12.01.2011 | OVZ

Bedauerlich, vorhersehbar - aber nicht unvermeidlich

Politiker im Altenburger Land bewerten den Ryanair-Rückzug, seine Gründe und Auswirkungen unterschiedlich

Altenburg. Der angekündigte Rückzug der Billigfluglinie Ryanair vom Flugplatz in Nobitz ist von führenden Kommunalpolitikern des Altenburger Landes, bis auf die Grünen, mit Bedauern aufgenommen worden. Die Gründe dafür werden allerdings unterschiedlich bewertet.

“Ryanair war ein absolutes Alleinstellungsmerkmal für unsere Region”, zeigt sich CDU-Kreisvorsitzender Uwe Melzer enttäuscht. Es sei eine Chance gewesen, von der der Kreis nicht sehr viele habe. Dafür könne aber nicht Erfurt verantwortlich gemacht werden. Man hätte anders mit der Landesregierung umgehen müssen, die Angriffe waren kontraproduktiv. Der Rückzug dürfe jedoch nicht das Aus für den Flugplatz bedeuten. Nun müssten andere Gesellschaften für den Platz interessiert werden, fordert Melzer.

Die ständig steigenden Forderungen von Ryanair seien zum Schluss einfach nicht mehr bezahlbar gewesen, sieht SPD-Kreischef Hartmut Schubert den Hauptgrund. Daher stelle sich für ihn nicht die Frage nach der Verantwortung. Das Konzept des Billigfliegers habe für eine finanziell schwache Region nicht gepasst. Noch länger habe man sich von den Iren auch nicht ausnutzen lassen können und wollen, so Schubert.

Das Altenburger Land wurde um eine Chance beraubt”, sieht Frank Tempel, Kreisvorsitzender der Linkspartei, die Hauptschuld bei der Landesregierung, die den Kreis im Stich gelassen habe. Bei einem ähnlichem Engagement wie in Sachsen-Anhalt für Cochstedt “wäre auch für uns mehr möglich gewesen”. Das Low-Cost-Geschäft als Wirtschaftsfaktor sei damit verschwunden. Damit stünden auch eine Menge Jobs auf dem Spiel. Daher müsse zügig ein Konzept erarbeitet werden, ob und wie der Flugplatz auch ohne Ryanair weiterbetrieben werden könne, fordert Tempel.

Dass Ryanair aussteigt, war nur eine Frage der Zeit, erklärt FDP-Kreistagsfraktionschef Karsten Schalla. “Denn wer nicht nach deren Pfeife tanzt, fällt hinten runter.” Die Liberalen hätten ständig darauf gedrungen, dass der Kreis sich diese finanzielle Belastung nicht länger zumutet. Denn die geforderten Zuschüsse waren allein nicht zu stemmen.

Die Landesregierung trägt für Klaus -Peter Liefländer die größte Schuld am Rückzug des Billigfliegers. Der Kreistagsfraktionschef der Regionalen sieht daher einen Zusammenhang zum Flugplatz in Cochstedt. Im Gegensatz zur Landesregierung von Sachsen-Anhalt habe die von Thüringen kein klares Bekenntnis zu Ryanair als Wirtschaftsfaktor abgegeben. Das sei sehr bedauerlich, da sowohl Flugplatz als auch Linienbetrieb enorme Wirtschaftsfaktoren für eine Region gewesen seien, die nötig gewesen wären, um das Altenburger Land weiter zukunftsfähig zu gestalten, sagt Liefländer.

“Immerhin besteht jetzt endlich Klarheit”, ringt Grünen-Kreischef Ingo Prehl dem Weggang einen positiven Fakt ab. Erfurt dafür den Schwarzen Peter zuzuschieben, sei zu wenig, obwohl Sachsen-Anhalt für bessere Rahmenbedingungen gesorgt habe. Prehl bedauert den Rückzug von Ryanair nicht, eher, dass sehr viel Geld und Zeit in das Projekt investiert wurde.

Jens Rosenkranz