08.09.2011 | OVZ

Kreistag lehnt neuen Intendanten ab

Altenburg (E.P.). Der neue Intendant des Altenburg-Geraer Theaters ist gestern Abend bei seiner Wahl im Kreistag durchgefallen. Mit 17:13 Stimmen bei vier Enthaltungen sprachen sich die Abgeordneten mehrheitlich gegen die Bestellung von Kay Kuntze als neuen künstlerischen Geschäftsführer aus.

Kreistag gegen neuen Intendanten

Vorwurf: Zu viele andere Verpflichtungen

Altenburg. Nach dem Altenburger Stadtrat habt sich nun auch der Kreistag mit einem Paukenschlag im politischen Geschäft zurückgemeldet. Auf seiner ersten Sitzung nach der Sommerpause verwehrte er gestern Abend dem neuen Intendanten des Altenburg-Geraer Theaters seine Zustimmung. Mit 17:13 Stimmen bei vier Enthaltungen sprachen sich die Abgeordneten mehrheitlich gegen die Bestellung von Kay Kuntze als neuen künstlerischen Geschäftsführer aus. Zuvor war der 45-Jährige, der bereits seit Anfang August im Amt ist, bei seiner Vorstellung im Kreistag einem regelrechten Verhör unterzogen worden.

Von Ellen Paul

Es war eine Entscheidung mit Ansage. Denn es hatte sich im Vorfeld bereits angedeutet, dass der neue Theaterchef – im Juni als Nachfolger von Matthias Oldag der Öffentlichkeit vorgestellt – es im Kreistag des Altenburger Landes nicht leicht haben würde. Vor allem im bürgerlichen Lager regte sich Widerstand, weil man die zahlreichen anderen beruflichen Verpflichtungen von Kuntze als Handicap bei der Bewältigung des gigantischen Aufgabenberges am hiesigen Theater sah.

Und so musste sich der neue Theaterchef dann auch gestern Abend von CDU, FDP, den Regionalen, aber auch von den Linken entsprechende Fragen gefallen lassen. So wollte Michaele Sojka (Die Linke) etwas zu den strukturellen Konzepten wissen und wann er denn dem Theater in vollem Umfang zur Verfügung stehen würde? Vor allem an letzterem Thema bissen sich die Kreisräte nachhaltig fest. Wie er seiner Verantwortung nachkommen wolle, wenn er noch Verpflichtungen an mehreren anderen Theater habe, wollten in unterschiedlichen Varianten Abgeordnete fast aller Fraktionen wissen. FDP-Chef Karsten Schalla versuchte dann den am Rednerpult schon sichtlich angeschlagenen Theaterchef etwas aus der Schusslinie zu nehmen. “Ich mache Ihnen persönlich keinen Vorwurf”, so Schalla. Der richte sich vielmehr an diejenigen Gesellschafter, die eine rechtzeitige Ausschreibung verhindert hätten, um jemanden zu finden, der sich langfristig hätte vorbereiten können.

Kuntze selbst verteidigte seine Position. Er sei nicht aus der Arbeitslosigkeit eingestellt worden, müsse also seine eingegangenen vertraglichen Verpflichtungen erfüllen. Das gebiete zudem der Anstand und die Moral. “Ich kann doch nicht einfach alles abbrechen. Das habe ich auch in den Einstellungsgesprächen gesagt.” Nicht der Ort, an dem der Intendant arbeite, sei das Entscheidende, sondern was er für das Theater tue.

Rückdeckung erhielt Kuntze von Landrat und Oberbürgermeister, die als Gesellschafter des Theaters ihre Entscheidung verteidigten. “Wir wollten einen Intendanten mit Renommee und Ausstrahlung. Und den bekommt man nicht von der Bundesagentur für Arbeit”, so OB Michael Wolf. Es sei, ergänzte Landrat Rydzewski, völlig illusorisch, jemanden für solch einen Job fürs halbe Geld haben zu wollen. “Wer die volle Verantwortung hat, hat auch Anspruch auf das volle Geld.”

Genutzt hat es nichts mehr. Die Fronten waren verhärtet. Und viele Abgeordnete wollten offensichtlich auch ein Zeichen setzten.

Die Nicht-Bestellung von Kay Kuntze durch den Kreistag bleibt allerdings ohne Folgen, da er von den Stadträten in Gera und Altenburg schon gewählt ist. Diese 80 Prozent Gesellschafteranteile reichen laut Gesellschaftervertrag aus. Moralisch angeschlagen ist der Berliner Theatermann jedoch ohne Frage. Es hätte keinen schlechteren Start geben können.