29.01.2011 | OVZ

Theaterkrise

FDP warnt vor weiterer Verschwendung

Altenburg. “Natürlich freuen sich auch die Liberalen, wenn unser Theater weltweite Beachtung in den Feuilletons renommierter Zeitungen findet. Die Frage ist nur, zu welchem Preis?”, erklärt der FDP-Ortsvorsitzende Detlef Zschiegner in einer gestern verbreiteten Presseerklärung. Der Stadtrat spielt damit auf die Äußerungen des Geraer Oberbürgermeisters im OVZ-Interview an, der beharrlich am derzeitigen Intendanten Matthias Oldag festhalten will.

“Für das Theater selbst”, so Zschiegner, “zahlt sich zum Beispiel ein positives Medienecho in New York nicht in barer Münze aus. Einzig Professor Oldag erhöht mit den aufwendigen Inszenierungen seinen Marktwert. Ein Blick auf seine, durchaus anspruchsvolle, Homepage zeigt deutlich, dass er ein Meister der Selbstinszenierung ist. Böse Zungen würden behaupten, er bastele auf Kosten des Steuerzahlers vor allem eifrig an seiner eigenen Karriere.”

Besonders deutlich werde dies für den Liberalen an der aktuellen Neuinszenierung der Oper Ulenspiegel, die gestern Abend in Gera Premiere hatte. “Bei allem Respekt vor dem Bemühen, vergessene Opern des 20. Jahrhunderts neu zu inszenieren: Muss dazu ein Tenor aus Kanada verpflichtet werden? Und auch wenn es der Enkel des Komponisten Walter Braunfels ist: Muss es ein Stararchitekt sein, der für das Bühnenbild verantwortlich zeichnet?”, fragt der Altenburger FDP-Politiker. Dies insbesondere vor dem Hintergrund, dass das Theater zuletzt vor allem durch seine desaströse finanzielle Situation immer wieder von sich reden macht. “Kaum dass der finanzielle Kollaps mit Steuermitteln zumindest fürs erste abgewendet ist, schon geht die Geldverschwendung munter weiter, gerade so, als wäre nichts geschehen”, moniert der Liberale. Auf der einen Seite würden ebenso vielseitige wie erfahrene und vor allem beliebte Mitglieder des Ensembles, wie zum Beispiel Katrin Strocka, abserviert, auf der anderen Seite stiegen die Ausgaben für vermeintliche Gaststars immer weiter an, empört er sich. Die Geschäftsführung des Theaters müsse endlich wieder Bodenhaftung bekommen. “Theater wird mit Steuergeldern für die Bürgerinnen und Bürger, also für die Steuerzahler gemacht. Nicht zur Beförderung der Karriere eines einzelnen Intendanten. Und schon gar nicht um jeden Preis, sondern im Rahmen der Möglichkeiten. Dies sollten auch der Stadtrat sowie der Kreistag bei der Bewilligung von weiteren Mitteln für das Theater im Hinterkopf behalten.”

Denn die Leidtragenden der Oldagschen Selbstinszenierung sind nach Ansicht von Detlef Zschiegner die Mitglieder des Ensembles sowie die vielen Mitarbeiter, die zwar nicht im Rampenlicht stehen, dafür aber durch ihr persönliches Engagement und ihren Einsatz für “ihr” Theater kämpfen.