29.10.2011 | OVZ

Die Kröte geschluckt

Altenburger Stadtrat stimmt Rettungsschirm und neuem Finanzkonzept für das Theater zu

Altenburg. Nach Gera und dem Altenburger Land hat nun auch Altenburg als letzter der drei Theater-Gesellschafter der Beteiligung am Rettungsschirm und der neuen Finanzierungsvereinbarung zugestimmt. Zwar wurde zur Stadtratssitzung vorgestern Abend erneut lange und heftig über die äußerst schwierige finanzielle Situation der Theater GmbH debattiert, von einer Kampfabstimmung wie im Kreistag indes konnte keine Rede sein.

Von Ellen Paul

Während dort vor zwei Wochen nur das Ausscheren von Saaras Bürgermeister Stephan Etzold und dem Landtagsabgeordneten Fritz Schröter (beide CDU) aus der bürgerlichen Phalanx ein möglicherweise folgenschweres Nein zur neuen Finanzierungsvereinbarung verhinderte (OVZ berichtete), waren die Voten im Stadtrat sehr klar. Für den neuen Finanzvertrag gab es 27 Ja, ein Nein und fünf Enthaltungen, für die Beteiligung am Rettungsschirm 28 Ja, ein Nein und drei Enthaltungen.

Eine Übereinstimmung mit dem Kreis gab es dennoch: Auch die Altenburger Stadträte und die Rathausführung treiben am meisten die Unsicherheiten in der neuen Finanzierungsvereinbarung mit dem Land Thüringen für die Jahre 2013 bis 2016 um. Denn nach wie vor ist völlig unklar, woher das Geld für mögliche Abfindungen und die beabsichtigte Rückkehr zum Flächentarifvertrag kommen soll. Auch bei der Finanzierung des neuen Staatsballetts gibt es unbeantwortete Fragen. Da das Land aber Nachverhandlungen ausgeschlossen hat, bleibe nur die Zustimmung, um Schlimmeres zu verhindern, warb Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD). Auch die Fraktionschefin der Linken, Birgit Klaubert, sprach von einer Kröte, die man schlucken müsse.

Detlef Zschiegner hingegen fand, dass man so langfristig einfach keinen Blanko-Scheck ausstellen könne. Dieses Konzept sei wirtschaftspolitischer Wahnsinn. Keiner wisse, wer das bezahlen soll. “Allein das Wort Flächentarifvertrag löst bei mir allergische Reaktionen aus”, so der FDP-Abgeordnete. Zumal bei einigen Bezügen am Theater andere Arbeitnehmer in Altenburg ohnehin feuchte Augen bekommen würden. Für ihn gebe es daher nur die Option des Abschlusses von Einzelverträgen.

Auch OB Michael Wolf, derzeit zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der Theater GmbH, favorisiert diese Variante, räumt ihr aber wenig Erfolgsaussichten ein. Beim Scheitern müsste versucht werden, erneut einen Haustarifvertrag abzuschließen. Die Entscheidung darüber brauche man bis spätestens Januar 2012. Denn bei einer Rückkehr zum Flächentarifvertrag – der dritten Variante – müsste ein ganz neues Konzept her. “Dann reden wir über Sparten, die wir nicht mehr haben. Dann wird es nicht mehr das Theater sein, das wir kennen”, so Wolf.

Entsprechende Strukturmodelle würden derzeit von der Theaterleitung erarbeitet, so die im Stadtrat anwesende kaufmännische Geschäftsführerin Andrea Schappmann. “Doch dafür muss man etwas Zeit haben.” Auf dem Prüfstand steht ihren Aussagen zufolge beispielsweise das Rabattsystem. Denn darin könnte eine mögliche Ursache für die von Christian Götze (Pro Altenburg) im Jahresabschluss 2010 ausgemachte Diskrepanz zwischen steigenden Besucher- und dennoch sinkenden Umsatzzahlen liegen. “Eine Flatrate wird es definitiv nicht mehr geben, an Rabatten für Schulen indes halten wir fest”, so Schappmann.