14.11.2011 | OVZ

Keine Alibi-Kandidaturen

FDP und Bündnis-Grüne verzichten auf Bewerber zur OB- und Landratswahl 2012

Altenburg. Mit der Absage der Freien Demokraten und der Bündnis-Grünen können die Bewerber-Listen der etablierten Parteien für die Landrats- und Oberbürgermeisterwahl im April 2012 so gut wie abgeschlossen werden. Beide verzichten mangels Bewerber und Chancen.

Von Jens Rosenkranz

“Nach realistischer Einschätzung der Wahlchancen haben wir festgestellt, dass eigene Kandidaten sowohl bei der Landrats- als auch bei der Bürgermeisterwahl in Altenburg wenig Aussicht haben, gewählt zu werden”, wird in einer Presseerklärung der Bündnisgrünen der Verzicht begründet. Diese Position war bereits auf einer vertraulich einberufenen Mitgliederversammlung Anfang November beschlossen worden.

Es sei nicht “unser politisches Ziel, die Verwaltung zu führen”, heißt es in der Erklärung. Mitglieder und mögliche Kandidaten würden ehrenamtlich wirken und auch die außerparlamentarische Politik unterstützen, wie bei Denkmalschutz, erneuerbaren Energien oder Ausländerpolitik.

Selbstverständlich werde man sich weiterhin im Altenburger Stadtrat und Kreistag für eine grüne Politik und Bürgerrechte einsetzen und sich auf die nächsten Kommunalwahlen konzentrieren. In beiden Gremien sind die Grünen derzeit mit einem Abgeordneten vertreten, der sich jeweils den SPD-Fraktionen anschloss.

Ziel sei es, mit eigenen Fraktionen in den Räten vertreten zu sein und in weiteren Gemeinden Fuß zu fassen. Auch auf eine Wahlempfehlung wollen die Bündnis-Grünen im Moment verzichten, diese womöglich aber noch nachholen, je nach Verlauf des Wahlkampfes, heißt es in der Pressemitteilung.

So wie die Bündnis-Grünen werden auch die Freien Demokraten auf Kandidaten zur OB- und zur Landratswahl verzichten. “Darüber sind wir uns im Vorstand mittlerweile einig”, sagte FDP-Kreisvorsitzender Steffen Plaul der OVZ auf Anfrage.

Es sei niemand vorhanden, der Ambitionen habe und der eines der beiden Ämter übernehmen könne. Alle chancenreichen Bewerber seien in ihren jeweiligen Berufen stark eingebunden und wollten ihre Tätigkeiten nicht aufgeben. Einen Alibi-Kandidaten wolle die Partei aber auch nicht ins Rennen schicken, nur damit man jemanden vorzeigen könne, so Plaul. Überraschungen will der Kreischef ebenso ausschließen. Die Sache sei entschieden.

Zuletzt hatten die Freien Demokraten bei den Landratswahlen vor fünf Jahren für Furore gesorgt. Damals fuhr das jetzige Kreistagsmitglied Daniel Scheidel auf Anhieb 17 Prozent ein und wurde im selben Jahr zum Vize-Landesvorsitzenden der FDP gewählt. Doch auch er möchte nicht noch einmal antreten. Wahlkampf und Amt würden an die Substanz gehen, sagte Scheidel der OVZ. Er habe zwei kleine Kinder und eine Ehefrau. Da möchte er genügend Zeit haben, sich um alle drei kümmern zu können.

Zur Altenburger Oberbürgermeisterwahl treten demnach bisher lediglich Amtsinhaber Michael Wolf (SPD) und sein momentan einziger Herausforderer André Neumann (CDU) an. Die Linke passt bislang, Überraschungen sind hier aber möglich. Landrat Sieghardt Rydzewski (parteilos) muss sich mit Uwe Melzer (CDU), Dirk Schwerd (SPD) und Michaele Sojka (Linkspartei) auseinandersetzen.

Standpunkt

Noch keine Vorentscheidung

Von Günter Neumann

Keine Überraschung. Dieses Fazit liegt angesichts des Verzichts der beiden Kleinen nahe.

Zwar zählen sie zu den etablierten, in Bundestag und Landtag vertretenen Parteien. Doch die lokale Personaldecke ist extrem dünn: Nach ihren Höhenflügen ist die FDP im Kreis müde, im Altenburger Stadtrat zerrissen und bedeutungslos geworden. So, wie es die Grünen seit langem sind, deren Einzelkämpfer versuchen, an Bord der SPD irgendwie das nächste Ufer zu erreichen.

Der Wähler wird diese Enthaltsamkeit verschmerzen, die Konkurrenz sich die Hände reiben. Das Nichtantreten der Grünen dürfte die Kandidaten von SPD und Linken bevorteilen, der Verzicht der FDP die Bewerber aus dem bürgerlichen Lager. Die Gemengelage bleibt dennoch unübersichtlich: Profitieren beispielsweise bei der OB-Wahl der Amtsinhaber mehr von den grünen Stimmen oder seine Herausforderer von den liberalen?

Deshalb bedeutet der Absprung von Grünen und FDP noch lange keine Vorentscheidung.