29.01.2011 | OVZ

Geht das Sprottental zur Nachbar-VG?

Gemeinden denken über Wechsel zum Altenburger Land nach

Mehna/Nöbdenitz. Das Thema Gebietsreform beschäftigt die Bürgermeister in den Gemeinden der Verwaltungsgemeinschaften (VG) Oberes Sprottental und Altenburger Land schon länger. Neue Nahrung erhielt die Diskkussion mit dem Vorstoß der Sprottentaler in Richtung Altenburger Land. Gemeinsam hätte die neue Verwaltung dann fast 10.000 Einwohner. Doch erst müssen sich die Bürgermeister aller Gemeinden auf beiden Seiten für einen solchen Schritt aussprechen.

Die VG Oberes Sprottental hat derzeit noch rund 4420 Einwohner. Gefordert wird in Zukunft aber voraussichtlich eine Mindestgröße von 5000 Einwohnern. “Da muss es doch legitim sein, über die Zukunft der VG und mögliche Alternativen nachzudenken”, sagt deren Chefin Manuela Barth. Und so habe es in der Gemeinschaftsversammlung auch die Überlegung gegeben, Kontakt zur VG Altenburger Land aufzunehmen. “Das wäre doch eine Option. Am Ende liegt die Entscheidung aber einzig und allein bei den Bürgermeistern”, betont Manuela Barth.

In diesem Sinne gab es dann auch erste Gespräche zwischen den beiden Vorsitzenden der Verwaltung. Sören Huppert von der VG Altenburger Land bestätigte gestern: “Frau Barth hat angefragt, ob so ein Zusammengehen überhaupt möglich sei. Wir werden keiner Gemeinde, die zu uns kommen will, die Tür vor der Nase zuschlagen, denn neue Mitglieder nützen uns ja auch”, so Huppert.

Deshalb habe er auch in der Dienstberatung seine Bürgermeister über den Wunsch der Sprottentaler informiert, wenngleich er momentan noch keinen Grund zu übereiltem Handeln sehe. Die VG Altenburger Land steht mit rund 5600 Einwohnern und neun Mitgliedsgemeinden noch recht gut da.

Allerdings sind auch hier die Gemeinden verunsichert angesichts noch laufenden Debatten im Thüringer Landtag und der ausstehenden Entscheidung. “Niemand weiß, wohin die Reise geht. Aber das wäre doch ein Schritt in die richtige Richtung. Denn wir wollen gern ländlich bleiben”, kommentierte Göhrens Bürgermeister Roberto Bauer (Feuerwehr) den Wunsch der Sprottentaler. Ihre Selbstständigkeit könnten nach seiner Meinung kleine Gemeinden wie Göhren am ehesten in einer VG sichern. Lumpzigs Bürgermeister Torsten Hiller (parteilos) ist dagegen skeptisch, wenn er sich das riesige Gebilde vorstellt, dass dann entstehen würde. Das sei doch verwaltungstechnisch ganz schlecht zu händeln, gibt er zu bedenken. Außerdem sieht er Gemeinsamkeiten höchstens mit Lumpziger Nachbargemeinden wie Wildenbörten. Deren Bürgermeister Gerhard Fischer (parteilos) hatte sich im vergangenen Jahr zwar klar zur VG Sprottental bekannt, damit Wildenbörten eigenständig bleiben kann. Doch auch er hatte eingeräumt, sollte der Gesetzgeber auf einer Mindestgröße von 5000 Einwohnern beharren, wäre der Beitritt zum Altenburger Land eine Option (OVZ berichtete). Dann würden auch die Wünsche der Gemeinde Löbichau in Erfüllung gehen. Auch deren Bürgermeister Rolf Hermann (FDP) hat sich bereits für einen Wechsel ausgesprochen.

Edeltraud Peschel

Hintergrund

Zur VG Altenburger Land gehören die Gemeinden: Altkirchen, Dobitschen, Drogen, Göllnitz, Lumpzig, Mehna, Göhren, Großröda, Starkenberg.

Zur VG Oberes Sprottental gehören die Gemeinden: Heukewalde, Jonaswalde, Löbichau, Nöbdenitz, Posterstein, Thonhausen, Vollmershain, Wildenbörten.

Standpunkt

Mehr als ein Sandkastenspiel

Von Edeltraud Peschel

Wie lange kann man als Gemeinde die Eigenständigkeit bewahren? Oder sollte man sich doch einen größeren Partner suchen? Solche Fragen beschäftigt die Kommunen des Landkreises nicht erst seit heute. Geschürt wird das Ganze durch die Debatten in Erfurt um die Gemeindegebietsreform. Dass diese kommt, ist unstrittig. Doch ungewiss ist, wann, und erst recht, ob die Verwaltungsgemeinschaften Bestand haben werden.

Auf Entscheidungen von Oben zu warten, wäre dennoch der falsche Weg, weil man die eigene Kompetenz einbüßt. Die aber wollen sich die Gemeinden im Sprottental nicht nehmen lassen. Deshalb ist ihr Nachdenken über ein Zusammengehen mit der Nachbar-VG mehr als ein Sandkastenspiel. Selbst wenn nicht alle Gemeinden mitgehen, denn jede Kommune muss für sich entscheiden, der Weg wäre dann auch für jene frei, die die VG verlassen wollen und sich anders orientieren möchten.