01.09.2011 | OVZ

Keinen Freifahrtschein fürs Theater

Heftige Debatten um Finanzierung entbrannt

Altenburg. Während die Theaterleute in die neue Spielzeit starten, rumort es hinter den Kulissen gewaltig. Die vom Freistaat hart erkämpfte, eigentlich bereits unter Dach und Fach gewähnte Theaterfinanzierung von 2013 bis 2016 gerät völlig unerwartet ins Wanken. Eine Zustimmung des Kreistages in der nächsten Woche ist ungewiss.

Von Ellen Paul

Dabei scheint die Forderung von Landrat Sieghardt Rydzewski (parteilos), im Vergleich zur Stadt Altenburg mehr Mitspracherecht für den Landkreis zu erhalten oder weniger Geld zu zahlen (OVZ berichtete), offenbar noch das kleinere Problem. Denn wie Kreisrat Karsten Schalla, Vorsitzender des Kulturausschusses, auf OVZ-Nachfrage erklärte, sehen die Abgeordneten zumindest seines Ausschusses fraktionsübergreifend weit größere Probleme. Man wolle deshalb dem Kreistag empfehlen, die Vorlage zur Theaterfinanzierung in die zuständigen Ausschüsse zurückzuverweisen. Außerdem soll möglichst schnell ein Änderungsvorschlag öffentlich gemacht werden.

“Solange ich nicht weiß, wie wir den Haushalt 2012 deckeln sollen, bin ich nicht bereit, dem Theater für die nächsten vier Jahre einen Freifahrtschein auszustellen”, so der FDP-Politiker. Schließlich drohe dem Landkreis durch die Kürzungen im kommunalen Finanzausgleich ein Defizit von rund vier Millionen Euro, von dem derzeit niemand weiß, wie es geschlossen werden soll. “Viele andere Thüringer Kommunen mussten sich in den letzten Jahren schon von liebgewonnenen Einrichtungen wie Freibädern oder Bibliotheken trennen. Nur im Altenburger Land glauben offensichtlich alle, dass immer alles so weitergeht wie bisher.”

Erschwerend komme beim Theater hinzu, das bislang niemand wisse, welche finanziellen Auswirkungen die angekündigte Rückkehr zum Flächentarifvertrag tatsächlich haben wird, so Schalla weiter. Auch bei der Finanzierung des neuen Staatsballetts gebe es noch offene Fragen, da das Land nur für Personal- und Sachkosten aufkommen will. Logistik- und Verwaltungskosten hingegen seien ungeklärt, wie die neue kaufmännische Geschäftsführerin des Theaters, Andrea Schappmann, in dieser Woche im Kulturausschuss des Geraer Stadtrates bestätigte.

Heftig eingemischt in die Diskussion um die Theaterfinanzierung hat sich überraschend auch die Schmöllner Bürgermeisterin Kathrin Lorenz. Es könne nicht sein, dass die Kommunen zum einen über die Kreisumlage das Theater mitfinanzieren und zum anderen 25-prozentige Kürzungen der Schlüsselzuweisungen in Kauf nehmen sollen. Damit würden Städte und Gemeinden das Theater doppelt finanzieren. “Und das bei dem höher werdenden Altersdurchschnitt. Immer mehr Ältere im Kreis bedeutet auch, immer weniger Besucher im Landestheater”, so die CDU-Politikerin.

Andererseits habe sie als Bürgermeisterin immer weniger Möglichkeiten, Vereine, Jugendarbeit, Ehrenamtliche, Trachten- und Kulturgruppen finanziell zu unterstützen. Sie fordert deshalb, vor allem betriebswirtschaftliche Aspekte in den Mittelpunkt zu rücken, wenn es um die künftige Finanzierung des Theaters geht. Um eine sinnvolle Diskussion darüber führen zu können, gehöre zum einen der Etatentwurf des Landes Thüringen für 2012 auf den Tisch und zum anderen die Vorstellungen des neuen Theaterintendanten, wie er Geld einspielen wolle, statt nur auf Subventionen zu bauen.

Die Landesregierung will dem Altenburg-Geraer Theater von 2013 bis 2016 jährlich 9,7 Millionen Euro zur Verfügung stellen, das sind 253 000 Euro mehr als bislang. Gera, Altenburg und das Altenburger Land steuern 6,7 Millionen Euro bei. Die geringfügig höheren Zuschüsse reichen aber nicht, um die Tarifsteigerungen aufzufangen. Ein Konzept, wie das Theater das Problem lösen will, liegt nicht vor.