01.02.2011 | OVZ

“Zulauf wie lange nicht”

Grüne Woche für Unternehmen aus dem Altenburger Land erfolgreich / Kritik über geteilten Auftritt

Altenburg. Nachdem vorgestern die 76. Internationale Grüne Woche in Berlin zu Ende ging, ziehen die fünf Unternehmen aus dem Altenburger Land ein positives Fazit. Bei der weltgrößten Messe für Ernährung, Landwirtschaft und Gartenbau informierten sich in den 26 Hallen unterm Funkturm über 415 000 Gäste.

Das Altenburger Land präsentierte sich bei der Verbrauchermesse unter dem Motto “Hier ist Thüringen” zum achten Mal. Zusammen mit den Landkreisen Saalfeld-Rudolstadt, Weimarer Land und Greiz warben 20 Unternehmen auf einem 600 Quadratmeter großen Gemeinschaftsstand für die Köstlichkeiten und den Tourismus im Freistaat.

Über probierfreudige Besucher freute sich Olaf Bauer von der Altenburger Brauerei: “Neben unserem Schwarzbier war das Black Lemon sehr beliebt.” Das Angebot weckte auch Interesse bei polnischen und russischen Ausstellern. Trotz des erfolgreichen Auftrittes ist noch ungewiss, ob die Brauerei nächstes Jahr wieder vertreten sein wird. “Das ist neben der Konkurrenz zu größeren Firmen sicherlich auch eine Preisfrage”, meint Bauer.

Geschafft wie begeistert war Carolin Gerth vom Stand der Käserei Altenburger Land: “Die gute Stimmung hat einfach alles getoppt.” Vorurteile gegen Ziegenkäse konnte sie bei vielen ausräumen. “Danach waren viele umso mehr überrascht, wie lecker der doch schmeckt.” Insgesamt verkauften die drei Mitarbeiter 25 000 Fähnchen mit Käsestücken. Für das nächste Jahr ist ein Rezeptbuch geplant, mit dem die Leute mit den Thüringer Käse kochen können.

Am Stand Fremdenverkehrsverband Altenburger Land und Altenburger Tourismus-Information warb Carmen Sperling für das Prinzenraub-Finale in diesem Jahr unter anderem mit Freikarten für die Open-Air-Aufführung, die Interessierte bei einem Gewinnspiel ergattern konnten. “Wir hatten einen Zulauf wie lange nicht mehr”, freute sich die Mitarbeiterin vom Kulturreferat der Stadt Altenburg.

Auch Spielkarten wie Rommé oder Schwarzer Peter wurden am Stand gern gekauft. Neben kulturellen Angeboten machte die Mitarbeiterin der Tourismus-Information Ina Hofmann Besuchern anhand der Radtouren durch das Altenburger Land die Region schmackhaft und freute sich über das Interesse von Reiseunternehmen.

An den drei Ständen wurde oft nach der Altenburger Destillerie und Liqueurfabrik und nach der Senffabrik gefragt.

“Ein gemeinsamer Auftritt wäre schon besser”, sagt Karl Jungbeck, der mit seinem Senfangebot in der Kräuter- und Gewürzhalle zum Schlemmen einlud. “Anstatt gebündelt aufzutreten, bekämpfen sich hier zu viele”, fügte er hinzu. Besucher kamen an seinem Knoblauchsenf und Preiselbeermerettich kaum vorbei. Rund 80 Prozent Neukunden und interessierte Feinkosthändler bekundeten Interesse an seinen Produkten.

In der Länderhalle am Thüringenstand war Caroline Steinhardt von der Altenburger Destillerie und Liqueurfabrik vertreten. “Neben unserem Schwarzgebrannten waren vor allem alkoholfreie Cocktails sehr beliebt”, sagte sie.

Der fehlende Gesamtauftritt des Landes bleibt auch politisch umstritten, der durch Einzelaktionen von Landkreisen nicht kompensiert werden kann. So kritisierte der Thüringer FDP-Bundestagsabgeordnete Patrick Kurth beim Besuch der Altenburger Messestände das Thüringer Ausstellungskonzept: “Trotz der liebevoll gestalteten Einzelstände war bis vor wenigen Jahren nicht erkennbar, dass diese aus Thüringen kamen.” Deshalb sei die Kritik an der Landesregierung berechtigt. Auch in diesem Jahr sei die Thüringer Darstellung noch verbesserbar, so Kurth. Allerdings freue er sich über das starke Engagement der Landkreise. “Sie halten die Thüringer Fahne hoch, während sich die Thüringer Landesregierung immer noch nicht ihrer Verantwortung stellt”, lobte Kurth.

Noch deutlichere Worte fand der SPD-Landtagsabgeordnete Frank Weber. “Das war der bisher schlechteste gemeinsame Messeauftritt Thüringens auf der Grünen Woche.”

Annett Böhm/Marion Schlag/Thomas Haegeler