geschaffen.

Ob und wie die Nutzer des Dachbodens im alten Schloss die neuen Domizile annehmen werden, könne niemand voraussagen, weder das Umweltamt noch die Vertreter des Naturschutzbundes, gibt Birgit Seiler zu bedenken. Da müsse man abwarten.

Ihrer Ansicht nach suchen sich Fledermäuse und Waldkäuze Dachböden nur aus, weil natürliche Angebote, wie hohle Baumstämme, in der freien Natur fehlen würden. Die Nistkästen wären nur ein Ersatzangebot. Da sei es am Ende egal, ob sich die Kästen am Giebel des neuen Pflegeheimes oder wenige Meter entfernt befinden würden. Wichtig sei doch, dass nach dem Wegfall des Dachbodens im alten Schloss Alternativen angeboten werden.

Standpunkt

Überflüssiger Streit um Artenschutz

Von Edeltraud Peschel

Das Altenburger Land gilt als fledermausfreundlich. Etliche entsprechende Plaketten wurden bereits an Kommunen und Hausbesitzer verteilt. Artenschutztürme oder -zentren wie in Schmölln oder Nobitz sind ebenfalls Zeichen für den sensiblen Umgang mit gefährdeten Arten. Selbstverständlich ist er noch längst nicht.

Umso erfreulicher ist, dass vor dem Abriss des alten Schlosses in Löbichau und dem Neubau des Altenpflegeheims an gleicher Stelle rechtzeitig auf den Verlust von Quartieren von Fledermäusen und Waldkäuzen aufmerksam gemacht und neue Unterschlupfmöglichkeiten geschaffen wurden.

Ein Streit, ob Nistkästen im Schlosspark nur ein Provisorium sind oder nicht, ist dabei überflüssig. Ebenso der Ärger darüber, dass Nistkästen nicht unmittelbar am neuen Gebäude angebracht werden – was allein schon aus hygienischen Gründen einleuchtet. Wichtig ist, dass überhaupt Alternativen angeboten werden.