08.09.2011 | OTZ

Visionär in Bedrängnis

Bislang lief alles gut für Kay Kuntze, dem neuen Intendanten von Theater & Philharmonie Thüringen. Doch gestern Abend gerät er im Kreistag in die Kritik.

Altenburg. Der Ablauf war beinahe der gleiche wie beim vergangenen Altenburger Stadtrat vor wenigen Wochen. Kay Kuntze, der neue künstlerische Geschäftsführer von Theater & Philharmonie Thüringen soll sich vorstellen, über seine Arbeit sprechen, seine Ziele. Er sagte, was er bereits in der Skatstadt erzählte. Dass er eine Vision habe von einem Theater mit Ausstrahlungskraft und Aufführungen, die den Menschen in der Region gefallen. Und er sprach sich gegen Regisseure aus, die Stücke allzu arg verändern.

Zur gestrigen Kreistagssitzung geriet Kuntze zunehmend in Bedrängnis. Das Problem: Der erfolgreiche Theatermacher hat noch Verpflichtungen an anderen Häusern. Er wird inszenieren und unterrichten. Kurzum: Er ist nicht ständig am Theater Altenburg-Gera. Außerdem plagen das Theater, wie Kuntze sagt “gewaltige Finanzierungsprobleme” und ein zu dünn besetztes Musiktheater, das er verstärken möchte.

Kritik an dem Beschäftigungsverhältnis Kuntzes kommt zur Kreistagssitzung bandbreit. Von den Linken, der CDU und der FDP. Wie wollen Sie das schaffen das Theater Altenburg-Gera leiten und auf anderen Hochzeiten tanzen, wird Kuntze gefragt. Es scheint, als bezahle man einen ganzen Intendanten und bekomme nur einen halben.

Kuntze sagt, dass seine anderen Verpflichtungen der Findungskommision von Beginn an klar waren. Er könne aufgrund der kurzfristigen Ausschreibung nicht ohne Weiteres alle anderen Prozesse beenden.

Altenburgs Oberbürgermeister betonte, dass man einen Intendanten mit Renommee und Ausstrahlung wollte. Kuntze erfülle diese Kriterien. “Solche Menschen bekommt man nicht von der Bundesagentur für Arbeit”, sagt Wolf. “Uns war klar, dass Herr Kuntze nicht ständig vor Ort sein kann”, so der Oberbürgermeister.

Ein Antrag der SPD-Fraktion, die Debatte an dieser Stelle zu beenden, wurde von der Mehrheit der Abgeordneten abgelehnt. So kam es wie es kommen musste. Die Diskussion drehte sich im Kreis.

Bei der Abstimmung über die Bestellung Kuntzes als künstlerischen Geschäftsführer sprachen sich die Mehrheit der Abgeordneten gegen die Bestellung aus. Sichtlich überrascht von der Entscheidung der Kommunalpolitiker ist Kay Kuntze nach der Sitzung im Altenburger Landratsamt. Welche Folgen hat die Nicht-Bestellung? “Das kann ich jetzt nicht sagen”, so Kuntze gegenüber dieser Zeitung. Weitere Stellungnahmen wollte er nicht abgeben. Tatsächlich bleibt die Abstimmung ohne Folgen. Gera und Altenburg nickten die Bestellung bereits ab. Das ist eine deutliche Mehrheit.

Martin Gerlach