09.04.2011 | OTZ

Im Altenburger Kreistag das Grüne Herz entdeckt

Die Atomkatastrophe im japanischen Fukushima macht auch vor dem Altenburger Land nicht Halt und die hiesigen Kreistagsabgeordneten entdecken ihr grünes Herz. Das schlägt in diesen Tagen aber nicht nur für Schonung und Schutz von Natur und Umwelt, sondern außerdem für die regionalen Anbieter von Bioenergie.

Altenburg. Weshalb die Abstimmung über die Beschlussvorlage KT-DS/117/2011, um die es am Mittwochabend ging, nun wohl als eine der kuriosesten in die Geschichte des Gremiums eingehen wird. Mit der nämlich wollte sich der Landkreis an einer europaweiten Bündelungsausschreibung für Elektroenergie der Vorschlag kam aus Sömmerda beteiligen, um mit dem günstigsten Stromanbieter die Energiekosten im Altenburger Land zu senken. Angesichts der klammen Kreiskassen keine schlechte Idee.

Doch nach Fukushima geht es dem Kreis nicht nur ums Sparen, sondern auch um das Wo und Wie in Sachen Stromerzeugung.

Und so erfuhr das von Kreisausschuss und Landrat Sieghardt Rydzewski (parteilos) eingereichte Papier am Mittwochabend die Ablehnung des kompletten Parlaments einschließlich der des Landrates. Ebenso bemerkenswert die Diskussion im Vorfeld des Votums: Niemand redete für den Antrag auch nicht Sieghardt Rydzewski. Und hätte Ingo Prehl, Abgeordneter von Bündnis 90/Die Grünen, an diesem Abend Aufnahmeanträge für seine Partei dabei gehabt womöglich hätte er das parteilose Kreisoberhaupt als Mitglied gewinnen können. Rydzewski jedenfalls hat nach Fukushima offenbar sein Herz für so genannten sauberen Strom entdeckt und sah sich während der Debatte um seinen Beschlussvorschlag ganz an der Seite des Grünen-Abgeordneten aus Ponitz.

Der hatte kritisiert, dass es in der Beschlussvorlage lediglich um Kostenersparnis für Strom gehe nicht aber darum, wie und wo diese Energie überhaupt gewonnen werde. “Ich plädiere offen dafür, von dieser Vorlage abzurücken und sich stattdessen dem Thema erneuerbare Energien zuzuwenden”, so Ingo Prehl. Zumal im Altenburger Land bis dato genügend Zeichen gesetzt worden seien, um sich als Region erneuerbarer Energien zu profilieren. Prehl nannte als Beispiel dafür die Solaranlage am Schmöllner Kapsgraben und die Vielzahl an Ideen, um Strom alternativ zu gewinnen. “Ich finde, wir sollten unsere heimischen Stromerzeuger nicht nur bestärken, sonderen ihren Strom auch nutzen.”

Michael Wolf (SPD) und Karsten Schalla (FDP) waren sich ebenfalls darin einig, in Sachen Stromlieferung als Kreis die heimische Wirtschaft zu stärken und viele kleine Lose an die ortsansässigen Anbieter zu vergeben. “Wir sehen deshalb keinen Grund, diese Aufträge gebündelt auszuschreiben, noch dazu europaweit”, so beide Parlamentarier unisono. Uwe Melzer (CDU) indes brach eine Lanze für die im Landkreis bereits vertretenen Stromlieferanten: Envia sei aktiv und arbeite außerdem unter Beteiligung zahlreicher kommunaler Anteilseigner. Auch habe man mit den Stadtwerken in Altenburg einen Anbieter vor Ort.

Frank Tempel und Michaele Sojka begrüßten für die Fraktion der Linken all diese Vorschläge und wollten die Vorlage unter den aktuell genannten Aspekten neu diskutieren.

Dazu kam es jedoch nicht mehr: Denn die Frist für die Positionierung des Landkreises Altenburger Land in Sachen gebündelte Ausschreibung unter Federführung von Sömmerda war bereits am 31. März abgelaufen. Weshalb der Beschlussvorschlag mit drei Enthaltungen und 32 Nein-Stimmen abgelehnt wurde.

Jana Borath