17.05.2011 | OVZ

Wieder grosse Ziele stellen

Landrat fordert Mut zu Visionen und plädiert für Abschaffung der LEG

Altenburg. Landrat Sieghardt Rydzewski (parteilos) hat dazu aufgerufen, dass sich das Altenburger Land wieder größere Ziele stellt und Mut zu Visionen hat. Bislang blieb der Appell weitestgehend ungehört. Ohnehin fehlt dem Kreis das nötige Geld.

Von Jens Rosenkranz

Anlass für den Aufruf vor mehreren Tagen vor dem Kreistag war ein Besuch aus dem brandenburgischen Vorzeige-Kreis Teltow-Fläming. Der Geschäftsführer der dortigen Struktur- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft (SWFG), Herbert Vogler, hatte den Erfolg seines Landkreises unter anderem damit begründet, dass es Menschen gab, die Visionen hatten und bereit waren, Geld in ein Projekt zu investieren. Teltow-Fläming, im Speckgürtel von Berlin und Potsdam gelegen, verzeichnet mit sieben Prozent eine geringe Arbeitslosigkeit und hat in den letzten 20 Jahren einen Bevölkerungzuwachs von 11 000 Einwohnern zu verzeichnen. Vogler hatte ebenso über die Abwicklung der brandenburgischen Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) informiert.

Wasser auf die Mühle von Rydzewski. Der Landrat beklagt schon seit geraumer Zeit die unzureichende Unterstützung der LEG Thüringen für das Altenburger Land, die seit 1992 keine nennenswerten Unternehmensansiedlungen vor Ort veranlassen konnte. Vor dem Kreistag forderte er schließlich sogar, die LEG abzuschaffen. Man brauche diese nicht. So ließen sich Millionen einsparen. Stattdessen müsse man für die Wirtschaftsförderung selbst etwas tun, forderte Rydzewski. Es scheine jedoch, dass für große Dinge die Luft raus ist. Vielleicht habe das Altenburger Land in letzter Zeit auch ein paar Probleme zu viel zu bewältigen gehabt. Dennoch müsse man wieder über große Ziele, und auch über Visionen reden.

SPD-Fraktionschef Dirk Schwerd fasste dies als Vorwurf an den Kreistag auf, sprach gar von einer Ohrfeige für diesen und ging sogleich in Angriffsposition. Wenn man schon die beiden Kreise vergleiche, dann stelle sich die Frage, ob Teltow-Fläming vielleicht den besseren Landrat habe, grantelte Schwerd. Eine Kritik freilich, die Rydzewski als gute Wahlkampf-Nummer zurückwies.

Man könne die beiden Landkreise gar nicht miteinander vergleichen, warf FDP-Kreistagsfraktionschef Karsten Schalla ein. Denn das Altenburger Land habe mit dem Flugplatz und den zahlreichen kulturellen Einrichtungen riesige Aufgaben zu schultern. Schalla griff die Visionen des Landrats auf, sprach sich jedoch dafür aus, dass diese nachvollziehbar, greifbar und vor allem realistisch sein müssten. Zuvor müsse sich das Altenburger Land allerdings gesundschrumpfen und aufpassen, dass es nicht größenwahnsinnig werde. Denn eine Vision sei bereits geplatzt – die des Flugplatzes.

Standpunkt

Mutmacher in schwieriger Zeit

Von Jens Rosenkranz

Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen, höhnte einmal ein Bundeskanzler. Das mag sein, doch ist die Forderung von Landrat Rydzewski durchaus berechtigt, dass der Kreis wieder größere Aufgaben anpacken muss. Spätestens, nachdem mit dem Flugplatz ein Riesen-Projekt den Bach hinunterzugehen droht.

Genau hier liegt das Grundproblem. Zunächst muss klar sein, ob man weiter einen riskanten Kampf um den Airport führt oder andere Ziele ins Visier nimmt. Beides wird schon allein wegen der begrenzten finanziellen Mittel nicht möglich sein. Der Landrat hat seine Forderung zudem in einer schwierigen Zeit gestellt, in der dem Altenburger Land nach schweren Rückschlägen nicht unbedingt der Sinn nach neuen Herausforderungen steht.

Wie man zügig aus diesem Tief herauskommt, wird eine der wichtigsten Fragen im Wahlkampf kommendes Jahr sein. Bis dahin darf der Ruf nach Visionen als markiger Mutmacher verstanden werden. Mehr aber noch nicht.