26.02.2011 | OVZ

Stadtrat macht Weg für Modemarkt frei

Auch McDonald's und Dänisches Bettenhaus wollen an die Leipziger Straße / Hoffnung auf Steuereinnahmen und Arbeitsplätze

Altenburg. Trotz massiver Bedenken vor allem der Innenstadthändler und des Stadtforums sowie eines offensichtlichen Widerspruchs zum Einzelhandelskonzept hat der Altenburger Stadtrat vorgestern Abend mit deutlicher Mehrheit den Weg frei gemacht zur Ansiedlung eines großen Modemarktes an der Peripherie. Durch die Änderung von insgesamt drei Bebauungsplänen soll außerdem die Ansiedlung weiterer Unternehmen im Gewerbegebiet Nordost I und II ermöglicht werden. Die Rede ist von einem Fast-Food-Restaurant, einer Spielhalle, einem Bettenmarkt, einer Diskothek und einem Großhändler.

Die Stadt Altenburg plane ihre künftige gewerbliche Entwicklung im Nordosten der Stadt, beidseitig der Leipziger Straße. Doch die alten Pläne, entsprechen nicht mehr den heutigen Bedürfnissen des Marktes, begründete Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) seine Änderungswünsche. So ließe sich auf den vielen kleinen Flächen – stadtauswärts rechts – kein produzierendes Gewerbe ansiedeln. Deshalb will die Stadt bis auf das Gelände hinter Fräger die noch freien Flächen für Einzelhandel, Gastronomie und Vergnügungsstätten zur Verfügung stellen.

Entsprechende Anfragen gibt es. So soll neben dem schon vorhandenen Elektro- und Möbelfachmarkt ein Modemarkt entstehen. Außerdem sind ein McDonald's-Restaurant und eine Spielhalle vorgesehen. Auch das jetzt noch in der Käthe-Kollwitz-Straße angesiedelte Dänische Bettenhaus will umziehen. Einen möglichen Nachfolger für die dann freiwerdende Einzelhandelsfläche gibt es offensichtlich schon. Auch der Neubau einer Diskothek und ein Großhandelslager seien im Gespräch. “Wenn wir all diese Flächen vermarkten können, bringt das der Stadt jährlich Einnahmen im sechsstelligen Bereich bei Gewerbe- und Vergnügungssteuer”, warb der OB für die Veränderung. Besonders aber würden beim am meisten umstrittenen und am heißesten diskutierten Modepark Röther rund 40 neue Arbeitsplätze zu Buche schlagen.

Wolf betonte wie schon vor der Werbegemeinschaft nun auch vor dem Stadtrat, dass alle anderen innerstädtischen Flächen vom Investor abgelehnt wurden. “Wir können dem Investor nunmal nicht unseren Willen aufdrücken.” Außerdem gebe es in Altenburg derzeit ein nichtrepräsentatives Angebot an Bekleidung. Auch biete Röther Öffnungszeiten montags bis sonnabends von 9 bis 20 Uhr. “Eine Stärkung der Einkaufsstadt Altenburg bedeutet nicht, dass wir jegliche Investoren an der Peripherie vergraulen.”

Modepark-Geschäftsführer Michael Röther, der den Stadträten das Konzept des baden-württembergischen Familienunternehmens vorstellte, suchte ebenfalls die Bedenken der Abgeordneten zu zerstreuen. In Aalen beispielsweise habe es bei der Ansiedlung ebensolche Proteste gegeben. Inzwischen aber profitiere auch die Innenstadt von diesem Mehr an Kunden. “Wer also nicht nach Leipzig oder Zwickau fährt, sondern nach Altenburg, dessen Weg führt vielleicht auch in die Innenstadt”, so Röther.

Derzeit habe Altenburg leider einen hohen Kaufkraftabfluss in die umliegenden Großstädte und wenig Kundenbindung.

Der Modepark mit einer Verkaufsfläche von 4900 Quadratmetern – das ist fast soviel wie der Mediamarkt in Meerane – zielt auf Kunden im Umkreis von 40 Kilometern und siedelt sich vornehmlich in Städten mit rund 40 000 Einwohnern an. Dort, wo die ganz Großen der Branche nicht hinkommen. Weder in der Erreichbarkeit noch in der Fläche ließe sich das Konzept im City-Bereich umsetzten. “Wir haben eine wirtschaftliche Notwendigkeit”, so Michael Röther.

Zum Sortiment gehören Damen- und Herrenoberbekleidung, Young Fashion, Kinder- und Babybekleidung, Schuhe, Schmuck und Accessoires. Einen Modepark Röther gibt es in 20 deutschen Städten, der bislang einzige im Osten ist vor kurzem in Plauen eröffnet worden.

Ellen Paul

Pro und Kontra Modemarkt

Detlef Zschiegner (FDP): Wir haben im Juli beschlossen, den Entwurf des Einzelhandelskonzepts öffentlich auszulegen und es in einer Informationsveranstaltung den Bürgern vorzustellen. Das ist bislang nicht geschehen. Was also ist ein Stadtratsbeschluss eigentlich wert? Sie müssen als Stadträte nicht über jedes Stöckchen springen, dass Ihnen der Oberbürgermeister hinhält. Die Innenstadthändler haben massive Existenzängste.

Kommentar

Der Wert eines Beschlusses

Von Ellen Paul

Der Altenburger Stadtrat ist bekanntlich immer für eine interessante Debatte gut. Doch so viele auf einen Haufen wie vorgestern gab es wohl lange nicht. Erst um Mitternacht, nach einen sechsstündigen Sitzungsmarathon, ging der öffentliche Teil zu Ende – die Diskussion freilich noch lange nicht.

Denn die Entscheidungen werden in der Öffentlichkeit garantiert nicht unumstritten sein. Besonders in Sachen Modemarkt, der übrigens auch einer Genehmigung durch das Landesverwaltungsamt bedarf, steht mit Sicherheit noch so mancher Disput ins Haus. Man darf nur hoffen, dass er bei aller Kontroverse so sachlich und fair bleibt wie im Stadtrat selbst.

Dort nämlich wurde ein Musterbeispiel für den Umgang mit komplizierten und sensiblen Themen gegeben. Ein demokratisch gewähltes Gremium hat nach ausführlicher Diskussion demokratisch entschieden. Da blieben diesmal sogar parteipolitische Spielchen fast aus. Zu wichtig nahmen die Abgeordneten die geforderten Beschlüsse.

Die Stadtverwaltung macht dies leider nicht immer. Wie schon bei der Kündigung der Flugplatzanteile ist jetzt in Sachen Einzelhandelskonzept ein Beschluss des Stadtrats – selbiges nämlich auszulegen und in einer Informationsveranstaltung der Öffentlichkeit vorzustellen – schlichtweg ignoriert worden. Es wäre vorgestern Abend zumindest eine Entschuldigung wert gewesen.