22.06.2011 | OVZ

Sonnabends einkaufen in der City bis 16 Uhr

Händler und Rathaus planen Start zum Altstadtfest

Altenburg. Zum Altstadtfest am letzten Augustwochenende soll eine neue Initiative für längere Sonnabend-Öffnungszeiten starten. Darauf einigten sich Innenstadthändler und Stadtverwaltung bei einem Treffen am Montagabend im Rathaus. Unklar ist allerdings, wie viele Geschäfte sich tatsächlich beteiligen: An der zweistündigen Diskussion hatten nur gut zwei Dutzend Händler teilgenommen.

Von Günter Neumann

Werbegemeinschafts-Chef Gebhard Berger ließ seinem Frust freien Lauf: “Ich bin fassungslos über die Beteiligung und wütend über das fehlende Engagement derjenigen, die eigentlich Aktionen zeigen müssten”, schimpfte er. Zumal alle Mitglieder der Werbegemeinschaft noch einmal extra angerufen und auf das Treffen hingewiesen worden seien. Er sei gern zur Diskussion über die Belebung der Innenstadt bereit, aber nicht sicher, ob die Runde repräsentativ genug dafür sei.

Zuvor hatte Rathaus-Wirtschaftsförderer Tino Schaarschmidt nochmals die Ergebnisse der Befragung zusammengefasst, in der sich immerhin 130 Händler äußerten (OVZ berichtete): “Die Mehrheit ist für zusätzliche Parkplätze, die Mehrheit ist gegen zusätzliches Parken auf dem Markt und die Mehrheit ist für einheitliche Öffnungszeiten.” Vor allem um einheitliche und längere Öffnungszeiten am Sonnabend drehte sich dann die gut zweistündige Diskussion.

Die Umfragezahlen lassen viel Interpretationsspielraum, warnte beispielsweise Detlef Zschiegner. Der FDP-Stadtrat hat selbst ein Geschäft in der Baderei: “Nicht alle, die Ja zu längeren Öffnungszeiten sagen, werden auch mitmachen.” Zugleich unterstützte er den Vorschlag einer einheitlichen Sonnabend-Öffnungszeit bis 16 Uhr mit Nachdruck. Die sei man der Innenstadt und den Kunden schuldig.

“Wenn anderswo sonnabends der umsatzstärkste Tag ist, warum nutzen wir das nicht und knapsen uns auch ein Stück dieses Marktes ab?”, fragte Achim Dathe von der Interessengemeinschaft Baderei, die sich in diesem Punkt offenbar bereits einig ist. Doch die Aktion sollte gut vorbereitet sein, ein ordentliches Marketingkonzept schüttle man nicht aus dem Ärmel.
Der neue Adler-Modemarkt, der demnächst im Gebäude des einstigen C&A-Kaufhauses öffnet, werde selbstverständlich sonnabends bis 16 Uhr geöffnet haben. “Das ist verbindlich, alles andere wäre nicht zeitgemäß”, sagte Sebastian Schulz. Doch wohl auch ein wenig konsterniert angesichts der langen Debatten meinte er fast beschwörend: “Ich hoffe, dass man sich hier einig wird.”

“Die Stadt Altenburg wird mitziehen, aber in Vorleistung müssen Sie gehen”, bekräftigte Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) nochmals und wünschte sich ein klares Signal der Händlerschaft, mit dem 16-Uhr-Projekt zum Altstadtfest am letzten Augustwochenende zu beginnen. “Wer mit offenen Augen durch Altenburg geht, weiß, dass die Bevölkerung das will.” Der OB bekam sein klares Signal, die meisten Hände gingen am Schluss nach oben. Allerdings waren es nur etwa 20.

Standpunkt

Stimmungsmacher gesucht

Von Günter Neumann

Die Idee ist so gut wie sie alt ist. Längere, einheitliche, langzeit-stabile Öffnungszeiten, zudem fest in die Köpfe der einheimischen und anreisenden Kunden gebrannt, das sind die Grundvoraussetzungen, um Altenburg zu einer netten kleinen Einkaufsstadt zu machen. Ein bisschen attraktiver als jetzt also, und sogar ein bisschen wirtschaftsstärker.

Die Verfechter des Projekts haben auch alles richtig gemacht: Mit einer soliden Umfrage Fakten geschaffen, ein erfolgreiches Beispiel präsentiert, große Anbieter als Zugpferde eingespannt, schließlich Werbegemeinschaft, Baderei und Rathaus verbündet.

Doch immer noch fehlt die Aufbruchstimmung. Weil ganz offenkundig eine Mehrheit der Händler das ganze Projekt gar nicht interessiert. Ein Phänomen, das wiederum die Kunden von Frühlingsnächten und manch sogenannten verkaufsoffenen Sonntagen kennen.

Bis zum Altstadtfest ist mithin noch jede Menge Überzeugungsarbeit nötig. Sollte sie gelingen – es wär' zu schön, um wahr zu sein.