28.03.3011 | OTZ

Wehren im Altenburger Land verlieren 200 Einsatzkräfte in einem Jahr

Zu ihrer Kreisverbandsversammlung trafen sich die Feuerwehrleute aus dem Altenburger Land am Sonnabend in Nobitz. Allein in einem Jahr verloren die Wehren im Kreis 200 Einsatzkräfte. Heftige Kritik gab es dazu vom Landesverband an einer fehlenden Unterstützung der Feuerwehrleute durch Politik und Wirtschaft.

Nobitz. Kreisvorsitzender Uwe Kaphahn hatte neben angenehmen Dingen, wie die Jahresveranstaltungen mit den Feuerwehrfrauen oder den Mitgliedern der Altersabteilungen, die der Kreisverband organisiert, auch viel Negatives zu berichten.

Um 208 Mitglieder verringerte sich in den aktiven Wehren die Zahl der Einsatzkräfte innerhalb nur eines Jahres, von 2009 zu 2010. Schwierig gestalte sich auch die Nachwuchsgewinnung. Wenngleich man nun Kinder ab sechs Jahren in die Jugendfeuerwehr aufnehmen könne, müsse man sie nun zehn Jahre bei der Stange halten, um sie im Alter von 16 Jahren in die aktive Wehr übernehmen zu können.

Neben den Sportvereinen, als größte Konkurrenz locken viele eher Computer als Feuerwehr. Außerdem sei da noch das leidige Problem mit der Ausbildung. Viele verlassen den Heimatort und sind damit für die aktive Wehr futsch. Nicht in weiter Ferne läge das Problem der Einsatzstärke und damit nicht vorhandener Einsatzbereitschaft der Wehren im Landkreis, wusste Kaphahn. Es könnte schon in den nächsten zwei, drei Jahren akut werden.

Kreisbrandinspektor Uwe Engert lobte vor allem die Einsatzbereitschaft der Frauen in den aktiven Abteilungen. Ohne sie wäre in manchen Wehren die ständige Einsatzbereitschaft schon nicht mehr gewährt, erklärte er.

Kritik gab es neuerlich am Feuerwehrsport. Der Steigerturm sei nicht nur für die Burkersdorfer da, sagte Steffi Heil von selbiger Wehr in der Diskussion. Man hat aber auch mit Tom Gehlert einen Mann, der in der Nationalmannschaft ist und im Hakenleitersteigen sowie auf der 100-Meter-Bahn Weltklasse verkörpere. Nächstes Jahr sei die Weltmeisterschaft in Cottbus, da sollte man auch als Feuerwehr hinfahren, sich das anschauen, riet der einstige Verbandschef Schreiber. Vielleicht könnte man über diese attraktiven Disziplinen mehr Jugendliche begeistern und letztlich bei der Stange halten, meinte er weiter.

Jugendwart Björn Steinicke zeichnete ein sehr positives Bild von den Jugendwehren im Kreis. Es sei nicht hoch genug einzuschätzen, wie viel Freizeit die Jugendwarte opferten. Schließlich warten neben dieser Tätigkeit alle anderen “normalen” Aufgaben wie Ausbildung und Einsätze, erinnerte er. Das Kreisjugendzeltlager in Pahna stoße ob der rasant gestiegenen Beteiligung nicht nur an Kapazitätsgrenzen, sondern auch an finanzielle. Hier müssen Lösungen gefunden werden, erinnerte er.

Dass die Feuerwehr ihre Rolle gegenüber der Wirtschaft und der Gesellschaft stärker als bisher darstellen und Unterstützung einfordern müsse, verdeutlichte Steffen Höntsch, zweiter stellvertretender Verbandsvorsitzender des Thüringer Feuerwehr-Verbandes. “Was glaubt die Politik, wie lange wir noch die Sonntagsreden anhören werden, ohne dass gehandelt wird”, fragte er mit Blick auf sinkende finanzielle Unterstützung. Er räumte aber ein, dass es auch Lichtblicke gebe. Einige Politiker handeln. Aber wenn sie nicht endlich alle an einem Strang ziehen würden, “dann wird unser System kollabieren”, so Höntsch. Man wolle keine Wunder, aber endlich Engagement von ihnen, so wie die Feuerwehren das in ihren Einsätzen zeigen. Politiker sollen nicht ihr Leben riskieren, aber sie sollen das der Feuerwehrleute schützen und ihnen den maximalen Schutz angedeihen lassen. Einigen Kommunalpolitikern sei das laut Höntsch noch nicht klar. Doch wer nicht mit den Wehren an einem Strang ziehe, werde seine Feuerwehr und seine Sicherheit verlieren.

Was glaube außerdem die Wirtschaft, wie lange sich die Einsatzkräfte am Arbeitsplatz noch mobben lassen und sie ihnen ihre Feuerwehrmitgliedschaft vorwerfen lassen müssen, fragte Höntsch. Viele haben Angst, ihre Arbeit zu verlieren, wenn sie während der Arbeitszeit zum Einsatz gerufen werden. Der Verband will mit der Wirtschaft dazu ins Gespräch kommen. Bei allem Gewinnstreben, Feuerwehrleute zu beschäftigen, bedeute nicht nur beim Piepsen des Melders wegrennende Arbeitskräfte, sondern im Ernstfall helfende Hände fürs Unternehmen, verdeutlichte Höntsch. “Was glaubt die Gesellschaft, wie lange wir uns noch müde belächeln lassen, wenn wir unsere Freizeit statt im Garten im Gerätehaus verbringen oder uns im Einsatz von volltrunkenen Chaoten beschimpfen lassen”, richtete er die Frage an die anwesenden Abgeordneten vom Bund bis in die Kommune.

Karsten Schalla, Beigeordneter des Landrates, Unternehmer und selbst Feuerwehrmann, sprang für die Unternehmer in die Bresche: Es gebe schon eine ganze Reihe, die Feuerwehren materiell bzw. finanziell unterstützten.

Ulrike Grötsch