29.01.2011 | OVZ

“Kreis würde sich wie Zucker im Kaffee auflösen”

CDU kritisiert Landrat wegen Abwanderungsgedanken nach Sachsen / Auch FDP gegen Drohgebärden

Altenburg. Scharfe Kritik am Vorstoß von Landrat Sieghardt Rydzewski, der einen Wechsel des Altenburger Landes nach Sachsen in Erwägung zieht, haben die CDU-Landtagsabgeordneten Christian Gumprecht und Fritz Schröter geäußert. “Das Altenburger Land ist ein prägender Teil Thüringens, zu dem sich das Land in Wort und Tat seit zwei Jahrzehnten bekennt”, heißt es in einer gemeinsamen Presseerklärung der Unions-Politiker. Sie forderten Rydzewski auf, “seiner Verantwortung für die weitere Entwicklung des Landkreises gerecht zu werden, statt mit dem Finger nach Erfurt zu zeigen und die Bevölkerung zu spalten”.

Die beiden Abgeordneten verwiesen auf die “Wachstumsinitiative Altenburger Land” als jüngste Unterstützung des Landes für seinen östlichsten Landkreis. Sie stehe keineswegs für sich allein, sondern knüpfe an hohe und kontinuierliche Investitionen des Freistaats in das Altenburger Land an. “In die Städtebauförderung, die Wohnungsbauförderung, die Verkehrsinfrastruktur und die Sportstätten habe das Land zum Teil weit überdurchschnittlich viel investiert”, heißt es. Für Schröter und Gumprecht ist es absolut unverständlich, wie ein Landrat derart die Fakten ausblenden und Bürgerinnen und Bürgern eine Alternative vor Augen stellen könne, deren vermeintliche Vorzüge ausschließlich auf Einbildung beruhen. Die Vertreter der sächsischen Nachbarkreise hätten dies mit der gebotenen Höflichkeit auch zum Ausdruck gebracht. Allein ein Blick auf die Zuweisungen an die Kommunen sei aufschlussreich. “Das Altenburger Land würde sich zwischen Leipzig und Chemnitz als regionale Größe auflösen wie ein Stück Zucker im Kaffee”, so die Abgeordneten. In Sachsen würde sich das Altenburger Land außerdem geografisch wieder in einer Randlage befinden. Der Vorstoß von Rydzewski mute heute, in einer Zeit des Zusammenwachsens der Regionen in Europa, wie ein Rückfall in engstirnige Denkmuster an. Den Bürgern einen Länderwechsel vorzuschlagen, sei reiner Populismus. Mit dem Vorschlag, einfach das Bundesland zu wechseln und damit auf einen Aufschwung zu hoffen, disqualifiziere sich der Landrat, so die CDU-Politiker.

“Ein Wechsel von Altenburg ins benachbarte Sachsen steht nicht ernsthaft zur Diskussion”, hat sich auch der verkehrspolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Heinz Untermann, kritisch mit Rydzewskis Äußerungen auseinandergesetzt und zur “verbalen Abrüstung” aufgerufen. Bei allem Verständnis für die Verärgerung der Kommunalpolitiker seien solche Drohgebärden nicht hilfreich, heißt es in einer Presseerklärung Untermanns. Das Altenburger Land würde auch in Sachsen eine Randlage einnehmen, und ein Flugplatz Altenburg-Nobitz im Schatten des Leipziger Flughafens hätte von Beginn an wohl keine Chance auf Duldung gehabt, so der liberale Verkehrspolitiker. Dennoch gelte es für die Thüringer Landespolitik, die Rahmenbedingungen für die Region zu verbessern und die regionale Identität zu stärken.