10.01.2011 | OTZ

Lokalpolitik geteilter Meinung zum Rückzug Ryanairs aus Altenburg

Erleichterung und Betroffenheit unter den Lokalpolitikern über den Rückzug der Billigfluglinie Ryanair vom Flugplatz Altenburg -Nobitz. Kritik gibt es an Altenburgs Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD). Die Bürgerinitiative will für die Zukunft des Altenburger Landes weiterkämpfen.

Nobitz. “Nun wird der finanzielle Wahnsinn hoffentlich ein Ende nehmen und die jährlichen Zuschüsse nicht mehr zur Finanzierung einer ausländischen Airline eingesetzt, sondern für dringend notwendige Investitionen im Landkreis.” So kommentiert Karsten Schalla (FDP), Kreistagsmitglied und Beigeordneter des Landrates, den Rückzug von Ryanair ab März aus dem Altenburger Land. Für ihn und die liberale Kreistagsfraktion sei der Weggang des Billig-Fliegers lediglich eine Frage der Zeit gewesen, sagte Schalla auf OTZ-Anfrage. Weshalb die FDP im Kreistag schon seit Monaten fordere, die Bezuschussung des Flugplatzes aus dem Kreisetat einzustellen. Wie es mit dem Flugplatz weitergehe, darüber müsse nun der Aufsichtsrat beraten. “Aus meiner Sicht steht einem Fortbestand als Verkehrslandeplatz nichts im Weg”, so Karsten Schalla.

Anders sehen das Die Regionalen im Kreistag. “Den Flugplatz abzuwickeln, wäre aus meiner Sicht konsequent”, sagte Peter Bugar im OTZ-Gespräch. Er sei jedoch sehr traurig über den Rückzug von Ryanair. Zum einen, weil sehr viel Geld in den Airport geflossen sei. Zum anderen, weil sich die gesamte Region von Altenburg-Nobitz Arbeitsplätze und Gewerbeansiedlungen erhofft habe. “Der Flugplatz war ein Hoffnungsschimmer”, so Peter Bugar. Indes kreidet er den Landtagsabgeordneten aus dem Altenburger Land an, sich im Kampf um den Erhalt des Flugplatzes in Erfurt nicht durchgesetzt und keine Mehrheiten geschaffen zu haben. “Als Wähler überlege ich mir jetzt, für wen ich bei der nächsten Landtagswahl stimme.”

“Es ist bedauerlich, dass mit dem Rückzug von Ryanair die Zukunft des Flugplatzes in erheblicher Gefahr steht”, so Sven Schrade , SPD-Ortsvereinschef und Chef dieser Fraktion im Stadtrat Schmölln. Nun müsse man überlegen, wie das Betriebskonzept für Altenburg-Nobitz zukünftig aussehen könne. “Ich bin sehr dafür, den Flugbetrieb auf dem Platz aufrecht zu erhalten. Sonst wäre die Förderung von Investitionen auf dem Flugplatz in Höhe von etwa 17 Millionen Euro sprichwörtlich herausgeworfenes Geld und der Platz eine Investruine.” Was die Unterstützung des Landes anbelangt, hätte sich Schrade gewünscht, dass sich der Verkehrsminister an die Beschlüsse der Vorgängerregierung gehalten hätte, die sich darin eindeutig zum Leipzig-Altenburg-Airport bekannte.

Die CDU-Stadtratsfraktion in Altenburg, deren Chef Peter Müller sich vehement für den Airport ausgesprochen hatte in jüngster Vergangenheit, macht in Altenburgs SPD-Oberbürgermeister Michael Wolf einen Verantwortlichen für die jetzige Situation aus. Seit der vor einem Jahr ohne Zustimmung des Stadtrates die Flugplatz-Geschäftsanteile kündigte, sei ein beispielloser öffentlicher Kampf ausgebrochen, heißt es in einer Erklärung der Christdemokraten. Die Spaltung der Flugplatzgesellschaft habe als klar negatives Zeichen in Richtung Erfurt gewirkt. “Der Flughafen als regionales Wirtschaftsunternehmen ist durch das engstirnige Handeln des Oberhauptes der Stadt Altenburg endgültig erledigt”, zürnt die CDU-Stadtratsfraktion.

Für Helge Klein, Sprecher der Bürgerinitiative “Zukunft für das Altenburger Land?” ist die jetzige Situation Ansporn zum Weitermachen: “Das Ergebnis zeigt doch, dass wir im Wettstreit der Regionen stehen und uns niemand etwas schenkt”, sagte Helge Klein. Das Altenburger Land müsse jetzt darum kämpfen, dass die Ziele des Regionalen Raumordnungsplanes Ostthüringen umgesetzt würden: “Und die heißen Ausbau B 93, Anbindung an die A 72, Ansiedlung von Industrie, der Bau einer Justizvollzugsanstalt und nicht zuletzt die Förderung des Flugplatzes in Altenburg-Nobitz.”

Jana Borath