10.01.2007 | OVZ

Neues Rathaus für Altenburg

Altenburg (E.P.). Die Katze ist aus dem Sack. Informationen dieser Zeitung zufolge bedeutet die von Altenburgs Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) kürzlich angekündigte “Konzentration der Stadtverwaltung in Größenordnungen” den Neubau eines Rathauses auf dem Areal zwischen Klostergasse und Brüderkirche. Wo CDU-Amtsvorgänger Johannes Ungvari vor zehn Jahren noch das “Kaufhaus Topfmarkt” emporwachsen sah, soll schon ab 2008 ein Gebäudekomplex entstehen, der sowohl Platz für die Stadtverwaltung bietet als auch für Wohnungen und im Erdgeschoss für Geschäfte. Die Verhandlungen mit einem Investor aus Bayreuth, der den Komplex bauen und dann unter anderem an die Stadt Altenburg vermieten will, sind offenbar schon weit fortgeschritten. Auch Interessenten für die Läden gebe es bereits. Der Rathaus-Chef will das Projekt wahrscheinlich übermorgen zum Neujahrsempfang erstmals offiziell verkünden.

Kommentar

Quantensprung

VON ELLEN PAUL

Wenn Träume diesmal keine Schäume sind, wenn sie nicht zerplatzen wie bunt schillernde Seifenblasen, wenn also das neue Rathaus wirklich gebaut würde, dann, ja dann vollzöge Altenburg einen Quantensprung. Seit mehr als vier Jahrhunderten nämlich werden in dem 1562 bis 1564 erbauten Rathaus, einem der schönsten Rennaissancebauten seiner Art in Deutschland, die Geschicke der Stadt gelenkt. Selbst wenn der Oberbürgermeister in seinen repräsentativen Ratsräumen bliebe und natürlich auch der Stadtrat noch im großen Saal tagen würde, so verlöre das Gebäude dennoch seine Bedeutung als Verwaltungszentrale.

Ob man dem allerdings nachtrauern muss, ist fraglich. Denn eine über 15 Gebäude verstreute Stadtverwaltung ist für die Bürger eine Zumutung. Dabei ist noch nicht einmal berücksichtigt, dass die wenigsten Gebäude – vor allem das Rathaus selbst, aber auch der Kunstturm oder das Baudezernat in der Neustadt – senioren- und behindertenfreundlich ausgestattet und zu erreichen sind. Außerdem würde der Schandfleck vor der Brüderkirche endlich verschwinden und das innerstädtische Areal einer sinnvollen Nutzung zugeführt. Nun muss der Oberbürgermeister nur noch beweisen, dass die Mieten im neuen Verwaltungsgebäude nicht teurer sind als in den derzeit genutzten Häusern – dann gäbe es kaum noch Argumente gegen das Vorhaben.

Freuen darüber dürfte sich vor allem die FDP. Hatte sie 2004 doch in ihr Kommunalwahlprogramm “den Neubau eines zentralen Verwaltungsgebäudes am oberen Topfmarkt” geschrieben. Das alte Rathaus sollte dann nur noch für touristische und repräsentative Zwecke genutzt werden, lautete der damals allseits milde belächelte Vorschlag der Liberalen …